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Nie war das Thema Krisenkommunikation so gefragt wie in Zeiten der aktuellen Corona-Pandemie. Wir sprachen mit Jens Hecht von Kirchhoff Consult über Strategien der internen und externen Kommunikation, welche neuen Chancen sich ergeben und inwiefern Corona die Prognose für das laufende Geschäftsjahr erschwert.

GoingPublic: Herr Hecht, was gilt es zu beachten bei der Kommunikation mit Investoren, in Zeiten von Corona?

Hecht: Wie bei jeder anderen Krise auch steigen die Anforderungen an die Investor-Relations-Verantwortlichen, den Vorstand bei den verschiedenen Herausforderungen zu unterstützen. Es gilt, schnell Strategien zum Umgang mit der Krise auf operativer Ebene zu entwickeln, Abläufe zu organisieren und standardisieren, die Produktion möglichst am Leben zu halten sowie gleichzeitig nach innen und außen zu kommunizieren – und das in einer hohen Intensität und immer unter Beachtung der Adhoc-Publizität. Investoren sind da eine besonders bedeutende Zielgruppe mit einem ausgeprägten Informationsbedürfnis. Das gilt umso mehr, weil die wichtigen Investorenkonferenzen alle abgesagt wurden. Hier müssen IR-Manager alternative Formate zur klassischen Präsenzkonferenz finden. So sind in Krisenzeiten bereits gut gepflegte Beziehungen zu Investoren Gold wert und neue Kommunikationsformate schnell zu realisieren.

Jens Hecht ist Managing Partner bei Kirchhoff Consult.
Jens Hecht ist Managing Partner bei Kirchhoff Consult.

Welche Rolle spielt hier auch die interne Kommunikation?

Umfragen zeigen, dass die Mitarbeiter mehr Vertrauen in ihre Unternehmensleitung als in die Regierung oder die Medien haben. Deshalb kommt der internen Kommunikation eine enorme Bedeutung zu – besonders auch in Krisenzeiten. Dabei gilt es deutlich zu machen, wie das Unternehmen für die Krise aufgestellt ist oder Versäumnisse nachholt, welche Maßnahmen den Fortbestand des Unternehmens sichern und welche Konsequenzen das Unternehmen aus der Krise ziehen wird.

„IR-Manager müssen alternative Formate zur klassischen Präsenzkonferenz finden“

Die Berichtssaison steht bevor: Welche Auswirkungen hat die Corona-Krise auf die diesjährige Finanzlage der Unternehmen, sofern man dies bereits valide sagen kann?

Abhängig von der Branche erwarte ich enorme Auswirkungen. Für manche Branchen wird es um das Überleben gehen. Jetzt zeigt sich zudem, wie solide die Unternehmen gewirtschaftet haben und welche Reserven sie aufgebaut haben. In der aktuellen Berichtssaison liest man in den Finanzberichten noch wenig. Nahezu alle Unternehmen haben das Thema Corona allerdings in ihre Risikoberichte, vor allem aber in ihre Prognoseberichte aufgenommen. Die Aussagen lesen sich aber eher wie eine Art „Disclaimer“. Interessanter wird es im Mai, wenn die Berichte zur Unternehmensentwicklung im ersten Quartal veröffentlicht werden.

Inwiefern können Unternehmen überhaupt eine zuverlässige Prognose für die kommenden Monate geben und wie kann eine unsichere Vorhersage am sinnvollsten kommuniziert werden?

Da niemand den weiteren Verlauf der Pandemie kennt, sind Prognosen für viele Unternehmen zumindest für den Verlauf dieses Jahres beinahe unmöglich. Daher bleiben die Aussagen vage beziehungsweise beschränken sich im Stil eines „Disclaimers“ darauf zum Ausdruck zu bringen „wir können derzeit keine Prognose abgeben“. Deshalb wird es umso wichtiger, mittelfristige Strategien zu entwickeln und die sich ergebenden Chancen für die „Nach-Corona-Ära“ zu nutzen und beides dem Markt zu kommunizieren. Die Kurse der Unternehmen, die hier am transparentesten und umfassendsten kommunizieren, werden die ersten sein, deren Kurse wieder steigen.

 Herr Hecht, vielen Dank für das interessante Gespräch.

Über den Autor

Svenja Liebig ist Redaktionsleitern Kapitalmarktmedien bei der GoingPublic Media AG. Ihre Schwerpunktbereiche liegen bei Themen rund um IPOs, Investor Relations, Unternehmensfinanzierung und den Kapitalmärkten in Österreich und der Schweiz.