Spielernaturen ist der Name Endor vermutlich ein Begriff. Unter den Marken „Fanatec“ und „Speedster“ entwickelt, produziert und vertreibt das Landshuter Unternehmen schon seit Jahren spezielle Eingabegeräte und Steuereinheiten für Spielekonsolen wie die Sony PlayStation und die Xbox von Microsoft. Der Eintritt in den PC-Markt wird gerade vorbereitet. Ein Schwerpunkt im Produktportfolio sind spezielle Lenkräder, mit denen das Spielerlebnis insbesondere bei Autorennen mittels Pedalen und Vibrationsmotoren sehr realistisch gestaltet werden kann.

Erfolgreicher Markteintritt in den USA
Aufgebaut wurde das 1997 gegründete Unternehmen in einer schweren Zeit. Trotz Kapitalmangels und anderer Widrigkeiten ist diese schwierige Phase inzwischen erfolgreich abgeschlossen, und seit 2003 werden schwarze Zahlen geschrieben. Ein Meilenstein des Jahres 2005 war der Markteintritt in den USA. In diesem wichtigen und mit Abstand größten Markt wurde bereits im ersten Jahr ein Drittel der gesamten Erlöse erzielt, obwohl dort mit dem Lenkrad „Speedster 3 ForceShock“ für die Xbox bislang erst ein Produkt angeboten wird.

Nettorendite von mehr als 18 %
Dass der Umsatz 2005 von 6,4 auf 2,9 Mio. Euro deutlich eingebrochen ist, liegt vor allem an dem aktuellen Wechsel der Spielekonsolengenerationen bei Microsoft und Sony, der bei den Kunden naturgemäß zu einer starken Verunsicherung führt. Viele Käufer warten vor dem Erwerb von hochwertigem Zubehör erst einmal ab, ob dieses auch mit der neuen Konsole kompatibel ist. Zudem belastete in Europa der Wechsel eines Vertriebspartners den Umsatz. Umso mehr ist es als Erfolg zu werten, dass der Rohertrag mit 1,2 (1,3) Mio. Euro fast stabil gehalten werden konnte, womit sich die Rohertragsmarge von 20,4 auf 40,6 % nahezu verdoppelt hat. Dies liegt vor allem am Erfolg in den USA, wo deutlich höhere Margen erzielt werden können. Der Jahresüberschuss hat sich gegenüber dem Vorjahr trotz des Umsatzeinbruchs nur leicht reduziert auf 0,54 (0,58) Mio. Euro, womit eine Nettoumsatzrendite von stolzen 18,6 % erwirtschaftet wurde.

Börsengang zum Ausbau des Geschäfts
Vom 14. bis 21. Juni können Anleger nun bis zu 120.000 Endor-Aktien zeichnen, von denen 100.000 aus einer Kapitalerhöhung und als Greenshoe nochmals bis zu 20.000 Papiere aus dem Besitz der Altaktionäre stammen. Zurzeit befinden sich etwas mehr als die Hälfte der Aktien beim Gründer und Vorstandsvorsitzenden Thomas Jackermeier, der sich zu einer Lock-up-Periode von 12 Monaten verpflichtet hat. Ausgegeben werden die neuen Anteile in einer Bookbuildingspanne von 8,50 bis 11,50 Euro, womit dem Unternehmen brutto bis zu 1,15 Mio. Euro zufließen. Diese Mittel sollen zur Finanzierung des geplanten starken Wachstums insbesondere in den USA genutzt werden. Außerdem soll in die Forschung und Entwicklung investiert werden, um dem Anspruch, in jeder Kategorie und jedem Preissegment immer das beste Produkt anzubieten, auch künftig gerecht zu werden. So erzielte z. B. das Lenkrad Speedster 3 in einem Test des offiziellen PlayStation 2-Magazins im April 2003 10 von 10 Punkten und gilt bis heute in der Fachpresse als Referenz bei Lenkrädern mit Vibrationsfunktionen. Neben dem durch die positive Presseresonanz erreichten Bekanntheitsgrad und der damit verbundenen Stärkung des Markennamens konnte Endor auch im stark umkämpften unteren Preissegment mit dem Produkt SpeedsterPure Fuß fassen. Es gehört zum Geschäftsmodell des Unternehmens, mit einer Top-Down-Strategie nach der Einführung eines hochwertigen Produkts zeitverzögert auch ein günstiges Produkt für den Massenmarkt anzubieten.

Attraktive Bewertung
Mit dem Börsengang steigt das Grundkapital auf rund 1,1 Mio. Euro, womit das Unternehmen mit 9,5 bis 12,8 Mio. Euro bewertet ist. Mit Blick auf die 2005er Zahlen sieht das nach einer ambitionieren Bewertung aus, allerdings waren diese Zahlen wie erwähnt negativ beeinflusst vom Generationswechsel, und überdies muss das enorme Potenzial berücksichtigt werden, das sich vor allem mit dem Markteintritt in den USA eröffnet. Zumindest der 2004er Umsatz sollte in Europa schnell wieder erreicht werden. Hinzu kommt noch das Geschäft in Nordamerika, womit Erlöse von 10 Mio. Euro im kommenden Jahr realistisch erscheinen. Damit dürften netto deutlich mehr als 1 Mio. Euro an Gewinn erzielt werden, was schon für 2007 ein KGV von weniger als 10 und damit für ein Wachstumsunternehmen eine sehr günstige Bewertung bedeutet. Ein direkter Peer Group-Vergleich ist nicht möglich, da die meisten Wettbewerber entweder nicht börsennotiert oder von der Umsatzzusammensetzung nicht vergleichbar sind. Logitech, der Marktführer im Bereich Computer- und Spielezubehör, wird aktuell (Kurs 38,68 USD) mit einem 2006/2007er KGV von 19 sowie 2007/2008er KGV (Gj-Ende 31.3) von 16 bewertet.

Vertrag mit europäischem Sportwagenhersteller kurz vor Abschluss
Das größte Risiko ist zurzeit die weitgehende Abhängigkeit von den Lizenzgebern Microsoft und Sony, die aber eigentlich keinen Grund haben, die Verträge zu kündigen – die High-End-Steuergeräte von Endor erfreuen sich in der Branche schließlich größter Beliebtheit. Auch die Abhängigkeit von den Lebenszyklen der einzelnen Spielekonsolen stellt, wie sich im Umsatzeinbruch des vergangenen Jahres gezeigt hat, ein Problem dar. Um eine breitere Aufstellung zu erreichen und den Geschäftsverlauf damit zu verstetigen, steht deshalb die Ausweitung der Kundenzahl und des Produktportfolios im Mittelpunkt, und zudem ist der Wiedereintritt in den für einige Jahre vernachlässigten PC-Markt geplant. Als Highlight im Weihnachtsgeschäft 2006 ist ein PC-Lenkrad mit zahlreichen technischen Innovationen geplant. Endor befindet sich aktuell in Vertragsverhandlungen mit einem europäischen Sportwagenhersteller, um die Lizenz für ein bestimmtes Design des Lenkrads zu erhalten und das Lenkrad unter dem Namen und Logo des Sportwagenherstellers vermarkten zu können.

Fazit
Die Endor-Aktie bietet die Chance, sich bei einem innovativen Anbieter von Gaming-Zubehör schon in einer frühen Phase der Entwicklung zu günstigen Konditionen zu beteiligen. Mit maximal 120.000 ausgegebenen Aktien ist Endor allerdings das bislang kleinste IPO des Jahres, weshalb zumindest anfangs mit einem volatilen Kursverlauf zu rechnen ist.

Matthias Wahler

Endor AG – Geschäftsentwicklung

2003

2004

2005

2006e

2007e

Umsatz (Mio. Euro)

3,5

6,4

2,8

6,0

11,3

Jahresübersch. (Mio. Euro)

0,1

0,6

0,5

0,7

1,4

Gewinn je Aktie

0,68

1,21

KGV*

16,9

9,5

*) Bei einem Emissionspreis von 11,50 Euro.; Quelle: Independent Research

Endor AG – Emissionsparameter

WKN

549 166

Zeichnungsfrist

14. bis 21. Juni

Bookbuildingspanne

8,50 bis 11,50 Euro

Erstnotiz

27. Juni

MarketCap

9,5 bis 12,8 Mio. Euro

Marktsegment

Open Market (Entry Standard)

Volumen

bis zu 120.000 Aktien, davon 100.000 aus Kapitalerhöhung und bis zu 20.000 als Greenshoe aus dem Bestand der Altaktionäre

Konsortium

Baader Wertpapierhandelsbank

Free Float

bis zu 41,8 %

Internet

www.endor.ag

Über den Autor

Die GoingPublic Redaktion informiert über alle Börsengänge, Being Public, Investor Relations, Tax & Legal, Themen und Trends rund um die Hauptversammlung sowie Technologie – Finanzierung – Investment in den Lebenswissenschaften.