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Vor drei Jahren waren die Ansprüche der Investoren an einen Emittenten einer sogenannten Mittelstandsanleihe überschaubarer als heute. Ein scheinbar schlüssiges Konzept, gepaart mit einem bekannten Markennamen, wenn möglich noch im Bereich Erneuerbare Energien angesiedelt, schaffte Vertrauen bei Investoren. Gerade Privatanleger beachteten dabei nicht, dass es sich eher um Hochzins- als um Mittelstandsanleihen handelte, deren Kupon auch immer das Risiko für den Investor widerspiegelt. In den letzten Monaten sind diese sogenannten Mittelstandsanleihen in den Medien und der Öffentlichkeit zunehmend in die Kritik geraten, da mehrere Unternehmen Insolvenz beantragt haben. Was passiert also zukünftig mit diesem wichtigen Segment für die Refinanzierung von kleinen und mittleren Unternehmen, die auch von der Politik zu Recht immer wieder als das Rückgrat der deutschen Wirtschaft bezeichnet werden? Wer investiert in diese Unternehmensanleihen und wer lässt am besten die Finger davon? Sollen Privatanleger diesem Segment komplett den Rücken kehren?

Raimar Bock und Thomas Kaufmann, Steubing AG
Raimar Bock und Thomas Kaufmann, Steubing AG

Im Gegensatz zu Privatanlegern nähern sich Institutionelle Investoren diesen Anleihen differenzierter und professioneller als der Privatkunde. Sie wissen, dass es sich um eine Hochzinsanleihe handelt und dass die Höhe des Kupons auch das Risiko des Investments bedeutet. Deswegen werden diese Investoren eben nicht durch Markenbekanntheit überzeugt oder durch eine hochtrabende Equity Story. Denn dies wird häufig verwechselt. Es geht um die Beschaffung von Fremdkapital und nicht um die von Eigenkapital. Insofern müssen auch die Risiken – trotz Hochzinsanleihen – überschaubar bleiben.

Alles der Reihe nach

Was sieht sich der institutionelle Anleger zuerst an? Die Präsentation, das Management, den Credit Report und den Anleiheprospekt. Darüber hinaus muss das Management des Unternehmens vor der Emission beim sogenannten Sounding überzeugen. Gerade kleine und mittlere Unternehmen punkten neben der Strategie und den Zahlen insbesondere durch den glaubhaften Auftritt der präsentierenden Führungskräfte. Zusätzlich gehören eine klare und transparente Unternehmensstruktur sowie eine kluge Wettbewerbspositionierung zur erfolgreichen Emission einer Anleihe dazu. Kurz gesagt: Investoren wünschen sich ein attraktives Chancen-Risiko-Verhältnis und wollen eine Deckung der zukünftigen Zinslast durch den Track Record gewährleistet sowie marktübliche Covenants vereinbart sehen. Andernfalls haben sich das Unternehmen sowie die begleitende Bank einzugestehen, dass für eine Kapitalmarktplatzierung noch nicht der richtige Zeitpunkt ist.

Genau an dieser Stelle müssen Investoren und Banken noch kritischer werden. Dichter an der Emission sind in der Regel die institutionellen Investoren, bei denen nach unserer Meinung mindestens zwei Drittel einer Emission platziert werden sollten. Denn diese Gruppe verfügt über ein professionelles Research, das ihnen ermöglicht einzuschätzen, ob ein Kupon über die gesamte Laufzeit bedient werden kann und ob die Anleihe rückzahlungsfähig ist. Wenn schon diese Anleger die Finger von einer Anleihe lassen, dann kann niemand Privatanlegern ruhigen Gewissens einen solchen Titel empfehlen.

Damit Mittelstandsanleihen eine solide Zukunft haben und auch 2020 noch Teil eines vitalen Kapitalmarktes sind, ist darüber hinaus eine regelmäßige Kommunikation nötig. Wir beobachten sehr oft, dass die Kurse von Anleihen unter Druck geraten und der Emittent nicht durch eine gute und transparente Informationspolitik dagegen hält, woraufhin das Ausfallrisiko von professionellen Investoren neu bewertet wird. Emittenten müssen durch regelmäßige Investorenmeetings zumindest die größten Gläubiger informieren, damit Vertrauen geschaffen wird. Vertrauensbildende Maßnahmen ausschließlich bei der Emission reichen nicht aus! In der Regel handelt es sich um Anleihen mit einer Laufzeit zwischen drei und fünf Jahren. In diesem Zeitfenster muss es für die Investoren regelmäßige Informationen und Betreuung geben. Für Privatanleger sollte dies mit Hilfe von Pressemitteilungen oder eines regelmäßigen Newsletters erfolgen.

Zum Zeitplan

Emittenten wollen natürlich so schnell wie möglich von den Geldern des Kapitalmarktes profitieren. Wir werden von ihnen häufiger darauf angesprochen, wie lange der Weg an den Kapitalmarkt dauert. Pauschal kann dies nicht beantwortet werden, aber uns ist es schon nach knappen drei Monaten Vorlaufzeit gelungen, Anleihen zu emittieren. Dabei müssen ca. 70% der Zeit für die sogenannte Dokumentation mit den Partnern (Prospektanwälten, Ratingagentur, Wirtschaftsprüfer und PR-Agentur) eingeplant werden. Prospekt, Rating, Credit Report müssen ebenso erstellt werden wie PR-Dokumente, Präsentationen für die Roadshow oder Unterlagen für die Börse. Zusätzlich sollte das Unternehmen mindestens eine Woche für die Roadshow bei Investoren einplanen, denn institutionelle Investoren legen Wert darauf, dass sie umfassend informiert sind und nicht waghalsig einer Firma ihr Geld anvertrauen – denn letztendlich sind auch sie nur Verwalter von fremden Geldern und haben eine Verantwortung gegenüber ihren Anlegern.

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