Es ist ein altbekanntes Problem, dass kleine und mittelgroße Emittenten bei vielen Analysten durch das Raster fallen. Eine aktuelle Studie des C.I.R.A. belegt dies nun für österreichische Unternehmen mit konkreten Zahlen. Demzufolge hat die ohnehin geringe Coverage im Small- und Mid-Cap-Bereich im Vergleich zum Vorjahr nochmals leicht abgenommen. In der Bereitstellung des Research sind die großen österreichischen Banken weiterhin am aktivsten. Dahinter ist es zu einigen Verschiebungen gekommen.

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Anzahl der analysierten Unternehmen Sept. 2013 (Veränderung zu Sept. 2012)
Quelle: C.I.R.A.

Österreichische Banken am aktivsten

Wie im Vorjahr wurden die meisten österreichischen Unternehmen (33) von der Raiffeisen Centrobank (RCB) analysiert. Dahinter folgte die Erste Group mit 29 gecoverten Emittenten. Bei beiden österreichischen Großbanken war es damit ein Unternehmen weniger als 2012. Gleich fünf Emittenten mehr unter der Lupe als im Vorjahr hatte Kepler Chevreux mit 27. Besonders im Hinblick auf die drei erstplatzierten Institute betont Harald Hagenauer, Vorstandsvorsitzender des C.I.R.A.: „Es ist zu honorieren, dass sich einige Banken nach wie vor um eine ausreichende Research Coverage verdient machen.“

Dagegen reduzierte die Deutsche Bank ihre Research-Aktivitäten in Österreich um drei Analysen und coverte 2013 noch 23 Unternehmen. Auch die HSBC fuhr ihr Engagement um drei auf 19 analysierte Emittenten zurück und kommt damit auf die gleiche Zahl wie Goldman Sachs, wo es somit keine Veränderung zum Vorjahr gab. Ihre Research-Aktivitäten deutlich aus geweitet haben 2013 Morgan Stanley (13), die Baader Bank (11), Nomura (10) und die Commerzbank (9), die jeweils drei Unternehmen mehr im Programm haben als 2012.

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Quelle: C.I.R.A.

Große Unternehmen ohne Probleme …

Bei den analysierten Unternehmen fällt auf, dass der Graben zwischen Blue Chips und Small Caps, was Coverage angeht, immer größer wird. Insbesondere die drei am häufigsten analysierten Unternehmen erfreuten sich 2013 nochmals verstärkter Beachtung. Mit der Raiffeisen Bank International (Mutter der RCB) und der Erste Group liegen genau die beiden Institute vorne, die auch die meisten Analysen österreichischer Unternehmen erstellen. Sie wurden von sechs bzw. vier Analysten mehr gecovert als noch im Vorjahr. Noch deutlicher konnte der Stahlkonzern Voestalpine zulegen, der es bei acht Instituten mehr als 2012 ins Research-Universum schaffte. „Die Großen können sich über mangelndes Interesse nicht beklagen“, kommentiert Hagenauer, der sich als Head of Investor Relations bei der Österreichischen Post ebenfalls über verstärktes Analysteninteresse freuen kann.

 … kleine häufig ohne Research

Lediglich bei drei ATX-Unternehmen sank die Coverage-Quote leicht. Bei den 17 weiteren Emittenten im Prime Market ist die Entwicklung ähnlich wie im Leitindex. So stieg das Analysteninteresse am Flughafen Wien und an Do & Co im Vergleich zum Vorjahr deutlich. Auf der anderen Seite sind mit der Frauenthal Holding und dem US-Unternehmen Century Casinos auch zwei Emittenten ganz ohne Coverage dabei. Unter den neun Teilnehmern des Mittelstandssegments Mid Market werden nur zwei Unternehmen überhaupt gecovert. Woher dann das Interesse der Analysten speziell bei kleineren Emittenten kommt, wurde nicht ermittelt. „Wir wissen, dass kleine Unternehmen hart zu kämpfen haben, um zu diesem Research zu kommen“, erläutert Hagenauer.

Coverage wichtig für die Wahrnehmung

Die Semperit AG wird nach den Ergebnissen der Studie von sechs Instituten gecovert. Für IR-Manager Stefan Marin ist das ein wichtiger Faktor: „Eine Coverage von mehreren Banken zeigt internationalen Investoren an, dass die Analysten und ihre Banken ein bestimmtes Unternehmen als interessant wahrnehmen und auf Roadshow gehen.“ Zusätzlich sei es eine Art Qualitätsmerkmal, eine entsprechende
Anzahl an Analysten vorweisen zu können. „Zudem kann sich nur dann ein sinnvoller Consensus bilden, wenn mehrere Analysten ein Unternehmen beurteilen und Schätzungen laufend veröffentlichen“, so Marin.

„Gerade Small Caps stehen vor der Herausforderung, gecovert zu werden“, weiß auch Marin. „Sinkende Börsenumsätze führen zu geringeren Brokerage-Einnahmen für die Banken – die Coverage kleiner Werte ist dann oft nicht mehr darstellbar.“ Es sollten neue Wege beschritten werden, wie zum Beispiel Pool-Coverage (mehrere Unternehmen bezahlen gemeinsam einen Analysten), fordert Marin. „Oder ganz einfach Coverage als Teil der Hausbankbeziehung oder Nutzung unabhängiger Researchanbieter.“

Fazit

Eine ausreichende Coverage ist gerade für Small Caps ein kritischer Faktor. Österreichs größte börsennotierte Unternehmen brauchen sich, wie die C.I.R.A.-Studie zeigt, keine Sorgen um das Interesse von Analysten zu machen. Sie landen automatisch im Research-Universum zahlreicher
Banken. Wichtig für den österreichischen Kapitalmarkt sind Institute, die durch viele Analysen ein breites Spektrum an Unternehmen abdecken. Insofern ist es zu begrüßen, dass auch einige internationale Banken ihre Research-Aktivitäten ausgebaut haben. Kleinere Emittenten
sollten dennoch darüber denken, auch neue Wege zu beschreiten, um ihre Coverage zu erhöhen.

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