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Einige Unternehmen versuchen, dem Berichtstross zu entkommen: Sie berichten integriert, indem sie Geschäfts- und Nachhaltigkeitsbericht zusammenfassen. Kürzere, relevantere Berichte sind das Ziel, noch umfangreichere Informationen aber momentan die Folge. BASF und der Flughafen München integrieren schon seit einigen Jahren. SAP, Symrise und die Deutsche Börse sind inzwischen gefolgt.

Der Transparenzkreis erweitert seinen Radius. Und das ist ja auch gut so. Denn inzwischen sind immer mehr Investoren und Analysten überzeugt: Die Bereiche Soziales, Ökologie und Compliance sind entscheidend für den Erfolg eines Unternehmens. Ich frage mich nur: Braucht es immer so viele Worte?

 

Selbstverständlich …

… laufe auch ich in dieser Runde mit – denn wie wir alle in der Unternehmens- und Finanzkommunikation möchte ich den Informationswünschen der Wirtschaftswelt so weit wie möglich nachkommen und einen guten Beitrag zum Fortkommen meiner Kunden leisten. Der Workshop „Nachhaltigkeit und Integriertes Reporting“ befindet sich bereits in der Vorbereitung. Und natürlich spornen der Wettstreit um neue und bessere Kommunikationskonzepte und die Suche nach der passenden Lösung ja auch an.

Aber mein Bauch sagt: Am Ende dieser Reporting-Runde kann nicht die Verdopplung der Information stehen bzw. genauer: die Verdopplung der Textmenge. Nicht der Vorstand, nicht das Zeitkonto der Kommunikationsteams und schon gar nicht unsere Zielgruppen, unsere Leser, werden diesen Weg mitgehen.

Dass wir uns mit unserer Informationsmenge inzwischen einer sensiblen Grenze nähern, können wir durch einen aufmerksamen Blick in unseren Alltag leicht erkennen:

  • Die Geschäftsberichte der vier großen Börsensegmente blättern inzwischen durchschnittlich 200 Seiten auf den Tisch – und überschreiten damit vielfach schon die Ein-Kilo-Porto-Grenze. Nachhaltigkeitsberichte haben im Schnitt 100 Seiten.
  • Auch die Zwischenberichterstattung entwickelt in einigen Unternehmen eine Mehrseitendynamik, die die Kapitalmarktwelt verstört und Journalisten verärgerte Intransparenz-Artikel schreiben lässt.
  • Ein Vorstandsbriefing für das Reporting ohne den Hinweis „… und kürzer“ gibt es nicht mehr.

Wer auf den Punkt kommt, macht denselben

Ich bin mir sicher: Es geht in Zukunft um Essenzen, um Verdichtung auf das Wesentliche. Nachhaltig kommunizieren und integriert kommunizieren – beides hat eine Zukunft, weil beides langfristig den Unternehmenswert stärkt. Aber der Schlüssel, der den beiden Trends die Tür öffnet, heißt Konzentration auf das, was wirklich relevant und wesentlich für das Unternehmen und sein Kerngeschäft ist.

Auf der Seite der Finanzberichterstattung hat das DRSC in seinem neuen Lageberichtstandard DRS 20 im vergangenen Winter ein gutes Signal gesetzt und das Kriterium „Wesentlichkeit“ in die Grundsätze der Lageberichterstattung aufgenommen. Das ist ein guter Anfang! Zudem hat das Gremium die Vorgaben für die Risikoberichterstattung in den DRS 20 integriert. Das macht den Anfang noch besser!

Auf den Feldern Nachhaltigkeit und Berichtsintegration ist bei den entsprechenden Standardsettern (IIRC, GRI u. a.) noch viel in Bewegung. Hier müssen wir bis auf Weiteres mit informationsverlängernden Listen rechnen. Das heißt: Unsere kritische Aufmerksamkeit unter dem Blickwinkel „Inwieweit hilft es uns weiter“ ist hier besonders gefordert.

 

Fünf Post-its …

… und auf jedem der Zettel ein kurzes Argument – darauf sollte sich jeder Zusammenhang verdichten lassen. Die erfolgreichen Kommunikatoren in unserer Branche haben dieses Prinzip längst verinnerlicht. Auch sie kennen natürlich die fortwährend neuen Anforderungen in der Finanzkommunikation. Aber sie lassen sich nicht dazu verführen, sich im wahrsten Sinne des Wortes im blinden Erfüllen der Vorgaben zu verzetteln. Ich freue mich auf die kommenden Jahre! Denn die zunehmende Komplexität bringt uns über den Umweg „Überforderung“ wieder zur Vernunft. Wir werden viel Zeit und Energie aufwenden, um die Dinge auf das Wesentliche zu reduzieren – wenn wir über das Geschäft berichten, wenn wir unser Unternehmen vorstellen, und erst recht wenn wir argumentieren. Verdichtung ist im Übrigen nichts Neues: Werbung arbeitet ausschließlich damit. Und auch gutes Design lebt von der Kunst der Auswahl.

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