Die Frequentis AG (ISIN: ATFREQUENT09) stärkt ihr Geschäft im Bereich einsatzkritischer Breitbandkommunikation. Der Wiener Anbieter von Leitstellen- und Kommunikationssystemen wird seine Beteiligung am spanischen Spezialisten Nemergent Solutions auf 51% erhöhen und vertieft zugleich die Zusammenarbeit mit dem niederländischen Konnektivitätsanbieter Lyfo. Ziel ist der weitere Ausbau des MissionX-Ökosystems für Anwendungen in der öffentlichen Sicherheit, im Verkehrswesen und bei Betreibern kritischer Infrastrukturen.
Mehrheitsübernahme bei Nemergent geplant
Frequentis wird seine Beteiligung an Nemergent Solutions S.L. im Juli 2026 von bislang 25% auf 51% erhöhen und damit die Mehrheit an dem spanischen Unternehmen übernehmen. Nemergent mit Sitz in Bilbao entwickelt Software für einsatzkritische Kommunikation auf Basis von 3GPP-Standards und ist auf sogenannte Mission-Critical-Services (MCX) spezialisiert.
Die Technologie des Unternehmens ist bereits Bestandteil der Frequentis-Plattform MissionX. Nach Angaben von Frequentis soll die engere Einbindung die Weiterentwicklung der Plattform beschleunigen und die Umsetzung größerer Projekte unterstützen.
Langjährige Zusammenarbeit wird institutionalisiert
Die Zusammenarbeit zwischen Frequentis, Nemergent und Lyfo besteht bereits seit mehreren Jahren. Gemeinsam waren die Unternehmen unter anderem an europäischen Initiativen wie BroadWay/BroadPort sowie dem European Critical Communication System (EUCCS beziehungsweise BroadEU.Net) beteiligt.
Mit der Mehrheitsübernahme sichert sich Frequentis direkten Zugriff auf die Entwicklungsressourcen und das Know-how von Nemergent. Gleichzeitig stärkt der Konzern seine Position in einem Marktsegment, das durch die Modernisierung von Behörden- und Bahnkommunikationsnetzen zunehmend an Bedeutung gewinnt.
„Diese Partnerschaften unterstreichen unser Engagement für ein führendes MCX-Ökosystem“, erklärte Manuel Hintermayr, Director Mission-Critical Services bei Frequentis. Kunden könnten sich auf langfristige Stabilität, Innovation und operative Exzellenz verlassen. Zudem sehe sich das Unternehmen in der Lage, großflächige Implementierungen wie FRMCS-Bahnprogramme oder nationale Kommunikationsnetze für Sicherheitsbehörden zu unterstützen.
Auch Nemergent bewertet den Schritt als strategischen Meilenstein. Die Mehrheitsbeteiligung ermögliche es, die eigene Technologie weiter zu skalieren und gemeinsam ein vollständig europäisches MCX-Ökosystem auszubauen, sagte Nemergent-CEO José Oscar Fajardo.
Vertiefte Kooperation mit Lyfo
Parallel zur Übernahme baut Frequentis die Partnerschaft mit dem niederländischen Unternehmen Lyfo aus. Dessen patentierte Technologie für Multi-Network-Switching ermöglicht den automatischen Wechsel zwischen verschiedenen Mobilfunknetzen. Dadurch sollen Verbindungen auch bei Störungen oder Ausfällen einzelner Netze aufrechterhalten werden.
Frequentis zufolge erhöht die Integration dieser Technologie die Ausfallsicherheit des MissionX-Ökosystems und verbessert die Betriebskontinuität in Einsatzszenarien, in denen Kommunikationsunterbrechungen erhebliche Folgen haben können.
Europäischer Technologiestack im Fokus
Mit den beiden Maßnahmen setzt Frequentis auf einen stärker integrierten europäischen Technologieansatz. Das Unternehmen verweist dabei insbesondere auf die Einhaltung internationaler Standards, die Interoperabilität der Lösungen und die langfristige Investitionssicherheit für Betreiber kritischer Kommunikationsinfrastrukturen.
Der Markt für einsatzkritische Breitbandkommunikation befindet sich derzeit im Wandel. Behörden und Infrastrukturbetreiber ersetzen zunehmend klassische Funktechnologien durch breitbandbasierte Systeme, die neben Sprachdiensten auch Daten- und Videoanwendungen unterstützen. Die geplante Nemergent-Übernahme und die vertiefte Zusammenarbeit mit Lyfo sind vor diesem Hintergrund als strategische Schritte zur Positionierung in einem wachsenden Zukunftsmarkt zu verstehen.
Fazit
Mit der Mehrheitsübernahme von Nemergent und dem Ausbau der Kooperation mit Lyfo stärkt Frequentis seine Wertschöpfung im Bereich missionskritischer Kommunikation. Während die Integration zusätzlicher Technologien die Wettbewerbsfähigkeit des MissionX-Angebots erhöhen dürfte, bleibt abzuwarten, in welchem Umfang sich die Maßnahmen in konkreten Großaufträgen und Marktanteilsgewinnen niederschlagen werden.
Autor/Autorin
Die Redaktion der Kapitalmarkt Plattform GoingPublic (Magazin, www.goingpublic.de, LinkedIn Kanal, Events) widmet sich seit Dezember 1997 den aktuellen Trends rund um die Finanzierung über die Börse. Ob Börsengang (GoingPublic) oder die vielfältigen Herausforderungen für börsennotierte Unternehmen (Being Public), präsentiert sich GoingPublic cross-medial als Kapitalmarktplattform für Emittenten und Investment Professionals.




