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Bildnachweis: ©Bussarin – stock.adobe.com, Euronext.

Die Volatilität an den Finanzmärkten hat seit dem Ausbruch der Corona-Krise weiter zugenommen, ebenso wie die Dynamik der Veränderung von Aktionärsstrukturen. Für IR-Profis bedeutet das: Der Aufbau und Erhalt einer möglichst ausgewogenen und stabilen Aktionärsbasis, die unterstützend für die Unternehmensstrategie und möglichen Kapitalbedarf wirkt, werden zunehmend zu Herausforderungen und die kontinuierliche Pflege der Beziehungen zu allen Stakeholdern im Finanzmarkt ist wichtiger denn je – auch und gerade in Krisenzeiten.

In einem solchen Umfeld ist die effiziente und effektive Investorenbetreuung ohne die systematische Digitalisierung der IR-Arbeit kaum mehr denkbar. Dabei hat die Pandemie wie ein Katalysator gewirkt: 2018 nutzten laut einer Umfrage des Deutschen Investor Relations Verbands (DIRK) gerade einmal 30% der befragten IR-Manager Videokonferenzen in der externen Kommunikation; heute sind sie aus dem IR-Alltag nicht mehr wegzudenken.

Mit Beginn der Corona-Krise und dem ersten Lockdown änderte sich die Arbeitspraxis radikal – Kommunikation über Mail, Messenger oder Videoanruf wurde zur neuen Normalität. Das betrifft vor allem auch den zentralen und bisher zeitintensivsten Teil der Aufgaben: Im Zuge der Krise verlagerten sich Roadshows sowie Investoren- und andere Kapitalmarktkonferenzen fast komplett in virtuelle Räume. Das gilt inzwischen sogar für die Hauptversammlung (HV): Die zunächst auf das Jahr 2020 begrenzte Ausnahmeregelung wurde inzwischen bis Ende 2021 verlängert. Ob virtuelle HVs auch langfristig ein Zukunftsmodell werden können, wird derzeit lebhaft diskutiert.

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Letztlich wird eine breite Akzeptanz wohl vor allem davon abhängen, inwieweit es gelingt, die Aktionäre via echter Live-Kommunikation zu integrieren, etwa in Chatform. Auch hier existieren inzwischen gute Lösungen. Bei einer Umfrage des englischen IR Magazine unter 187 IROs, Investoren und Analysten in Europa, Asien und Nordamerika ging Ende Mai 2020 bereits rund ein Viertel der Befragten davon aus, dass sich ihre Arbeitspraktiken durch die Pandemie langfristig ändern werden – die intensivere Nutzung des Homeoffice inklusive. Auf Investorenseite stimmten sogar 63% der Befragten zu.

IR-Maxime: „Know your Shareholder“

Wer sind meine Investoren, und wo finde ich möglicherweise noch mehr passende Investoren für mein Unternehmen? Diese dürften wohl zu den wichtigsten Fragen für jeden IR-Manager gehören. Laut einer DIRK-Analyse von 2019 betrug der Anteil institutioneller Investoren an der Marktkapitalisierung der deutschen DAX-Unternehmen rund 61% – und davon kamen 85% aus dem Ausland. Deren Interesse beschränkt sich keineswegs nur auf die DAX-Werte. Wie weltweit verwoben das Kapitalmarktgeschehen inzwischen ist, belegen auch Zahlen der paneuro päischen Börse Euronext von 2020: Die institutionellen Anteilseigner der an der Mehrländerbörse notierten Unternehmen stammen aus 67 verschiedenen Ländern, davon fast die Hälfte aus den USA.

Für die IR-Manager bedeutet das: Potenzielle Investoren müssen weltweit gesucht und angesprochen werden (Investor Targeting). Dazu gehört die laufende Analyse der eigenen Aktionärsstruktur und deren Handelsaktivitäten. Dabei bieten professionelle Customer-Relationship-Management-(CRM-) und Investor-Targeting-Systeme effi ziente Unterstützung, etwa durch die laufende Information über signifikante Käufe und
Verkäufe der Aktien des eigenen Unternehmens.

Zugute kommt den Unternehmen dabei ARUG II, die aktuelle deutsche Umsetzung der Shareholder Rights Directive II (SRD II) der EU: Denn sie räumt den Gesellschaften einen Informationsanspruch auf die Identifikation der Eigentümer gegenüber den sogenannten Intermediären ein, also den Unternehmen, die Aktien verwahren und Aktiendepots verwalten – ein wichtiges Novum bei Inhaberaktien.

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Ein guter Targeting-Plan basiert auf Daten. IR-Teams haben heute Zugriff auf mehr Daten als je zuvor und können nachvollziehen, wer ihre Webseite besucht, Inhalte herunterlädt oder an Telefonkonferenzen und Webinaren teilnimmt. Das ist bereits ein guter erster Ansatzpunkt, potenzielle Investoren zu entdecken. Einer DIRK-Umfrage zufolge nutzten 2018 rund 40% der börsennotierten Gesellschaften dabei spezielle Investor-Targeting-Datenbanken. Doch das Screening ist nur ein Baustein – umfassende CRM-Systeme gehen einen Schritt weiter. Die integrierten Datenbanken dieser Systeme sind mehr als umfangreiche Adress- und Datensammlungen. In Verbindung mit dem Einsatz künstlicher Intelligenz liefern sie einen tiefen Einblick in das dynamische Finanzmarktgeschehen.

Die Plattform IR-Manager von Euronext Corporate Services etwa bietet Zugriff auf die Profile von mehr als 50.000 Fonds sowie Angaben zu deren Anteilen am Unternehmen und den Wettbewerbern, 200.000 Experten im Aktienhandel und 40.000 Finanzinstitutionen. Als System zur Investorengewinnung und -kommunikation ist es zudem auf die Optimierung aller Arbeitsprozesse ausgelegt: vom einfachen Anlegen von Investorenprofilen und Erstellen von Mailing-Listen über das Reporting sämtlicher Kontakte und Meetings mit (potenziellen) Aktionären bis hin zur Auswertung und Dokumentation der IR-Arbeit in Listen und Dashboards.

Der erwähnten Umfrage des DIRK zufolge hatte schon 2018 jedes zweite börsennotierte Unternehmen das Potenzial digitaler Systeme für das Management der Beziehungen mit der Finanzöffentlichkeit erkannt. Drei Jahre später und nach den umfassenden Erfahrungen mit virtuellen Tools dürfte einer breiten Mehrheit der IR-Manager klar geworden sein, wie unverzichtbar ihre Hilfe bei dem systematischen Aufbau und der Pflege der Beziehungen zu ihren Stakeholdern ist. Das zeigt auch eine Euronext-Corporate- Services-Umfrage bei einem Webinar im Mai unter knapp 70 IR-Profis aus Europa: Demnach nutzen bereits rund 42% häufig ein CRM-System im Alltag, und immerhin rund 31% interessieren sich für eine Lösung.

Wolfgang Güssgen

Über den Autor:
Wolfgang Güssgen ist Sales Manager DACH von Euronext Corporate Services. Zuletzt war er bei der Schaltbau Holding AG für die IR verantwortlich und beriet anschließend junge Technologieunternehmen bei der Beschaffung von Venture Capital. In seiner neuen Rolle bei Euronext Corporate Services wird er Organisationen im deutschsprachigen Raum das komplette Produkt- und Dienstleistungsportfolio des Unternehmens vorstellen, das sich nicht nur an börsennotierte Unternehmen, sondern auch an ihre nicht-börsennotierten Gegenstücke und Behörden richtet.