Die Europäische Kommission hat beschlossen die EU-Finanzmarktrichtlinie MiFID II auf den 3. Januar 2018 zu verschieben. Damit sollen nationale Behörden und Marktteilnehmer ein Jahr mehr Zeit für die Umsetzung der Vorgaben bekommen.

„Grund für die Terminverschiebung ist die komplexe technische Struktur, die eingerichtet werden muss, damit das MiFID II-Paket effektiv arbeiten kann“, erklärte die Kommission in einer Mitteilung am Mittwoch.

So muss die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA) Daten von etwa 300 Handelsplätzen zu rund 15 Mio. Finanzinstrumente erfassen. Dazu muss sie eng mit den zuständigen nationalen Behörden und den Handelsplätzen selbst zusammenarbeiten. Die ESMA hat der Europäischen Kommission daraufhin mitgeteilt, dass weder die zuständigen Behörden noch die Marktteilnehmer die erforderlichen Systeme bis zum 3. Januar 2017, dem ursprünglichen Stichtag für MiFID II, bereitstellen könnten.

Die Verschiebung muss noch von den Mitgliedstaaten und dem EU-Parlament genehmigt werden. Aufgrund des Verzugs der technischen Vorbereitungen hätten diese aber kaum eine andere Wahl als zuzustimmen.

„Angesichts dieser außergewöhnlichen Umstände wurde eine Verschiebung für erforderlich gehalten, um mangelnder Rechtssicherheit und potenziellen Marktstörungen vorzubeugen“, so die EU-Kommission in einem gestrigen Schreiben.

MiFID II dient in erster Linie zur verstärkten Regulierung der Vor- und Nachhandelstransparenz und wurde bereits vor einiger Zeit aufgrund des erheblichen Mehraufwands, der auf Finanzinstitute zukommt, kritisiert.

Betroffen sind u.a. die Unternehmensanalysen und Roadshows der Banken, wie eine cometis-Studie aus dem letzten Jahr ermittelt hat. Durch die neue MiFID II-Regelung muss entweder die Bank für die Roadshows und die Unternehmensanalysen bezahlen oder sie stellt sie den Investoren separat in Rechnung. Bislang war es so, dass Banken die Gebühren für Roadshows und Analysen an die Investoren weiterreichen konnten – jedoch oftmals versteckt (siehe auch: cometis-Panel zum Thema „Strategische Investor Relations„).

Über den Autor

Die GoingPublic Redaktion informiert über alle Börsengänge, Being Public, Investor Relations, Tax & Legal, Themen und Trends rund um die Hauptversammlung sowie Technologie – Finanzierung – Investment in den Lebenswissenschaften.