Bildnachweis: Masterflex SE.
Die Masterflex SE (ISIN: DE0005492938) hat in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2026 einen Rekord beim operativen Ergebnis erzielt. Auch der Umsatz legte zu. Allerdings blieb das Ergebniswachstum hinter der Umsatzentwicklung zurück. Der Spezialist für Schlauch- und Verbindungssysteme bestätigte seine Jahresprognose. Die Aktie reagierte am 4. November mit einem Kursplus von rund 5,4 %. Von Jenny Gspahn-Staudigl
Der Spezialist für die Entwicklung und Herstellung von Verbindungs- und Schlauchsystemen steigerte seinen Konzernumsatz in den ersten neun Monaten um 3,0 % auf 82,2 Mio. EUR (Vorjahr: 79,8 Mio. EUR). Im dritten Quartal beschleunigte sich das Wachstum: Die Erlöse erhöhten sich um 5,6 % auf 27,9 Mio. EUR. Das operative Konzern-EBIT erreichte mit 12,3 Mio. EUR (Vorjahr: 12,1 Mio. EUR) ein neues Neunmonatshoch. Der Zuwachs fiel mit 1,9 % allerdings moderat aus.
Die operative EBIT-Marge ging leicht von 15,1 % auf 14,9 % zurück. Als wesentlichen Belastungsfaktor nennt das Unternehmen Anlaufkosten von rund 0,6 Mio. EUR für den neuen Produktionsstandort in Marokko. Effizienzsteigerungen in Produktion und Einkauf konnten diese teilweise ausgleichen.
Die Nettoverschuldung sank von 2,7 Mio. EUR zum Jahresende 2025 auf 1,0 Mio. EUR Ende September 2026. Gleichzeitig stieg die Eigenkapitalquote von 73,3 % auf 74,1 %. Das Eigenkapital erhöhte sich auf 75,1 Mio. EUR.
Auf Basis der Gesamtleistung verbesserte sich die Materialeinsatzquote von 27,8 % auf 26,9 %. Demgegenüber erhöhte sich die Personaleinsatzquote von 35,0 % auf 36,9 %. Als Gründe nennt Masterflex den Personalaufbau in Marokko, inflationsbedingt höhere Personalkosten, den Einsatz von Leiharbeitskräften sowie die Übernahme zuvor extern erbrachter IT-Leistungen.
Das den Aktionären zurechenbare Konzernergebnis stieg um 10,0 % auf 8,5 Mio. EUR. Das Ergebnis je Aktie verbesserte sich entsprechend von 0,81 EUR auf 0,89 EUR. Neben dem operativen Geschäft trugen eine niedrigere Steuerquote und ein verbessertes Finanzergebnis zum Anstieg bei.
Wachstum vor allem im Life-Segment
Erneut war die Zielindustriegruppe „Life“ stärkster Wachstumstreiber. Nach Unternehmensangaben stieg die Nachfrage sowohl aus der Lebensmittelindustrie als auch aus der Medizintechnik. Besonders in Deutschland entwickelte sich das Geschäft positiv. Auch in Europa und Asien verzeichnete Masterflex Zuwächse. In Amerika blieb der Umsatz dagegen leicht hinter dem Vorjahresniveau zurück. Als Ursachen nennt das Unternehmen rückläufige Erlöse in einzelnen Bereichen sowie Währungseffekte.
Für die weitere Geschäftsentwicklung spricht der gestiegene Auftragsbestand: Dieser erhöhte sich von 19,8 Mio. EUR Ende 2025 auf 23,2 Mio. EUR zum 30. September 2026. Besonders die Medizintechnik trug zur Nachfrage bei.
Investitionen sollen künftiges Wachstum sichern
Mit der Konzernstrategie Hero@Zero verfolgt Masterflex mehrere Wachstumsinitiativen. Ein wichtiger Schritt war der bereits im vergangenen Geschäftsjahr abgeschlossene Engineering- und Rahmenvertrag mit einem nicht genannten Industriekunden. Das Projekt eröffnet dem Unternehmen den Einstieg in neue Material-, Automatisierungs- und Assemblierungstechnologien und erweitert die eigene Wertschöpfungstiefe.
Erste Umsätze werden ab 2027 erwartet. Mittelfristig könnte das Projekt einschließlich möglicher Folgeaufträge jährlich bis zu 10 Mio. EUR zusätzlich zum Umsatz beitragen. Ob dieses Potenzial tatsächlich ausgeschöpft wird, bleibt allerdings abzuwarten.
Auch der Aufbau des Produktionsstandorts in Marokko spielt eine wichtige Rolle für die Wachstumsstrategie. Die Fertigung soll noch im vierten Quartal 2026 anlaufen und insbesondere das Geschäft mit der Luftfahrtindustrie stärken. Perspektivisch strebt Masterflex in diesem Bereich eine Verdopplung des Umsatzes an. Kurzfristig belasten die Anlaufkosten allerdings noch die Profitabilität.
Um der hohen Nachfrage im Life-Segment gerecht zu werden, hat Masterflex zudem die Reinraumkapazitäten für Anwendungen in der Medizin- und Labortechnik erweitert. Damit will das Unternehmen seine Position in einem margenstarken Geschäftsfeld ausbauen.
Prognose für 2026 bestätigt
Angesichts der bisherigen Geschäftsentwicklung und der soliden Auftragslage hält Masterflex an seiner Jahresprognose fest. Für 2026 erwartet das Unternehmen weiterhin einen Umsatz zwischen 103 Mio. und 108 Mio. EUR sowie ein EBIT von 13 Mio. bis 16 Mio. EUR.
Gegenüber dem Vorjahresumsatz von 102,6 Mio. EUR entspricht dies einem möglichen Wachstum zwischen 0,4 % und 5,3 %. Beim EBIT, das 2025 bei 13,7 Mio. EUR lag, reicht die Prognosespanne von einem Rückgang um rund 5,1 % bis zu einem Anstieg um 16,8 %.
Die Bandbreite zeigt, dass die Ergebnisentwicklung im Schlussquartal weiterhin von Bedeutung ist. Masterflex erwartet zudem, dass die Anlaufkosten der Wachstumsprojekte die Profitabilität im Gesamtjahr noch leicht belasten werden.
Aktie reagiert positiv
Nach Veröffentlichung der Neunmonatszahlen legte die Masterflex-Aktie im frühen Handel um rund 5,4 % zu. Bei einem Kurs von 13,70 EUR bewegte sich das Papier innerhalb seiner 52-Wochen-Spanne von 12,05 EUR bis 14,85 EUR. Die Marktkapitalisierung belief sich zu diesem Zeitpunkt auf rund 127,9 Mio. EUR.

Das Analysehaus Montega hatte in einer Studie vom 3. September 2026 ein Kursziel von 21,00 EUR auf Sicht von zwölf Monaten genannt. Dies entspräche gegenüber dem genannten Aktienkurs einem rechnerischen Aufwärtspotenzial von rund 56 %.
Fazit
Masterflex zeigt sich trotz eines schwierigen wirtschaftlichen Umfelds operativ robust. Der Umsatz wächst, das Neunmonatsergebnis erreicht einen neuen Höchststand und die Nettoverschuldung sinkt. Allerdings bleibt das operative Ergebniswachstum hinter der Umsatzentwicklung zurück, während die Investitionen in neue Kapazitäten zunächst Kosten verursachen. Entscheidend wird sein, ob sich die Wachstumsinitiativen ab 2027 in zusätzlichen Umsätzen und einer nachhaltig höheren Profitabilität niederschlagen.
Autor/Autorin
Jenny Gspahn-Staudigl ist Content Managerin für die Kapitalmarkt-Plattform GoingPublic (GoingPublic, HV Magazin, www.goingpublic.de). In ihrer täglichen Arbeit beschäftigt sie sich mit Themen rund um den Aktienmarkt, aktuelle Börsengänge sowie alle Aspekte rund um die Börsennotiz von Unternehmen.






