Die digitale Kommunikation der Unionsparteien nach der Europawahl glich einem Offenbarungseid und der kolportierte „Rezo-Effekt“ dürfte bei den Verantwortlichen noch lange nachhallen. Aber sind politische Parteien die einzigen, die sich mit der Online-Kommunikation im öffentlichen Raum schwertun? – die IR Benchmark der Beratungsagentur NetFederation.

Wie die Beratungsagentur NetFederation GmbH in ihrer IR Benchmark herausgefunden hat, betrifft die digitale Finanzkommunikation ein ähnliches Problem, besonders im Hinblick auf die kommende Aktionärsgeneration. Auf vielen IR-Websites fehlen userfreundliche Funktionen, interaktive Dialogmöglichkeiten und mobile Features. Im aktuellen Ranking 70 börsennotierter Unternehmen macht die erstplatzierte BASF SE am meisten richtig, vor der Deutschen Telekom und Daimler. Schlusslicht ist die Deutsche Pfandbriefbank.

Informationen zum Geschäftserfolg.
Informationen zum Geschäftserfolg.

Wie steht es um den Digitalisierungsgrad der IR-Kommunikation in Deutschlands Großkonzernen und wie gut sind diese auf die kommende Shareholder-Generation vorbereitet? Mit diesen Fragen beschäftigt sich die neue IR Benchmark der NetFederation GmbH aus Köln: Gegenstand der Studie waren die IR-Websites und deren Social-Media-Anbindung von 70 deutschen börsennotierten Unternehmen. Die Ergebnisse sind in die Kategorien Inhalt & Design, Dialog & Interaktion sowie Technik & Service aufgeteilt.

Inhalte weisen viele Lücken auf

 

„Inhaltlich fehlt es noch zu vielen IR-Websites an grundlegenden Informationen zum Unternehmen. Dazu gehören beispielsweise die Corporate Story, die Wertschöpfungskette oder die Gründe für ein Investment“, erklärt Thorsten Greiten, Geschäftsführer bei NetFederation. Aber auch die Art der Aufbereitung lässt laut der Kölner Experten zu wünschen übrig. Die besonders visuell affine Zielgruppe der 18- bis 30-Jährigen wird auf IR-Websites vielfach nicht bedient, es fehlt bei 76% der untersuchten Unternehmen an Videos und vielfach auch an Bildern. Interaktiv aufbereitete Inhalte wie Kennzahlenvergleiche, die komplexe Informationen verständlicher und schneller erfassbar machen, seien ebenfalls Mangelware.

Informationen zu gesetzlichen Grundlagen
Informationen zu gesetzlichen Grundlagen

„Das gesamte Thema Nachhaltigkeit spielt auf IR-Seiten ebenfalls eine viel zu geringe Rolle. Investor Relations müssen globale Themen wie CO2-Bilanz und Klimaschutz zwingend in ihre Kommunikation aufnehmen und im Spiel halten, um junge Aktionäre für sich zu gewinnen”, so Greiten.

Strategische Ausrichtung muss in den Fokus


Aus unserer Sicht müssen viele IR-Abteilungen dringend anfangen, die digitale Finanzkommunikation ganzheitlich und strategisch aufzubauen. Es ist z. B. kaum nachvollziehbar, warum hier immer noch in DIN A4 und PDF gedacht wird, anstatt sich die Reichweite sozialer Medien gezielt zu Nutze zu machen und Inhalte kurz und prägnant an weitere Zielgruppen auszuspielen“, meint Greiten.

IR-Themen auf Social Media.
IR-Themen auf Social Media.

Gerade Social Media seien laut NetFederation in der IR-Arbeit unterrepräsentiert. Nur 9% der Konzerne betreiben einen eigenen Twitter-Account für Finanzthemen, Social-Media-Feeds für alle Kanäle des Unternehmens sind im IR-Bereich lediglich bei 10% zu finden.

Dialogorientierung auf dem Prüfstand


„Digitale Kommunikation bedeutet Dialog, allerdings fokussieren sich die meisten Unternehmen immer noch auf das einseitige Senden von Botschaften, die bestenfalls für Journalisten interessant sind. Hier fehlt ganz klar die Nutzerorientierung“, erläutert Greiten. So gibt es laut der Studie nur bei 4% der Unternehmen einen Chat, wo sich Website-Besucher direkt an einen Service-Mitarbeiter wenden können. Durch die erwähnt geringe Social-Media-Kommunikation bleiben auch diese Dialogmöglichkeiten meist ungenutzt.

IR-technische Performance
IR-technische Performance

„IR-Verantwortliche sollten sich die Geschehnisse rund um die Europawahl zu Herzen nehmen und ihre eigene Kommunikation auf den Prüfstand stellen. Das ‘CDU-Problem’ zeigt, wie immens wichtig es ist, Fragen zu globalen Trends und Themen schnell und transparent zu beantworten. Klimaschutz und Digitalisierung sind Themen, die vor allem junge Aktionäre mit ihrem Investment in Einklang bringen möchten – hier ist noch viel Aufbauarbeit gefragt”, so Greiten abschließend.

Die gesamte Studie mit weiteren Ergebnissen und vielen Best Practices finden Sie unter https://www.ir-benchmark.de/.

 

IR Benchmark 2019 – Das Ranking der Top 20

Rang Verein Punkte
1 BASF SE 701
2 Deutsche Telekom AG 671
3 Daimler AG 647
4 Bayer AG 608
5 Continental AG 584
6 Deutsche Post AG 531
7 Deutsche EuroShop AG 514
8 Vonovia SE 508
9 Fresenius SE & Co. KGaA 504
10 Volkswagen AG 497
11 Henkel AG & Co. KGaA 492
12 ProSiebenSat.1 Media SE 482
13 Beiersdorf AG 473
14 Airbus SE 468
15 Symrise AG 458
16 Aurubis AG 448
17 Thyssenkrupp AG 447
17 Merck KGaA 447
19 Hannover Rückversicherung AG 439
20 Hochtief AG 433

 

 

Über den Autor

Svenja Liebig ist Redakteurin des GoingPublic Magazins sowie verantwortlich für goingpublic.de