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Der Tag der Wahrheit war am Mittwoch. Das war der Tag, an dem die NanoFocus AG den Abschluss ihrer aktuellen Kapitalerhöhung bekannt geben konnte. Das erste Statement des Vorstandsvorsitzenden Dr. Hans Hermann Schreier, der gemeinsam mit seinen Vorstandskollegen auf die ersten Reaktionen des Kapitalmarktes wartete, fiel allerdings überraschend trocken aus: „Wir haben es geschafft.“

Ein knapper Satz, der allerdings alles sagte. „Geschafft“ hatten wir einerseits die wichtigste Kapitalerhöhung der Firmengeschichte, die dem Unternehmen die Übernahme des SISCAN-Geschäfts der Siemens Electronics Assembly Systems ermöglichte und die wiederum entscheidend zum zukünftigen Wachstum des Unternehmens beitragen soll. „Geschafft“ hat er andererseits aber auch eine berufliche Phase in seinem Leben, die sehr anstrengend und spannend zugleich war. „Das war schon ein ziemlicher Stress“, so Schreier. „Aber es geht nicht anders, gerade als Mittelständer“, ergänzt Finanzvorstand Joachim Sorg. „Heute ist Investor Relations, die Kommunikation mit Anlegern, Analysten und Finanzmedien, eine Schlüsselfunktion in jeder Aktiengesellschaft. Es gibt immer viel zu tun: Kapitalerhöhungen, Roadshows, Jahresberichte und Hauptversammlungen, dazu die laufende Betreuung von Analysten und Medien.“

 

Mehr als reine Zahlen
Ein Blick hinter die Kulissen der Kapitalerhöhung, die im Herbst vergangenen Jahres stattfand, zeigt: Ein mittelständisches Unternehmen einem neuen Investorenpublikum zu öffnen, dazu noch während der größten Finanzmarktkrise der vergangenen Jahrzehnte, erfordert starke Nerven, eine gute physische Konstitution, straffes Zeitmanagement und einen gewissen Hang zu Showeinlagen.

Doch bevor man in die One-on-Ones, die Einzelpräsentationen vor Investoren, geht, muss im Vorfeld einiges vorbereitet werden. Die Unternehmenspräsentation muss so konzipiert sein, dass sie in 20 Minuten alle wichtigen Fragen beantwortet, ein vorbereitetes Handout muss Hintergrundinformationen bereithalten, die der Investor nach dem Gespräch noch nachschlagen kann. Doch bei solchen ersten Gesprächen geht es in der Regel um mehr als reine Geschäftszahlen und Unternehmensvisionen. „Da wird man genau beobachtet“, unterstreicht Sorg, „die wollen wissen, wie man als Team funktioniert.“

Derart in Augenschein genommen zu werden, trägt nicht unbedingt zur Gelassenheit bei, und so wurde im Vorfeld viel geprobt, vor anderen Vorstandskollegen sowie vor bekannten Investoren. Ein paar brauchbare Tipps bekam unser Vorstandsduo auf seinem Weg: etwa, dass freies Reden ein Muss ist. Auch die Rollenverteilung wurde exakt definiert: Der Vorstandsvorsitzende muss Leadership ausstrahlen, der Finanzvorstand steht dagegen für Zahlen.

 

Im Kreuzverhör der Investoren
Dann ging es auf zur Roadshow. Sechs Wochen lang waren Schreier und Sorg auf „Tournee“, um das Unternehmen vorzustellen und anzupreisen. Tausende Kilometer haben sie zurückgelegt, um über 30 Investoren zu treffen. Sie waren in acht Städten in fünf Ländern – in Frankfurt, London und New York, in der Schweiz und in Luxemburg.

Viele der institutionellen Investoren und Fondsmanager verfügen über ein verwaltetes Vermögen in dreistelliger Millionenhöhe. Manche kommen gleich mit einem Katalog von Fragen zum Gesprächstermin – der Vorstand wird dann einem regelrechten Kreuzverhör unterzogen. Es gab Tage, an denen auch die Fahrten von einem Investorenmeeting zum anderen für Konferenzschaltungen mit weiteren Investoren genutzt wurden. Und es gab Tage, an denen die Herren um zwei Uhr morgens ins Hotel gebracht wurden und um sechs Uhr wieder weiter mussten.

 

Organisation ist alles
Doch die Roadshow hatte auch etwas durchaus Faszinierendes: etwa die Professionalität, mit der Konsortialbanken die Präsentationen planen. Anlässlich so einer Roadshow gibt es bei der Bank oft ein ganzes Team von Mitarbeitern, das ausschließlich für die Planung eines reibungslosen Ablaufs zuständig ist. Sämtliche Hotels, Flüge, Autofahrten werden gebucht, Gesprächstermine auf die Minute genau eingeplant – oft ist auch ein Wegbegleiter der Bank dabei, der dafür sorgt, dass der Zeitplan eingehalten wird. Und wie sich die beiden nun nach der gelungenen Kapitalerhöhung fühlen? Schreier: „Das ist wie beim Jogging. Zuerst ist es anstrengend. Aber dann werden Endorphine freigesetzt – und es geht einem sehr gut.“

 

Fazit
Die Roadshow ist das stärkste Einzelinstrument der Investor-Relations-Arbeit, quasi der Key Account im Kapitalmarkt. Bei einem überschaubaren Aufwand wird hier ein direkter sowie nachhaltiger Austausch mit dem Investor möglich, und so bietet die Roadshow ein hervorragendes Kosten-Nutzen-Verhältnis.

Von Nina Stegmann-Matthews, Unternehmenskommunikation, NanoFocus AG

Ursprünglich erschienen in der GoingPublic Ausgabe 2/2010