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Frank Stadthoewer, Geschäftsführer, news aktuell GmbH; Quelle: obs/news aktuell GmbH

In der PR-Branche machte die dpa-Tochter news aktuell kürzlich durch die Übernahme von Zimpel auf sich aufmerksam. Kurz zuvor hatte der Dienstleister sein euro-adhoc-Geschäft an EquityStory verkauft und sich damit aus dem Versand von Ad-hoc-Mitteilungen verabschiedet. Im Interview mit dem GoingPublic Magazin erläutert news-aktuell-Geschäftsführer Frank Stadthoewer den Hintergrund der beiden – voneinander unabhängigen – Transaktionen und wirft einen Blick in die Zukunft des PR-Geschäfts.

GoingPublic: Herr Stadthoewer, warum haben Sie sich zum Verkauf des euro-adhoc-Geschäfts entschieden?
Stadthoewer:
Wir haben euro adhoc seit 2001 betrieben. Der Markt für IPOs hat sich in den letzten Jahren nicht wirklich positiv entwickelt, gleichzeitig ist das Geschäftsfeld vielseitiger geworden. Die gesetzlichen Anforderungen an uns als Dienstleister sind mit der Zeit umfangreicher geworden, sodass wir das Team ständig erweitern mussten. Die Arbeit ist immer mehr geworden, während das Potenzial an Kunden zurückgegangen ist. Wir haben auch keinen strategischen Ansatzpunkt gesehen, dass es sich wieder positiv entwickeln wird. Deshalb haben wir uns dazu entschieden, diesen Geschäftsbereich aufzugeben.

GoingPublic: Wie haben die Kunden in diesem Bereich darauf reagiert?
Stadthoewer:
Viele Kunden hätten sich viel mehr Dienstleistungen gewünscht, die wir aber nicht bieten können, weil dies große Investitionen bedeutet hätte. Andere Anbieter auf dem Markt wie eben EquityStory mit der dgap verfügen – auch historisch bedingt – über ein größeres Angebot. Wir standen also vor der Wahl, für unsere 300 Kunden in diesem Bereich zu investieren oder uns auf unser Kerngeschäft zu konzentrieren, das in der PR liegt.

GoingPublic: Welche Rolle spielte der Versand von Pflichtmitteilungen in Ihrem Unternehmen noch?
Stadthoewer: Der Umsatzanteil lag unter 10%.

GoingPublic: Zählen nach diesen Transaktionen IR-Manager nicht mehr zu Ihrer Zielgruppe und konzentrieren Sie sich damit auf PR-Abteilungen?
Stadthoewer:
Das ist manchmal gar nicht so strikt zu trennen. Wir versenden weiterhin über unseren OTS-Dienst Meldungen, die nicht eindeutig der PR zuzuordnen sind, sondern eher der IR. Das hatten wir bislang unabhängig von euro adhoc im Angebot und werden wir natürlich weiterhin haben.

GoingPublic: Bleiben Ihnen die euro-adhoc-Kunden in anderen Bereichen erhalten?
Stadthoewer: Durch den Verkauf des Geschäfts haben wir natürlich schon auch Kunden abgegeben, die ausschließlich euro adhoc bei uns genutzt haben. Es war klar, dass das passieren würde. Aber es handelte sich dabei nicht um Großkunden.

GoingPublic: Welche strategische Stoßrichtung verfolgen Sie mit dem Kauf des Zimpel Datendientes?
Stadthoewer:
Die beiden Transaktionen stehen in keinem Zusammenhang. Zwar fielen sie zeitlich zusammen, inhaltlich aber waren es zwei getrennte strategische Entscheidungen. Wir sind selbst bereits 2005 in das Geschäft der Journalistenadressen eingestiegen, zunächst gemeinsam mit einem Partner. Vor zwei Jahren haben wir selbst epic relations entwickelt. Nun ist Zimpel im Bereich der Journalistenadressen eine sehr bekannte Marke, die seit 40 Jahren existiert. In den letzten Jahren hat Zimpel von den früheren Loseblattwerken komplett auf das digitale Geschäft umgestellt. Das hat es für uns so spannend gemacht. Zudem passen die beiden Unternehmen perfekt zusammen: Wir sprechen dieselbe Zielgruppe an und verfolgen die gleiche Strategie auf dem PR-Markt. Deshalb freuen wir uns darüber, dass die Übernahme gelungen ist. Und wir sind dabei, die beiden Unternehmen zusammenzuführen. Das ist ein riesiges internes Projekt.

GoingPublic: Wo sehen Sie Synergien?
Stadthoewer:
Das geht bei der Datenrecherche los. Wenn z.B. der Spiegel-Chefredakteur wechselt, passiert das ja nur einmal und wir müssen das nicht doppelt recherchieren. Hier gibt es also sowohl personell als auch bei den technischen Systemen Synergiepotenzial.

GoingPublic: Inwiefern profitieren Sie davon, Teil der dpa-Gruppe zu sein? Wo liegen mögliche Interessenkonflikte?
Stadthoewer: Obwohl wir eine 100%-Tochter sind, arbeiten wir vollkommen unabhängig. Mit den redaktionellen Strukturen der dpa haben wir keine Berührungspunkte. Als PR-Dienstleister sind wir ganz anders aufgestellt als die anderen dpa-Unternehmen, die doch eher journalistisch geprägt sind. Wir nutzen aber natürlich das Netzwerk der Nachrichtenagentur. Das heißt, dass wir im gleichen Nachrichtenstrom der dpa-Meldungen unsere OTS-Mitteilungen versenden können.

GoingPublic: Wie war die dpa bei der Übernahme von Zimpel eingebunden?
Stadthoewer: Der gesamte Übernahmeprozess wurde natürlich maßgeblich von der dpa unterstützt. Es handelte sich dabei schließlich um die größte Akquisition bislang in der dpa-Gruppe.

GoingPublic: In welchen Feldern der PR sehen Sie für die Zukunft das größte Potenzial?
Stadthoewer:
Softwareanwendungen wie epic Relations oder Zimpel Online oder andere, neue Programme werden aus meiner Sicht entscheidend für die Zukunft sein. Hier können sich Unternehmen mithilfe eines integrierten Systems ihre Zielgruppen verwalten, auf Journalistendaten zugreifen und ein Monitoring ihrer Presseaktivitäten erhalten.

GoingPublic: Herr Stadthoewer, vielen Dank für das interessante Gespräch!