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Die Gesundheitsindustrie steht vor tiefgreifenden Umwälzungen. Davon bleibt auch der Personalbedarf in der Branche nicht unberührt.

 

Frau Rehlen, Sie sind Partnerin in einer internationalen Personalberatung und verantworten dort den Bereich LifeSciences. Wie können wir uns Ihre Arbeit vorstellen?

Wir helfen unseren Kunden, die geeigneten Führungskräfte für Ihre spezifischen Bedürfnisse zu finden, zu evaluieren und an Bord zu nehmen. Dabei geht es nicht nur um die fachliche Qualifikation, sondern sehr stark auch um persönliche beziehungsweise kulturelle Passung. Wir arbeiten für Konzerne, mittelständische Unternehmen und Start-ups auf nationaler, aber auch auf internationaler und globaler Ebene, quer über die verschiedenen Funktionsbereiche hinweg.

LifeSciences ist ein weites Feld. In welchen Segmenten sind Sie besonders aktiv?

Grundsätzlich decken wir alle Subsektoren der Industrie ab, inklusive Pharma, Medizintechnik, Diagnostik, Biotechnologie, Consumer Health und den Dienstleistungsbereich. Meine persönlichen Schwerpunkte liegen in den Bereichen Medizinprodukte und Diagnostik.

Personalisierte oder stratifizierte Medizin, Digitalisierung, Künstliche Intelligenz – die Branche steht vor tiefgreifenden Umbrüchen. Wie wirkt sich das auf die Suche nach Führungs- und Fachkräften aus?

In der Tat ist die Branche schon seit längerer Zeit im Umbruch, die genannten Themen geben da nur einen Ausschnitt wieder, hinzu kommen beispielsweise stark veränderte Vertriebsmodelle, gestiegene regulatorische Anforderungen, neue Wege der Kundenansprache und mehr.

Insgesamt führt dies dazu, dass die Branche Fähigkeiten aufbauen muss, die es vorher innerhalb von Life Sciences so nicht oder zumindest für die heutigen Anforderungen nicht in ausreichendem Maße gab. Ich denke hierbei beispielsweise an Key Account Management und Solution Selling, Direct-to-Patient Communication, Qualifikationen in den Bereichen Market Access, Reimbursement und Regulatory oder auch digitale beziehungsweise IT-Kompetenz.

In einigen Bereichen herrscht daher ein echter Mangel an Kandidaten, und dies führt teilweise zu steigenden Gehältern oder dazu, dass bestimmte Qualifikationen aus anderen Branchen „zugekauft“ werden.

Welche Chancen auf einen Arbeitsplatz im LifeSciences-Bereich haben Quereinsteiger aus nicht medizinischen Berufen oder Studiengängen?

Es gibt in der LifeSciences-Industrie in den letzten Jahren mehr und mehr Fach- und Führungskräfte, die aus nicht-medizinischen Berufen oder Studiengängen kommen.

Mal abgesehen von den Querschnittsfunktionen, in denen die Qualifikationen ohnehin gut zwischen verschiedenen Branchen übertragen werden können, finden sich insbesondere in den Bereichen General Management sowie Vertriebs- und Marketingmanagement inzwischen viele Personen mit betriebswirtschaftlichem Hintergrund.

Nur die Bereiche Forschung & Entwicklung, Produktion, Qualität / Zulassung und natürlich die medizinischen Belange, etc. sind noch weitgehend Medizinern oder Personen mit naturwissenschaftlichem und/oder technischem Hintergrund vorbehalten.

Ein Blick in die Zukunft: Wie wird sich die Personalsituation im LifeSciences-Bereich in den nächsten fünf bis zehn Jahren entwickeln und welche besonderen Herausforderungen sind hier zu meistern?

Momentan besteht ein sehr hoher Bedarf an den bereits von mir genannten Qualifikationen beziehungsweise dem Know-how, welches in der Branche nicht in ausreichendem Maße vorhanden ist. Eine Änderung dieser Situation ist nicht abzusehen, aus meiner Sicht wird sie sich eher noch verschärfen.

Die Branche muss darauf reagieren, indem sie den Führungsnachwuchs in diesen zukunftsrelevanten Bereichen ausbildet, attraktive Arbeits(zeit)modelle gestaltet und anbietet sowie offener dafür wird, ihre Teams diverser als heute üblich zu gestalten –  beispielsweise hinsichtlich Internationalität, Alter oder Ausbildungshintergrund.

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