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Eine aktuelle Studie von Barkow Consulting zeigt: die HV-Präsenz setzt 2019 bereits zum vierten Mal in Folge ihren erfreuliche Aufwärtstrend fort und erreicht sogar ein neues Allzeithoch.

Die Zahl der auf den DAX30-Hauptversammlungen angemeldeten Stammaktien ist im Durchschnitt auf einen neuen Höchststand von 67% gestiegen – 1,1%punkte mehr als in der vorangegangenen Saison 2018. Im Langzeitvergleich ist das gegenüber dem Tiefstand von 46% im Jahr 2004 sogar ein Wachstum von 21%punkten. Zwar fehlen aktuell von den DAX30-Gesellschaften noch die aus der ehemaligen Linde AG hervorgegangene Linde plc und die erstmalig dazu gestoßene Wirecard AG, deren HVs erst am 26.Juli (in London)und am 18. Juni stattfinden.

Corporate Governance als Treiber

Der Haupttreiber für den aufsteigenden Präsenztrend liege laut Barkow-Analyse in den seit Jahren national wie international verstärkten Bemühungen für eine verbesserte Corporate Governance-Kultur. Damit habe auf den Kapitalmärkten der Druck auf die durchweg dominierenden institutionellen Aktionäre zugenommen, die Stimmrechte der ihnen überlassenen Aktien nicht verfallen zu lassen, sondern tatsächlich auf der HV auszuüben. Auch grenzüberschreitend lasse sich dieser Trend deutlich beobachten: Gerade in vielen DAX30-Gesellschaften mit zu mehr als der Hälfte ausländischen Eigentümern kommt diesem Sinneswandel eine entscheidende Rolle zu.

Gewinner, Verlierer und Premieren

Unter den Präsenz-Gewinnern 2019 stehe E.ON mit plus 13,4%punkten ganz oben an der Spitze – laut Barkow-Consulting gebe es für diesen enormen Anstieg keine nachvollziehbare Erklärung. Auch lassen sich keine neuen oder aufgestockten Großaktionäre identifizieren, die fast immer hinter extremen Präsenzerhöhungen stehen. Auffällig sei jedoch, dass daneben mit RWE, deren Präsenz um immerhin 6,1%punkte zulegte, es sich um die zwei Aktiengesellschaften handelt, die zuletzt in komplexe Tausch- und Umstrukturierungstransaktionen zur Neuordnung des deutschen Energiesektors involviert waren bzw. sind. Bislang ist RWE aber noch nicht an E.ON beteiligt.

Das Schlusslicht 2019 unter den Präsenz-Verlierern ist mit minus 7,8% die Deutsche Bank, die auch die schon traditionell mit Abstand niedrigste Präsenz aufweise (34,8%). Danach folgt mit minus 4,9%punkten die erst 2018 in den DAX30 aufgenommene Covestro AG.

Eine echte „Premiere“ gab es auf der diesjährigen HV der Bayer AG, deren Präsenz um 2,9%punkte im vierten Jahr in Folge stieg: Erstmals in der Geschichte der DAX30-HVs verweigerten die Aktionäre mehrheitlich die Entlastung des Vorstands mit 55,5% – und auch der Aufsichtsrat wartete mit 33,6% Gegenstimmen auf. „Diese ‚historische Abrechnung‘ mit dem Bayer-Management spiegelte vor allem den tiefen Unmut der Aktionäre über den Erwerb von Monsanto wider, der den Kurs der Bayer-Aktie seitdem abstürzen ließ und dessen Risiken zuletzt immer unkalkulierbarer wurden“, betont Dr. Wolfgang Schnorr von Barkow Consulting.

Über den Autor

Svenja Liebig ist Redakteurin des GoingPublic Magazins sowie verantwortlich für goingpublic.de