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Am 1./2. Juni 2015 lädt der DIRK – Deutscher Investor Relations Verband  zu seiner jährlichen Konferenz nach Frankfurt am Main ein. DIRK-Geschäftsführer Kay Bommer erklärt, was die rund 450 Teilnehmer in diesem Jahr erwartet und warum Investor Relations immer wichtiger für den Kapitalmarkt werden.

GoingPublic: Herr Bommer, das Motto der 18. DIRK-Konferenz lautet „Let’s talk about Money. Jetzt!“ Was wollen Sie damit ausdrücken?
Bommer: Auf den Kapitalmärkten haben wir aktuell eine wahre Liquiditätsschwemme. Trotzdem gilt oftmals noch „Über Geld spricht man nicht.“ Wir wollen dieses Tabu brechen und notwendige Diskussionen anstoßen. Angesichts des makroökonomischen Umfelds müssen Anleger und Unternehmen ihre Finanzierungsstrategien neu justieren. Es ist zudem die besondere kommunikative Aufgabe von IR-Verantwortlichen, mit den unterschiedlichen Akteuren an den Kapitalmärkten und auch im eigenen Unternehmen über Geld zu reden.

Kay Bommer
Kay Bommer

Verändert sich die Arbeit in den IR-Abteilungen durch die derzeitige Kapitalmarktsituation?
Die IR-Arbeit verändert sich gerade ganz grundsätzlich. Das hat nicht primär mit der aktuellen Kapitalmarktsituation zu tun. Diese führt aber beispielsweise dazu, dass sich Institutionelle Anleger, vor allem aus dem Ausland, zunehmend für deutsche Unternehmen interessieren. Die IR-Verantwortlichen müssen sich auf die Informationsbedürfnisse dieser Zielgruppe einstellen und sich entsprechend professionalisieren. Für Unternehmen außerhalb des DAX ist das oft neu.

Sie haben eben von grundsätzlichen Veränderungen in der IR-Arbeit gesprochen. Welche sind das?
Die Rolle von IR im Unternehmen hat sich komplett verändert. Vor einigen Jahren noch kümmerten sich IR-Verantwortliche vor allem darum, die Pflichtkommunikation zu absolvieren und Kommunikations- und Marketingarbeit für das Unternehmen bzw. die Aktie zu betreiben. Heute sind IR eine strategische Managementaufgabe, d.h. IR-Verantwortliche haben eine integrierte Funktion. Sie verbinden die Themenbereiche Strategie, M&A, Corporate Governance, Sustainability und Unternehmensentwicklung und sind Berater der Unternehmensführung im Hinblick auf die mögliche Kapitalmarktwirkung ihrer Entscheidungen.

Wandeln sich dadurch auch die Anforderungen an die Person des IR-Managers?
Sich gut zu vernetzen wird für IR-Verantwortliche immer wichtiger. Exzellente Netzwerke sowohl innerhalb des Unternehmens als auch nach außen, d.h. zu Eigen- und Fremdkapitalgebern sowie zu Kapitalmarktintermediären, sind eine unverzichtbare Basis der IR-Arbeit. Daneben müssen IR-Manager über überfassendes Wissen bezüglich ihres Unternehmens, der Branche, des Kapitalmarkts und seiner Instrumente sowie des wirtschaftlichen und regulatorischen Umfelds verfügen. Letzteres ist allerdings nicht neu.

Noch einmal zurück zur makroökonomischen Lage: Niedrige Zinsen und der Aufkauf von Staatsanleihen durch die Europäische Zentralbank mindern die Attraktivität hierzulande beliebter Anlageklassen. Profitieren kapitalmarktorientierte Unternehmen davon?
Aus Unternehmenssicht erscheint die Situation zunächst komfortabel: Bankeinlagen und Bundesanleihen haben bislang einen großen Teil der Anlagen gebunden. Jetzt suchen Anleger nach Alternativen, was Unternehmen neue Möglichkeiten eröffnet. Dennoch fällt die Entwicklung je nach Anlageklasse sehr unterschiedlich aus. Der deutsche Aktienmarkt boomt, auch Anleihen laufen gut. Gleiches gilt für Hybridanleihen. Ein großes Comeback erlebt zudem der Schuldschein, der aktuell sogar Großfinanzierungen möglich macht. Der Markt für Mittelstandsanleihen hingegen ist nach den negativen Erfahrungen der vergangenen Jahre fast zusammengebrochen. Und natürlich haben die niedrigen Zinsen für Unternehmen auch negative Effekte. Man denke hier nur an die Pensionsrückstellungen.

Auf welche Entwicklungen an den Kapitalmärkten stellen Sie sich bis Ende des Jahres ein?
Die meisten Unternehmen trauen der aktuellen Lage nicht – das geht auch mir so. Die Märkte sind zunehmend volatil und Makrothemen wie die Griechenlandkrise, der Ölpreisverfall, der Konflikt in der Ukraine oder der ISIS-Terror können die Märkte von heute auf morgen umwälzen.

Welche konkreten Themen werden Sie auf Ihrer Konferenz aufgreifen?
Wir haben eine Mischung von Themen zusammengestellt, die auf mehrere Ebenen ausgerichtet ist: Natürlich werden wir die makroökonomische Situation und die aktuelle Geldpolitik beleuchten. Hier freuen wir uns u.a. auf die Einschätzungen von Experten wie z.B. Prof. Dr. Henning Vöpel, dem Direktor des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstituts HWWI oder Dr. Karl Ludwig Kley, Vorsitzender der Geschäftsleitung von Merck, der die diesjährige Keynote halten wird. Darüber hinaus beschäftigen wir uns mit den rechtlichen Rahmenbedingungen der IR-Arbeit – in einer großen Panel-Diskussion etwa mit der EU-Richtlinie über Märkte für Finanzinstrumente, genannt MiFID 2. In den Workshops stehen viele praxisorientierte Themen auf dem Plan. Wir stellen Case-Studies, z.B. aus dem M&A-Bereich vor und bieten Spezialwissen rund um IR- und Kapitalmarktfragen an. Auch Softskills spielen eine Rolle: So widmet sich ein Workshop der Frage, wie es IR-Verantwortlichen gelingt, ihren Finanzvorstand zu coachen ohne die eigene Position zu gefährden.

GoingPublic: Herr Bommer, haben Sie vielen Dank für das Interview.

Das Interview führte Robert Steininger

Das Interview erschien zuerst in der Ausgabe 5/2015 des GoingPublic Magazins

Über den Autor

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