Das neue Zauberwort heißt „integrierte Berichterstattung“. Diese soll Finanz- und CSR-Daten verknüpfen und zu einer nachhaltig besseren Unternehmensperformance führen. Doch was verbirgt sich hinter der integrierten Berichterstattung: unternehmerisches „Green-Reporting“ oder CSR 2.0? Und noch wichtiger: Welche Voraussetzungen braucht ein Unternehmen, um integriert zu berichten?

Nach der globalen Finanzkrise ist das Vertrauen in die Wirtschaft stark gesunken. Und damit auch in die Berichterstattung. Denn augenscheinlich war und ist die gängige Berichterstattung nicht in der Lage, die wechselseitigen Abhängigkeiten zwischen dem Unternehmen und seiner Umwelt adäquat abzubilden. Um das verlorene Vertrauen wiederzugewinnen, wird in den Unternehmen nun umgedacht. Denn Aktionäre orientieren sich nicht mehr allein am kurzfristigen Unternehmenserfolg. Sie achten verstärkt auf die ökonomischen, ökologischen und gesellschaftlichen Leistungen des Unternehmens. Dies belegt nicht nur das starke Wachstum der Socially Responsible Investments, sondern die Tatsache, dass globale Informationsdienstleister wie Bloomberg oder Thomson Reuters CSR-Daten seit 2010 zu ihren Standard-Unternehmenskennzahlen zählen. Auch das International Integrated Reporting Council verweist in seinem Diskussionspapier auf eine Studie aus dem Jahr 2010 („Ocean Tomo’s Intangible Asset Market Value Study“), die diese Entwicklung bestätigt. 80% des Marktwerts der 500 größten börsennotierten Unternehmen der USA setzen sich demnach aus nichtfinanziellen Faktoren zusammen.

Das Wesentliche im Fokus

„Was man messen kann, kann man auch managen“, so lautet eine goldene Regel in der Betriebswirtschaft. Doch bevor gemessen werden kann, müssen interne Strukturen für die Datenerfassung geschaffen werden. Auf dieser Grundlage können Ziele definiert und die Daten in die Unternehmensstrategie integriert werden. Eine nachhaltig ausgerichtete Unternehmensstrategie ist die Voraussetzung für eine integrierte Berichterstattung. Dabei geht es eben auch um ökonomische Vorteile: Durch die Verknüpfung der Finanz- und Nachhaltigkeitsdaten lassen sich beispielsweise Kostensenkungspotenziale identifizieren, weil der Ressourcenverbrauch in einem anderen Kontext ermittelt wird. Positive Nebeneffekte sind transparentere interne Prozesse oder Innovationen, die aus der intensiven, bereichsübergreifenden Zusammenarbeit entstehen.

Form follows Function

Dies bestätigen erste Erfahrungen aus Südafrika, wo alle an der Johannesburg Stock Exchange gelisteten Unternehmen seit März 2010 zur Erstellung eines integrierten Berichts verpflichtet sind. Berichte der ersten Stunden zeigen noch viel Experimentierfreude. Beispielsweise präsentiert Vodacom 2011 seinen ersten integrierten Bericht eher unkonventionell: So wird der Status der strategischen, finanziellen und nichtfinanziellen Ziele durch Smileys ausgedrückt.

Frische Ideen sind momentan sicherlich in Südafrika zu suchen. Aber auch in Deutschland findet sich eine Vielzahl an Beispielen – von BASF über Puma bis hin zum Flughafen München. Selbst bei Berichten, die sich nicht als „integriert“ deklarieren, ist die Integration der Informationen wahrnehmbar. Ein Beispiel hierfür ist der Geschäfts- und Nachhaltigkeitsbericht von Henkel. Die enge inhaltliche Verknüpfung zwischen beiden Publikationen findet seit 2008 in Verweistechniken ihren Ausdruck, auch ohne dass von einem integrierten Bericht die Rede wäre. Im Gegensatz dazu gibt es viele Unternehmen, die neben ihrem Geschäftsbericht einen Nachhaltigkeitsbericht veröffentlichen. Jedoch vermitteln beide Publikationen gemeinsam kein konsistentes Bild des Unternehmens. Doch nicht nur die äußere Form befindet sich im Wandel. Auch die Datenqualität an sich, wie beispielsweise bei der ökologischen Gewinn- und Verlustrechnung von Puma, entwickelt sich entsprechend weiter.

Umgang mit Informationen

Bei der Zusammenführung der Daten in einen gemeinsamen Bericht ist die Wesentlichkeit der Informationen zentral. Damit der Bericht nicht aus allen Nähten platzt, müssen Prioritäten gesetzt werden. Ein gutes Beispiel für einen schlank gehaltenen integrierten Bericht ist der Novo Nordisk Annual Report 2011. In den meisten integrierten Berichten werden aktuell noch sämtliche Indikatoren der Global Reporting Initiative abgehakt und eingearbeitet, ohne deren Relevanz für die Strategie zu prüfen. Dabei wäre ein Wechsel des Mediums eine sinnvolle Möglichkeit, relevante Informationen im Bericht zu präsentieren und durch eine digitale Plattform zu vervollständigen. Genau diese Interkonnektivität der Daten kommt der integrierten Berichterstattung entgegen: Es gibt seit Langem Technologien, wie beispielsweise XBRL, die es Unternehmen in der Theorie ermöglichen, ihre Daten vernetzt und individuell vergleichbar anzubieten. Dies würde auch Analysten motivieren, die Kennzahlen für ihre Empfehlungen zu nutzen. Allerdings setzten diese Technologien sich in der Praxis bisher kaum durch.

Schema F

Offensichtlich ist, dass die Erstellung eines integrierten Berichts eine intensive Auseinandersetzung mit den Unternehmensstrukturen erfordert. Anders als bei den gängigen gesetzlich vorgeschriebenen Abschlüssen gibt es kein Schema F. Auch die Qualitätssicherung der Daten stellt eine große Herausforderung dar, da CSR-Daten aus zahllosen unterschiedlichen Quellen gewonnen werden und die Frage der ganzheitlichen Testierung neue Ansprüche an die Wirtschaftsprüfer stellt.

Mehr als nur Reporting?

Und doch: Die gegenwärtige Entwicklung zeigt, dass jedes Unternehmen, das sich nachhaltig positionieren möchte, auch integriert berichten muss. An diesem Punkt trennt sich die Spreu vom Weizen. Unternehmen, auch mittelständische, die eine nachhaltige Unternehmensstrategie verfolgen, sollten keine Scheu haben, integriert zu berichten. Die integrierte Berichterstattung stellt CSR-Indikatoren auf Augenhöhe mit den Finanzkennzahlen und geht damit – aufbauend auf dem Nachhaltigkeitsbericht – einen konsequenten Schritt auf dem Weg zu einer nachhaltigen Unternehmensführung.

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