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Aufsichtsratsvorsitzender Cromme muss sich Kritik wegen der holprigen Ablösung von Ex-CEO Löscher und der mangelnden Nachfolgeregelung für seine eigene Position anhören.

Der erste Erfolg wurde auf der heutigen Hauptversammlung der Siemens AG gleich zu Beginn vermeldet: Der Aufsichtsratsvorsitzende und Versammlungsleiter Dr. Gerhard Cromme gab die erwartete HV-Präsenz von 45% des Gesamtkapitals bekannt. Damit lag die später bestätigte Zahl um über zehn Prozentpunkte höher als im Vorjahr. Anderen Emittenten von Namensaktien sollte dies Mut machen. Denn anders als 2013 hielt das viel diskutierte OLG-Köln-Urteil von 2012 zu Legitimationsaktionären viele ausländische Investoren nicht mehr von der HV-Teilnahme ab.

Joe KaeserLob für Kaeser

Für Joe Kaeser war es seine erste HV als Vorstandsvorsitzender von Siemens. Er hatte am 1. August Peter Löscher in dieser Funktion abgelöst. Von den Aktionären gab es dafür fast nur lobende Worte für ihn – allein schon deshalb, weil der Börsenwert seit seinem Amtsantritt um 15 Mrd. EUR zulegte. Trotz der deutlich enttäuschenden Zahlen im Geschäftsjahr 2012/13 betonte Kaeser, dass Siemens kein Sanierungsfall sei – eine Aussage, die kein Aktionär anzweifelte. Fast nebenbei kündigte Kaeser zudem den Rückzug von der Wall Street an.

Kritik für Cromme

Einen schwereren Stand bei den Aktionären hatte Aufsichtsratscrommechef Cromme. Mit der Kritik an der völlig verunglückten Kommunikation des Vorstandswechsels ging er offen um. Dass Inhalte von den Diskussionen innerhalb des Aufsichtsrats an die Öffentlichkeit gelangt sind, sei bislang beispiellos. Zudem war die Demission Löschers eine teure Angelegenheit: „Der goldene Handschlag für Löscher war ein Schlag ins Gesicht der Aktionäre“, kommentierte ein Fondsvertreter.

Dem zweiten Vorwurf, dass er sich nicht ausreichend um seine eigene Nachfolge gekümmert habe, konnte er dagegen wenig entgegensetzen. Unter den aktuellen Aufsichtsratsmitgliedern der Kapitalseite konnten die Aktionärsvertreter kaum einen geeigneten Nachfolger ausmachen. Die Bestellung des scheidenden SAP-Chefs Jim Hagemann Snabe in das Aufsichtsgremium immerhin wurde allgemein begrüßt.

Die zur Abstimmung stehenden Vergütungssysteme für Vorstand und Aufsichtsrat sorgen kaum für Diskussionen in der Generaldebatte, was für Gesellschaften, die auf der diesjährigen HV ebenso darüber abstimmen lassen, ein gute Nachricht sein sollte.

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