Werbung

Der sogenannte Legal Entity Identifier, LEI, ermöglicht die eindeutige Identifikation von Unternehmen, die an Finanztransaktionen teilnehmen. Ab 2018 müssen viele Unternehmen sowie ihre Kunden in der EU obligatorisch über einen LEI verfügen. Im Interview erklärt Stephan Wolf, CEO von GLEIF, die wesentlichen Eckpunkte.

GoingPublic: Herr Wolf, kurz und knapp: Was ist der Legal Entity Identifier (LEI)?

Wolf: Der Legal Entity Identifier ist ein zwanzigstelliger, alphanumerischer Code, der mit wesentlichen Referenzdaten verknüpft ist. Der LEI erlaubt eine klare und eindeutige Identifikation von Unternehmen, die an Finanztransaktionen teilnehmen. Der LEI basiert auf der ISO-Norm 17442, die von der Internationalen Organisation für Normung (ISO) entwickelt wurde.

Und was ist die Global Legal Entity Identifier Foundation GLEIF?

Die Global Legal Entity Identifier Foundation GLEIF wurde im Juni 2014 vom Financial Stability Board FSB gegründet. GLEIF ist eine supranationale, gemeinnützige Organisation nach Schweizer Recht. Sie wurde geschaffen, um die Implementierung und die Verwendung des LEIs zu fördern. Das Serviceangebot stellt die operative Integrität des globalen LEI-Systems sicher. GLEIF stellt außerdem die technische Infrastruktur zur Verfügung, die Nutzern über eine offene Datenlizenz kostenlosen Zugriff auf die gesamten, weltweiten LEI-Daten bietet. Zudem wird ein Partnernetzwerk verwaltet, die LEI-Vergabestellen, und ermöglicht so ein vertrauenswürdiges Serviceangebot und offene, zuverlässige Daten zur eindeutigen Identifikation von Rechtsträgern in aller Welt. GLEIF untersteht der Aufsicht des LEI Regulatory Oversight Committees, das sich aus Behördenvertretern aus aller Welt zusammensetzt.

Worin liegt der Hauptnutzen des LEI?

Das FSB hat darauf hingewiesen, dass die globale Implementierung des LEIs der Unterstützung „mehrerer finanzieller Stabilitätsziele“ diene, wie zum Beispiel einem verbessertem Risikomanagement in Unternehmen sowie einer besseren Bewertung mikro- und makroprudenzieller Risiken. In diesem Zusammenhang sehen wir den LEI auch als ein Instrument, beispielsweise, um Know-your-Customer-Prozesse zu optimieren. Der LEI fördert somit die Marktintegrität und stellt gleichzeitig einen Kontrollmechanismus gegen Marktmissbrauch und Finanzbetrug dar. In Zusammenarbeit mit unseren Partnern im globalen LEI-System konzentriert sich GLEIF auf die weitere Optimierung der Qualität, Zuverlässigkeit und Nutzbarkeit von LEI-Daten. Dies ermöglicht es Marktteilnehmern, vom Informationsreichtum zu profitieren.

Welche Unternehmen benötigen einen LEI, und gibt es auch solche, die gleich mehrere haben müssen?

Grundsätzlich erhält ein Rechtsträger nur einen LEI. Es ist wichtig zu unterscheiden, ob man für den Erhalt dafür berechtigt ist oder ob man wirklich einen LEI haben muss. Gemäß Definition in der ISO-Norm 17442 ist jeder Rechtsträger, der Finanztransaktionen durchführt, zum Erhalt eines LEIs berechtigt. Ein gesetzliches Erfordernis, über einen Code zu verfügen, ergeht durch die Gesetzgeber und Behörden der einzelnen Rechtsräume – etwa eines Landes oder der EU.

Wer muss denn in der Schweiz einen LEI haben, und warum ist das wichtig?

Im Hinblick auf die Schweiz ist insbesondere der Financial Market Infrastructure Act FMIA zu beachten. Rechtsträger, die dieser Vorschrift unterliegen, müssen sicherstellen, die in Bezug auf den LEI relevanten Anforderungen zu erfüllen. Gegebenenfalls sollten Unternehmen abklären, ob eine aus der Schweiz heraus in ein Drittland erbrachte Tätigkeit eine LEI-Pflicht begründet.

Was ist in Bezug auf die EU zu beachten?

In Bezug auf die EU sind namentlich die Umsetzung der seitens des EU-Gesetzgebers eingeführten, überarbeiteten EU-Richtlinie MiFID II und die begleitende Verordnung Markets in Financial Instruments Regulation, MiFIR, zu beachten, die am dritten Januar 2018 in Kraft treten. Die durch die MiFID II und MiFIR umgesetzten Rechtsakte schreiben vor, dass eine erhebliche Anzahl von Marktakteuren, für die derzeit keine entsprechende Verpflichtung besteht, künftig über einen LEI verfügen muss. Im Hinblick auf Transaktionsmeldungen im Rahmen der MiFIR hat die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde ESMA dargelegt, dass Investmentfirmen LEIs von ihren Kunden einholen sollten, bevor sie Dienste erbringen, die Meldepflichten hinsichtlich im Auftrag dieser Kunden ausgeführter Transaktionen auslösen. Dies betrifft auch Kunden mit Sitz in der Schweiz.

Wie muss ein Schweizer Unternehmen vorgehen, um einen LEI zu erhalten?

Es steht jedem Rechtsträger, der einen LEI beantragen möchte, frei, unter den Vergabestellen den geeigneten Geschäftspartner auszuwählen. Im Rahmen der Selbstregistrierung muss der sich registrierende Rechtsträger akkurate Referenzdaten liefern. Die LEI-Vergabestelle muss dann die Referenzdaten bei den lokalen maßgeblichen Stellen – zum Beispiel einem nationalen Unternehmensregister – validieren und dann einen LEI vergeben, der dem LEI-Standard entspricht.

Durch die Einführung neuer Regulierungen und Pflichten entsteht oft erhebliches Potenzial für neue innovative Dienstleistungen und Start-ups: Sehen Sie ein solches Potenzial im Zusammenhang mit dem LEI?

Ja, wir sehen in der Tat Potenzial, sowohl für die Wirtschaft als auch für Regierungsorganisationen, solche innovativen Dienstleistungen zu entwickeln. Diese können dazu beitragen, Abläufe erheblich zu verschlanken, Kosten zu senken und Durchlaufzeiten für bestimmte Geschäftsprozesse dramatisch zu senken. Letzteres gilt insbesondere für die Kundenakquise und das Procurement. Insgesamt wird auf diese Weise die Transparenz erhöht. Wir gehen auch davon aus, dass im Umfeld neue Technologien und Plattformen eingesetzt werden, beispielsweise in den Bereichen Blockchain, Identity Management oder Supply Chain. Kurz gesagt: Überall dort, wo Unternehmen mit Kunden und Lieferanten in Kontakt treten, hilft der LEI.

Das Interview führte Jürg Sieger.

 

Mehr Infos finden Sie hier.

Detaillierte Informationen zum Thema Registrierungsstelle findet man hier.

 

Zur Person

 

Stephan Wolf ist CEO der im Juni 2014 vom Financial Stability Board eingesetzten Global Legal Entity Identifier Foundation, GLEIF, in Basel. Diese supranationale, gemeinnützige Organisation nach Schweizer Recht verwaltet das globale System des Legal Entity Identifier LEI.

 

Über den Autor

Die GoingPublic Redaktion informiert über alle Börsengänge, Being Public, Investor Relations, Tax & Legal, Themen und Trends rund um die Hauptversammlung sowie Technologie – Finanzierung – Investment in den Lebenswissenschaften.