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Interview mit Olivier Neidhart, Vertriebschef ns.publish und CEO Neidhart + Schön Group, und Rolf Traber, CEO mms solutions ag, über Sensibilisierung und Schulung, Detailflut und Datensicherheit sowie Reporting 2025

GoingPublic: Meine Herren, haben Sie im Bereich Geschäftsberichte und -erstellung für den aktuellen Zeitraum 2017/18 neue Themen ausgemacht? Was bewegt die Branche?

Oliver Neidhardt und Rolf Traber
Oliver Neidhart und Rolf Traber

Neidhart: Wir hatten hierzu einige Punkte als Vision „Reporting 2025“ vom letzten Geschäftsberichte-Symposium vom Juni dieses Jahres zusammengefasst. Die wichtigsten Erkenntnisse sind unserer Ansicht nach die Beherrschung der ungeheuren Datenmengen, wie sie die Digitalisierung mit sich bringt; das Schaffen von Prioritäten sowie Vereinfachung als Gebot in Bezug auf Geschäftsberichte; das Transportieren der unternehmenseigenen DNA auch in den jährlichen Report sowie schließlich der Ratschlag, dass man sich gern auch ältere Geschäftsberichte ansehen sollte, um für solche in der Zukunft zu lernen und zielführende Lehren zu ziehen.

GoingPublic: Der Punkt mit den ständig steigenden Seitenzahlen wird seit Jahren beklagt, indes…

Traber: … sind wir gerade aktuell an der Schwelle angekommen, wo eine Grenze erreicht wurde. Daher sind sich praktisch alle Mitwirkenden einig, dass eine Gegenbewegung einsetzen muss und auch wird. Treiber ist der Trend zur Fokussierung auf „Wesentlichkeit“, der durch Bewegungen wie das Integrated Reporting befeuert wird. Fokussierung, Vereinfachung bzw. Priorisierung sollte man vor diesem Hintergrund als wichtigste Punkte auf der Agenda haben.

GoingPublic: Einige Unternehmen bieten ja schon einen Kurzbericht.

Neidhart: Schattenseiten zunehmender Seitenstärken waren, dass einerseits die Leser die Informationsflut nicht wünschen und andererseits die Unternehmen aus Kostengründen mit den Auflagezahlen zurückgingen und damit der Geschäftsbericht weniger weit verbreitet wurde als früher. Man kann sicherlich festhalten, dass praktisch alle Unternehmen bereitwillig reporten bzw. kommunizieren – dann aber weniger umfangreich, gegebenenfalls vielleicht häufiger.

GoingPublic: Ist das aber nicht ein Widerspruch? – Diese Leistung wäre doch wiederum zusätzlich, spart also nicht etwa Aufwand.

Neidhart: Das lässt sich kaum leugnen. So wie auch ein Online-Report oft lediglich zusätzlich zur Verfügung gestellt wird, nicht aber als Ersatz zum gedruckten Geschäftsbericht. Immerhin steuert man mit Online- sowie Kurzberichten dem Trend der zurückgehenden Verbreitung der Informationen entgegen. Aus diesem Grund gewinnen Lösungen wie ns.publish für die Automatisierung der Realisationsprozesse sehr an Bedeutung.

GoingPublic: Hat ns.publish als Schweizer Publishinglösung für die Geschäftsberichterstellung denn viele deutsche Kunden?

Neidhart: Bisher waren wir als Marktführer recht stark auf die Schweiz fokussiert. Seit Anfang 2017 haben wir die mms solutions gmbh als eine zusätzliche Niederlassung in Frankfurt am Main gegründet und rücken so näher an den deutschen Markt. Es ist uns bereits gelungen, in Deutschland erste Kunden zu gewinnen.

GoingPublic: Gibt es regulatorische Änderungen in diesem Umfeld? In Deutschland und Europa ist vergangenes Jahr immerhin die MAR, die Marktmissbrauchsrichtlinie, Gesetz geworden.

Traber: Europäische Unternehmen sind deutlich mehr Änderungen in der Regulatorik unterworfen als Schweizer: Zum einen kommen europäische Vorgaben aus Brüssel, zum anderen hat jedes Land noch eigene Umsetzungsrichtlinien. Das macht das Projekt nicht einfacher. Was uns aber auf jeden Fall betreffen wird, ist das neue Datenschutzgesetz.


GoingPublic: Strahlt dies auch auf Geschäftsberichte aus, sei es im Umgang oder in deren Herstellung?

Neidhart: IT und Datenschutz sind heute wichtige Faktoren, auch und gerade bei Geschäftsberichten. Sofern börsennotiert, muss der Emittent mit börsenrelevanten Informationen umgehen. Darin involviert waren schon immer zahlreiche interne und externe Adressen. Zusätzlich komplexer wird der Sachverhalt heutzutage dadurch, dass immer mehr Informationen in den sog. Clouds bereitgestellt und dort bearbeitet werden.