Gesundheitseinrichtungen sind weltweit ständig auf der Suche nach Lösungen, die mehr Zeit für die Pflege und weniger Zeit für immer größer werdende Verwaltungsaufgaben bieten. Im Jahr 2011 beliefen sich die Ausgaben für Gesundheit in Deutschland auf insgesamt 293,8 Mrd. EUR. Damit entsprachen die Ausgaben 11,3% des Bruttoinlandsproduktes beziehungsweise 3.590 EUR je Einwohner. Der Verwaltungsaufwand muss abnehmen.
Von Thomas von Kalckstein, World Health IDentification

 

Ein System körpereigener „biometrischer“ Daten wird den bürokratischen Aufwand wesentlich verringern. Die Biometrie ist im Gesundheitswesen eine moderne und unverzichtbare Methode zur Verbesserung der Patientenvorsorge, -fürsorge und Nachsorge. Innovative Methoden werden mit bewährter Technologie eingesetzt, um neue Kommunikationswege aufzubauen, die eine Qualitätssicherung in der Beurteilung des Zustands des Patienten in Datenbanken, Clouds oder Blockchain ermöglicht. Wie sich ein Paradigmenwechsel in der Industrie 4.0 vollzieht, wandelt sich auch zwangsläufig das Gesundheitswesen zur „Health 4.0“ zum Wohle der Patienten.

Gesichtserkennung und mehr

Es gibt bereits für einzelne Fälle technische Lösungen und fertige Geräte. So gehören Iris-Scans und Gesichtserkennung zu den zuverlässigsten biometrischen Identifikationsmethoden. Auf diesem Gebiet ist bereits ein wachsender Markt für hand-held Geräte entstanden. Zur Verifizierung der Objekte ist eine Sensorik notwendig, die die Zuordnung der Daten herstellt (Kamera, Sensor). Zu diesem Thema erarbeitet ein Fraunhofer Institut in Zusammenarbeit mit IT-Unternehmen eine Studie „Biometrie im Gesundheitswesen“, die insbesondere den Schwellenländern mit geringem oder keinem Zugriff zu Gesundheitsinfrastrukturen helfen soll, ihr Gesundheitswesen weiter zu entwickeln und zu verbessern. Durch den Ausbau der Telemedizin, die Verbesserung der Sensoren und die Anzahl digital messbarer Vitalparameter ist in Zukunft deutschlandweit eine telemedizinische Versorgung insbesondere chronisch kranker Menschen denkbar. Durch verbesserte und vereinfachte Technologien bindet man den Patienten proaktiv mit in den Genesungsprozess ein.

Thomas von Kalckstein, World Health IDentification: „Digitale Transformation beinhaltet einen gesellschaftlichen Wandel.“ Bild: privat

Neue Perspektiven durch 3D-Druck

3D-Druck eröffnet neue Perspektiven in der Medizintechnik. 3D-Drucker werden zum Beispiel dazu verwendet, Körperteile wie eine bewegliche Herzklappe oder ein individuell angepasstes Hüftgelenk. Aus den unterschiedlichsten Materialien anhand eines persönlich gescannten Modells in dreidimensionaler Form auszudrucken. Gerade im Bereich der personalisierten Medizin (point-of-care) eröffnet der 3D-Druck ungeahnte Möglichkeiten: So werden etwa in Uganda Prothesen für amputierte Patienten vor Ort passgenau produziert.

Wachsender Markt für Biophotonik

Digitale Innovationen helfen, unzureichende oder falsche Diagnosen und therapeutische Entscheidungen systematisch zu verringern und einer personalisierten Medizin den Weg zu bereiten. BCC Research zeigt in seinem neuen Bericht 2017, dass wichtige Treiber die steigende Inzidenz von Krankheiten und neue, innovative Diagnose- und Monitoring-Anwendungen sind. Der globale Biophotonik-Markt wird voraussichtlich 32,2 Mrd. USD im Jahr 2016 und 53,8 Mrd. USD in 2021 erreichen und zeigt damit eine jährliche Wachstumsrate über fünf Jahre (CAGR) von 10,8%. (Quelle: BBC Research)

Experten des Fachverbandes Medizintechnik bei SPECTARIS erwarten bis 2025 ein durchschnittliches jährliches Wachstum des Weltmarktes für Medizintechnik von rund 6%. Sie gehen davon aus, dass die deutschen Hersteller als drittgrößter Medizintechnikproduzent weltweit dabei mindestens mit dem Markt wachsen wird.

3x win!

Die Vermeidung von vielfacher Diagnostik, die Reduzierung von Nebenwirkungen sowie ein zügigerer Heilungsprozess hat eine starke nachhaltige Wirkung. Das ist eine win-win-win Lösung, von der das Gesundheitswesen, die Forschung und die Wirtschaft profitieren. Junge Unternehmen und Start-ups haben dies erkannt und sind an den Schnittstellen von Forschung und Anwendung aktiv, um neue Technologien zu entwickeln. Aber nur dann, wenn Anwender und Patienten geeignete technische Lösungen richtig identifizieren und nutzen, können qualitative Fortschritte in Diagnostik und Therapie erzielt werden. Dies gilt sowohl für Kliniken, aber auch besonders für niedergelassene Ärzte. Digitale Innovationen müssen bereits in der Entwicklungsphase anwenderfreundlich gestaltet sein, um erfolgreich werden zu können.

Verknüpfung der Systeme

Besonders wichtig in diesem Zusammenhang ist die Verknüpfung von klinischem Versorgungs- und Forschungsdatenmanagement, allgemein mit „Digitale Transformation im Gesundheitswesen“ bezeichnet. Das beinhaltet einen gesellschaftlichen Wandel, in den Entwickler, Mediziner und Patienten einbezogen werden und den alle mitgestalten müssen. Fragen zur Sicherheit persönlicher und sensibler Daten, den Schutz geistigen Eigentums und Erstattung medizinischer Leistungen sind nur einige von vielen. Die vorhandene Technik der Informations- und Kommunikationstechnologien, wie etwa Big Data und IT-Security müssen dafür speziell ausgebaut werden, wobei hier auch wichtige Informationen an die Pharmaindustrie weitergegeben werden können. Sie gehört zukünftig zu unserem Alltag, um das Leben der Menschen lebenswerter zu machen.

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