Wenn die Verunsicherung endlich ein Ende haben könnte

Biopharma-Markt USA – Trends und Aussichten im Wahljahr 2020

Bildnachweis: Sectoral Asset Management.

Ein Thema, das die politische Agenda in den USA in Betracht der 2020 anstehenden Präsidentschaftswahl in den kommenden Monaten prägen wird, sind die hohen Gesundheitsausgaben in den USA. Der Ruf nach einer Regulierung der Arzneimittelpreise wird immer lauter. Mehr als 60 Prozent der Amerikaner würde einen solchen Eingriff befürworten. Selbst im Lager der Republikaner, die traditionell staatliche Eingriffe verpönen, ist mittlerweile mehr als jeder Zweite dafür. Welche Vorschläge werden derzeit diskutiert? Welche Folgen entstehen für den Biopharma-Markt? Und warum können Investoren trotzdem gelassen bleiben? Von Paulina Niewiadomska

Die Gesundheitsausgaben sind in kaum einem anderen Industrieland höher als in den USA und die Frage der Bezahlbarkeit verschreibungspflichtiger Medikamente ein drängendes Problem. Die Ausgaben für verschreibungspflichtige Medikamente steigen seit Jahren stetig an. Betrugen sie nach Angaben von KKF Peterson 2008 rund 240 Mrd. USD, so beliefen sie sich nur zehn Jahre später bereits auf 335 Mrd. USD. Fast jeder dritte Amerikaner nimmt aus Kostengründen seine Medikamente nicht wie vom Arzt verordnet ein.

Drei Vorschläge stehen zur Diskussion

Derzeit stehen in den USA drei Vorschläge zur Diskussion, wie die Kosten langfristig eingedämmt werden sollen: Das so genannte International Pricing-Index-Modell (IPI-Modell) des Lagers um Donald Trump schlägt eine Erstattung verschreibungspflichtiger Medikamente auf Basis eines internationalen Arzneimittelpreisindex vor. Aktuell ist dieser Vorschlag jedoch nicht mehr als ein Whitepaper und die Umsetzung dieses Plans eher unwahrscheinlich. Zudem würde dadurch nur die Höhe des Betrags reduziert, den Ärzten und Arzneimittelverkäufer rückvergütet bekommen, nicht aber die eigentlichen Arzneimittelkosten. Außerdem bezieht er sich nur auf Medikamente, die von Ärzten verschrieben werden.

Der Vorschlag des Senate Finance Commitee (SFC) hingegen plädiert dafür, die Out-of-Pocket-Kosten der Medicare-Patienten auf maximal 3.100 USD zu beschränken. Zudem sollen Preissteigerungen bei Medikamenten auf die Höhe des Inflationsanstiegs begrenzt werden. Vor allem Patienten, die sehr teure Medikamente nehmen müssen, würden profitieren.

Ähnlich argumentiert auch der Drug-Pricing-Vorschlag der Demokratin Nancy Pelosi, der einen Out-of-Pocket-Höchstbetrag von 2.100 USD pro Patienten favorisiert. Was letzteren von den beiden anderen Modellen maßgeblich unterscheidet, ist die Idee, dass die US-Regierung über Arzneimittelpreise mit den Herstellern zukünftig direkt verhandeln soll.

Ein Ende der Debatte käme Investoren zugute

So kurz vor der Wahl wird sicherlich keiner dieser Vorschläge umgesetzt werden. Doch dass eine Form der Regulierung kommen wird, bezweifelt mittlerweile niemand mehr. Zukünftige Gesetze werden sich – je nach Wahlausgang – mehr oder weniger stark an den diskutierten Vorschlägen orientieren. Eine strenge Kontrolle der Arzneimittelpreise à la Pelosi wäre für die Biopharmaindustrie dabei am ungünstigsten. Doch selbst in diesem Fall würde sie Biopharma-Unternehmen unterschiedlich stark treffen – je nach Zielgruppe und Abhängigkeit ihres Geschäfts vom US-Markt.

Investoren sollten die Diskussion auch deshalb gelassen verfolgen, da der Markt einen großen Teil der schlechten Nachrichten bereits eingepreist hat, vor allem bei Titeln mit starkem US-Bezug. Spätestens seit dem Wahlkampf 2015 und dem Tweet von Hillary Clinton zu „unlauteren Preisabsprachen“ steht die US-Pharmaindustrie unter Druck.

Im Gegenteil: Ein Abschluss der Debatte hätte auch sein Gutes. Würden Medikamente für Patienten, insbesondere für Ältere oder chronisch Kranke, erschwinglicher, würde dies das Image der aktuell eher geächteten Pharmaunternehmen aufpolieren. Gleichzeitig stiegen die Chancen, dass Patienten Medikamente wie verordnet einnehmen, was die niedrigeren Preise über höhere Mengen ausgleichen würde. Die seit Jahren schwelende Debatte, die Healthcare-Investoren verunsichert, hätte endlich ein Ende.

ZUR AUTORIN

Paulina Niewiadomska, CFA, ist Senior Financial Analyst von Sectoral Asset Management.