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Bildnachweis: ©Ioan Panaite – stock.adobe.com, DVFA.

Die Europäische Union (EU) hat im Herbst vergangenen Jahres ihren neuen Aktionsplan für eine Kapitalmarktunion veröffentlicht. Durch die Covid-19 Krise ist dieses für die EU zentrale Projekt zur Stärkung des Kapitalmarktes allerdings in den Hintergrund gerückt. Der DVFA begrüßt die Initiative zur Kapitalmarktunion ausdrücklich. Insgesamt sind die Vorschläge der EU nach Ansicht des DVFA jedoch zu abstrakt formuliert.

Stärkung des börsennotierten KMU-Segments

Die EU gibt dem Thema kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) eine sehr hohe Bedeutung. Sechs der 16 Aktionspunkte beziehen sich auf das Segment KMU. Daher unterstützt der DVFA diesen Fokus ausdrücklich, sieht hier jedoch deutlichen Handlungsbedarf. Trotz großer Anstrengungen, insbesondere auf der Angebotsseite, ist es in den letzten Jahren nicht gelungen, die Anzahl der Börsengänge im KMU-Segment zu erhöhen.

Thorsten Müller

„Deshalb sollte zukünftig verstärkt auf strukturelle Verbesserungen auf der Nachfrageseite gesetzt werden“, hebt Thorsten Müller, Vorstandsmitglied des DVFA, hervor. „Bei den KMU IPO-Märkten haben wir gesehen, dass das in Italien, Schweden, UK oder Norwegen sehr gut funktioniert. Hier können wir uns einiges abschauen.“, so Müller. Im Einzelnen hat der DVFA folgende Forderungen für den deutschen KMU Markt formuliert:

1. Asset Manager – Anforderungen an Handelsliquidität senken, um Wachstumsunternehmen den Zugang zum Kapitalmarkt zu erleichtern
Im Investment Prozess werden heute liquiditätsschwächere Werte systematisch eliminiert. Diese unter Risikogesichtspunkten nachvollziehbare Fokussierung auf Handelsliquidität sollte gelockert werden, weil sie das „Nachwachsen“ von vielversprechenden börsennotierten Gesellschaften behindert.

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2. Kapitalertragsteuer – Reduktion bei Direktanlagen erhöht Investitionsanreize in KMU
Vor dem Hintergrund der hohen volkswirtschaftlichen Bedeutung sollten auch bei der Direktanlage Anreize gesetzt werden, um verstärkt in KMUs zu investieren. Sinnvoll wäre die deutliche Reduktion oder sogar temporäre Aussetzung der Kapitalertragsteuer auf Dividenden und Zinsen, um so eine Lenkungsfunktion für das Kapital zu schaffen. Die fiskalische Dimension einer solchen Aussetzung der Besteuerung ist überschaubar. Die positive Wirkung wäre aus Sicht des DVFA jedoch erheblich.

3. Kapitalmarktnotiertes KMU-Segment – Neudefinition des Schwellenwertes erhöht Visibilität
Bisher werden börsennotierte KMUs als Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von bis zu 200 Mio. EUR definiert. Eine Erhöhung dieses Schwellenwertes auf 1 Mrd. EUR würde das bisher eher enge Marktsegment kapitalmarktnotierter KMUs vergrößern und damit für institutionelle Investoren tendenziell attraktiver gestalten.

Hier finden Sie unsere umfassenden IPO Analysen.

4. KMU-Research – Zertifizierung verbessert Transparenz und unterstützt KMU Investments
Der DVFA plant für kleine Research-Häuser eine unabhängige, kosteneffiziente Zertifizierung anzubieten. Das sendet ein positives Signal an Investoren und stärkt die Nachvollziehbarkeit und Qualität des KMU-Research. Eine verpflichtende Research-Zertifizierung bei Initial Public Offerings (IPOs) wäre wünschenswert. So könnten wichtige Mindeststandards für das KMU-Research sichergestellt werden. Europaweit könnte diese Zertifizierung über den europäischen Analystenverband EFFAS erfolgen.

Insgesamt ist Thorsten Müller überzeugt „für die Kapitalmarktunion gilt das Primat der nationalen Märkte. Nur wenn nationale Märkte gut funktionieren, kann auch die Kapitalmarktunion funktionieren.“ Hier gilt „Bottom up statt top down“.

Über den Autor:
Thorsten Müller ist Mitglied des Vorstands des DVFA und Geschäftsführer der Lighthouse Corporate Finance GmbH in Frankfurt. Zuvor war er viele Jahre im Kapitalmarkt – und Firmenkundengeschäft der Commerzbank und der WestLB tätig. Müller ist Mitglied des Issuer Advisory Committee der Deutschen Börse AG und der Kommission Unternehmensanalyse des DVFA.

 

DVFA e.V.:
Die Standesorganisation der Investment Professionals in den deutschen Finanz- und Kapitalmärkten mit 1.400 persönlichen Mitgliedern. Der Verband engagiert sich für die Professionalisierung des Investment-Berufsstandes, erarbeitet Standards und fördert den Finance-Nachwuchs. Er ist Mitglied von EFFAS – European Federation of Financial Analysts Societies mit über 17.000 Investment Professionals europaweit und Mitglied der ACIIA – Association of Certified International Investment Analysts, einem Netzwerk mit 100.000 Investment Professionals weltweit.