Bildnachweis: IZB.

Rücken Herztransplantationen mit genmodifizierten Schweineherzen in greifbare Nähe? Was kann man aus den Fortschritten in der Onkologie lernen, um neue Behandlungen gegen Alzheimer und Parkinson zu entwickeln? Welche Möglichkeiten gibt es, Partnerschaften mit einem biopharmazeutischen Unternehmen einzugehen? Und wie können die Börsen den europäischen Life-Science-Sektor stärken? All diese Antworten lieferten die vier Sprecher der 11. Biotech Presse-Lounge am 16. Mai im Innovations- und Gründerzentrum Biotechnologie (IZB) in Martinsried bei München.

Genmodifizierte Schweineherzen in Transplantationen

Prof. Dr. Dr. h.c. Bruno Reichart vom Klinikum der Universität München, ehemaliger Herzchirurg und Co-Sprecher DFG Transregio Xenotransplantation, referierte über den Langzeiterfolg nach Transplantation von genmodifizierten Schweineherzen in nicht-menschliche Primaten. Für terminal herzkranke Patienten sind Transplantationen lebensverlängernd und bedeuten gleichzeitig eine Verbesserung der Lebensqualität. Der benötigten Anzahl dieser Eingriffe stehen jedoch lange Wartelisten entgegen. Die Organe von genmodifizierten (xenogenen) Schweinen sind eine vielversprechende Alternative. „Unser wissenschaftliches Konsortium generiert diese Tiere, deren Organe ohne Abstoßungsreaktionen in nicht-menschlichen Primaten funktionieren und aufgrund des höchsten hygienischen Standards pathogenfrei sind“, erläuterte Prof. Reichart. „In Zukunft werden europäische Implantationskliniken diese genetisch modifizierten Schweineherzen (oder andere Organe) anfordern.“

Die Spendertiere befinden sich in Bayern in einem sogenannten „Designated-Pathogen-Free“ Bauernhof, von dort werden die mit Sauerstoff und Nährmitteln perfundierten Organe zu den jeweiligen Krankenhäusern transportiert. Die Eingriffe werden unter Kontrolle von den örtlichen Transplantationschirurgen durchgeführt. Die Unterstützung umfasst auch die Nachbehandlung der Patienten und die Abstimmung der nicht-toxischen Immunsuppression. „Nicht zu vergessen: Patientengewebeproben müssen in unserer Biobank asserviert werden“, erklärte Prof. Reichart das Prozedere im Rahmen der Xenotransplantation.

Mit onkologischem Wissen gegen Alzheimer und Parkinson

Dr. Michael Almstetter, CEO Origenis GmbH, erläuterte was man aus den Fortschritten in der Onkologie lernen kann, um neue Behandlungen gegen Alzheimer und Parkinson zu entwickeln. Almstetter verwies auf die Fortschritte, die in der Krebsforschung in den letzten 20 Jahren vor allem im Verständnis krankheitsrelevanter Targets, Pathways und in-vivo-Modellen erzielt wurden. Das hat zu einer Neuklassifizierung von Organkrankheiten zu spezifischen Targets geführt und spezifische Therapien im Kampf gegen biologisch charakterisierte Krebsarten erfolgreich gemacht. Dies war nur möglich, weil sowohl Regierungen als auch Investoren einen klaren Finanzierungsfokus hatten und auch, weil insbesondere in den letzten Jahren Fortschritte bei der Rechenleistung, beim Umgang mit Daten und bei der Datenanalyse erzielt wurden. Es gibt ein ähnliches, wachsendes Verständnis für Neurodegeneration, es gibt aber auch viele Fehlschläge in diesem Gebiet. Aus den Fehlern zu lernen, Target- und Pathway-bezogene Ansätze zu entwickeln und ausreichende Finanzierung bereitzustellen, wird auch in diesem Bereich zum Erfolg führen.

Big Pharma meets Biopharmazie

Dr. Joachim Vogt, Director Search and Evaluation (S&E), Western Europe, bei der AbbVie Deutschland GmbH & Co. KG stellte die Partnerschaften mit einem globalen biopharmazeutischen Unternehmen vor. „Kooperation ist heutzutage ein entscheidender Erfolgsfaktor für die erfolgreiche medizinische Forschung. Dabei spielt Europa für AbbVie eine zunehmend wichtige Rolle. Um unsere Pipeline weiter zu verstärken, suchen wir gezielt nach Innovationen in den Bereichen Onkologie, Immunologie und neurodegenerative Erkrankungen, die wir mit unserer Expertise, in verlässlichen Partnerschaften, möglichst schnell Patienten zur Verfügung stellen können.“ AbbVie ist ein globales, forschendes BioPharma-Unternehmen, das auf die Erforschung und Entwicklung innovativer Therapien für einige der schwersten und komplexesten Erkrankungen der Welt spezialisiert ist.

Zur Rolle der Börsen

Welche Rolle die Börsen bei der Stärkung des Life Science-Sektors spielen, erläuterte Sebastian Grabert, Deutschland-Repräsentant der Euronext N.V.: „Wir sehen die ureigene Aufgabe der Börsen darin, Unternehmen den Zugang zu branchenspezialisierten ebenso wie zu generalistisch ausgerichteten Investoren weltweit zu öffnen. Der Börsengang ist nur ein erster Schritt – entscheidend ist, dass sie danach stetig weiteres Wachstumskapital einwerben können, um in Forschung und Entwicklung zu investieren. Im letzten Jahr konnten allein die 52 an der Euronext notierten Biotech-Unternehmen im Rahmen von Zweitplatzierungen über 1,6 Mrd. EUR Euro einsammeln.