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Die klassische Bankenfinanzierung ist die bevorzugte Wahl. Ihre Ergänzung einer anderen Finanzierungsform über den Kapitalmarkt eröffnet jedoch neue Möglichkeiten, um das Unternehmenswachstum zu beschleunigen. Gegen eine solide Unternehmensfinanzierung mit einem lokalen Bankenpartner ist grundsätzlich nichts einzuwenden. Die lokalen Banken kennen die Unternehmen sehr gut und verstehen das Geschäftsmodell. Häufig handelt es sich um über Jahre gewachsene gute Geschäftsbeziehungen. Dennoch darf dabei nicht außer Acht gelassen werden, dass sich Banken in engen Leitplanken bewegen, die von Basel II und den von Basel III zu erwartenden Änderungen ab 2013 vorgegeben sind. Zudem entstehen durch die ausschließliche Nutzung einer solchen Finanzierungsform Abhängigkeiten, die im schlimmsten Fall notwendige Investitionen hinauszögern oder gänzlich verhindern können, sollte der Bankenpartner die Situation anders einschätzen als das Unternehmen.

Kapitalmarkt bietet Chancen bei klarem Wachstumskurs
Ein Börsengang oder Kapitalerhöhungen bieten hervorragende Möglichkeiten, Kapital für weiteres Wachstum einzuwerben. Der Aufwand – vom Börsenprospekt bis zu den Folgepflichten – ist jedoch nicht zu unterschätzen. Auch im niedrigsten Transparenzlevel ist häufig eine Bilanzierungsumstellung auf IFRS erforderlich, ein Geschäfts- und Halbjahresbericht wird zur Pflicht, und die Aktionärsbetreuung bindet Personalressourcen. Und auch von der Vorstellung, diesen Kapitalmarkt beliebig durch Kapitalerhöhungen anzapfen zu können, sollten sich Unternehmen verabschieden. Ohne eine sinnvolle Strategie und offene Kommunikation, was das Unternehmen dadurch  erreichen will, werden Kapitalerhöhungen scheitern. Der Kapitalmarkt will zudem Geschäftserfolge sehen. Wer aber als Unternehmen Anlegern sowohl Transparenz als auch einen klaren Wachstumskurs aufzeigen kann, hat mit einer Finanzierung über den Kapitalmarkt das Instrument, um Unternehmenswachstum deutlich zu beschleunigen. Diesen Weg ist die S.A.G. Solarstrom in 2007 durch die Begebung einer Wandelanleihe und einer Kapitalerhöhung erfolgreich gegangen.

Unternehmensanleihen bieten flexible Finanzierungsmöglichkeiten
Auch wenn Unternehmen nicht gleich einen Börsengang ins Auge fassen wollen, bietet beispielsweise das stark wachsende Segment für Unternehmensanleihen gute Möglichkeiten, flexibel Finanzmittel von privaten und institutionellen Investoren einzuwerben. So hat die S.A.G. Solarstrom AG bereits zwei Anleihen emittiert, die im Entry Standard für Unternehmensanleihen in Frankfurt notiert sind. Voraussetzung sind allerdings auch hier eine durchdachte Wachstumsstrategie und solide Zahlen. Wer eine Unternehmensanleihe auflegen möchte, weil die Bank bereits den Geldhahn zugedreht hat, ist auf dem Anleihenmarkt fehl am Platz. Der Markt für Mittelstandsanleihen mit Handelsplätzen wie Bondm in Stuttgart und dem Entry Standard für Unternehmensanleihen in Frankfurt hat sicher eine Zeitlang unreflektiert fast alle Anleihen aufgenommen. Aber diese Zeiten sind bereits seit letztem Jahr vorbei. Anleger schauen sehr viel genauer hin und verlangen nicht nur eine entsprechende Verzinsung, sondern analysieren auch das Risikoprofil und die zukünftigen Wachstumschancen des Unternehmens.

Transparenz ist unverzichtbar
Eine hohe Transparenz gegenüber den Anlegern zahlt sich demnach aus. Neben einem verständlichen und detaillierten Wertpapierprospekt sollten Mittelständler dabei auch ein Unternehmensrating in Betracht ziehen, um die Solidität des Unternehmens auch nach außen zu dokumentieren. Die Großen der Rating-Branche wie Moody’s, Standard & Poor’s sowie Fitch dürften allerdings für viele Mittelständler die falsche Wahl sein, auch wenn institutionelle Investoren nach wie vor diese Ratings bevorzugen. Alle Benchmarkzahlen und Branchenvergleiche basieren bei den drei genannten zu einem überwiegenden Teil auf der Beurteilung von internationalen Großkonzernen. Die Unternehmensgröße ist bei allen dreien ein ganz wichtiges Kriterium zur Beurteilung der Ausfallwahrscheinlichkeit. Hier wird nach dem Grundsatz „too big to fail“ bewertet – ein Grundsatz, der spätestens nach spektakulären Pleiten wie General Motors oder Arcandor zu überdenken wäre. Zudem kann unterstellt werden, dass Unternehmen ähnlicher Größenordnung wie der klassische deutsche Mittelstand in anderen Ländern durchaus andere Ausfallquoten vorweisen. Die Aussagekraft eines Ratings von creditreform oder Euler Hermes, die den deutschen Mittelstand kennen und über eine umfangreiche Historie über Ausfalldaten in genau diesem Segment verfügen, ist hier wesentlich höher.

Fazit: Kapitalmarkt eröffnet zusätzliche Flexibilität
Mittelständler sollten ihre Finanzierungsstruktur durch Finanzierungsformen über den Kapitalmarkt diversifizieren, um Abhängigkeiten von einzelnen Finanzierungspartnern und damit Risiken zu reduzieren. Grundsatz jeder Finanzierungsform – von der klassischen Bankenfinanzierung über Beteiligungen bis hin zu Anleihen oder einer Börsennotierung – bleibt jedoch ein solides Zahlenwerk, eine hohe Transparenz und eine zukunftsgerichtete Unternehmensstrategie.

Von Dr. Karl Kuhlmann, Vorstandsvorsitzender, S.A.G. Solarstrom

Ursprünglich erschienen in der Sonderausgabe Cleantech 2011.