Roche initiiert mit Future X Healthcare 2017 ein neues Eventformat, um den Life Science-Standort München zu stärken und die Entwicklung nachhaltiger Netzwerke für das Gesundheitswesen von morgen zu fördern. Als Schirmherrin adressierte die Bayerische Wirtschaftsministerin Ilse Aigner die Bedeutung einer interdisziplinären Zusammenarbeit für die erfolgreiche Umsetzung der Digitalisierung im Gesundheitswesen.  Das Ziel: gemeinsam die digitale Zukunft des Gesundheitswesens gestalten.

Digitalisierung sorgt für große Umbrüche

Die Gesundheitsindustrie steht durch die zunehmende Digitalisierung vor einem der größten Umbrüche. Die Menge an verfügbaren Gesundheitsdaten – von Labordaten, Studiendaten, Behandlungs- und Diagnosedaten (real world data), Daten der digitalen Bildgebung bis hin zu Genprofilen – steigt rasant an.

Unter dem Motto „Making Data Meaningful“ gehen die Teilnehmer der ersten Future X Healthcare einer zentralen Frage nach: Wie können, basierend auf innovativen Ansätzen für die Datennutzung und die Interpretation von Daten, die Forschung beschleunigt und erfolgreich neuartige Produkte entwickelt werden, um die personalisierte Medizin zum Wohl des Patienten voranzutreiben? „Dieser Umbruch und die verstärkte Anwendung von personalisierter Medizin kann nur gelingen, wenn Brücken zwischen den verschiedenen Fachdisziplinen gebaut werden“, erläutert Dr. Ursula Redeker, Sprecherin der Geschäftsführung der Roche Diagnostics GmbH. „Die Digitalisierung wird das Potenzial der personalisierten Medizin nochmals deutlich steigern.“

Nachweis funktionierender Geschäftsmodelle ist eine Herausforderung

Während der Pressekonferenz wurde noch einmal deutlich gemacht, wie wichtig eine sinnvolle Verknüpfung der erhobenen Daten für die Personalisierte Medizin ist. Ethische Aspekte sowie das Thema Datenschutz wurden angerissen. Jared Sebhatu (German Life Sciences Accelerator) stellte fest „Das Potential und die ökonomische Bedeutung von Digital Health sind auch in der Politik angekommen.“ Gleichzeitig unterstrich er wie schwierig der Nachweis von funktionierenden Geschäftsmodellen in diesem Bereich sei. Das Potential ist da, aber man weiß noch nicht wie das System zum Patienten kommt. Der Nutzen muss nachgewiesen werden. Deutschland ist bislang kein Selbstzahler-Markt. Kooperationen mit Krankenkassen beginnen, aber im globalen Wettbewerb ist es für Digital Health Unternehmen nach wie vor schwer.

Aus der Sicht eines Gründers berichtete Manuel Thurner (Kaia Health): Trotz Finanzierung durch den Innovationsfonds, Selektionsverträgen mit Krankenkassen sowie Erfahrungen im Selbstzahler-Markt, plant auch er mit einem Unternehmen eine mögliche Zukunft in den USA. Seine Feststellung: „Man braucht viel Funding.“

Personalisierte Medizin stand auch im Fokus der Panel Diskussion am Nachmittag des Events. International renommierte Vertreter aus Wissenschaft, Gesundheits- und Technologiebranche, Start-up-Szene und Wirtschaftsförderung diskutieren miteinander, wie die Digitalisierung dazu beitragen kann, die Behandlung zunehmend auf die Bedürfnisse von Patienten zuzuschneiden und die Forschung zu beschleunigen. Dabei beleuchten die Sprecher auch das Potenzial dieses Mega-Trends für Gesellschaft, Wirtschaft und Patienten – von der Prävention über die Diagnostik bis hin zur Therapie.

Forschungsprojekte und Start-ups ausgezeichnet

Am frühen Abend wurden erstmals die FXH Awards 2017 in den Kategorien „Scientific Excellence“ und „Start-up“ verliehen. Für den FXH Scientific Excellence Award hatte Roche zukunftsweisende Forschungsprojekte aus Deutschland zu Data Science im Gesundheitswesen gesucht, die zu einer effizienteren Forschung & Entwicklung oder einer verbesserten Patientenversorgung beitragen. Unter den mehr als 50 Studenten, Doktoranden und Postdocs, die ihre Projekte einreichten, konnte sich Lara Schneider von der Universität des Saarlandes mit ihrem DrugTargetInspector durchsetzen. Das Web-basierte Tool ermöglicht die integrierte Analyse von Multi-Omics-Datensätzen (Genom, Transkriptom oder Proteom) in der Krebsforschung.

Für den FXH Start-up Award in Partnerschaft mit UnternehmerTUM konnten sich Start-ups weltweit bewerben, die mit intelligenten Lösungen den Umgang mit der zunehmenden Menge an verfügbaren Gesundheitsdaten und damit die Digitalisierung des Gesundheitswesens vorantreiben. Unter den mehr als 130 Einreichungen setzte sich FibriCheck (www.fibricheck.com) beim Pitch vor Jury durch. Das belgische Start-up hat die erste Lösung für das digitale Monitoring bei Herzrhythmusstörungen entwickelt, die ganz ohne medizinische Hardware auskommt.