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Das mittelständische, aber exportorientierte Unternehmen, das einst mit der Produktion von Kohlebürsten für Elektromotoren begann, ist mittlerweile in verschiedensten Technologiebereichen wie der Kohlenstofftechnik, Sintermetalltechnik oder Ultraschallschweißtechnik aktiv. Schunks Bauteile werden in der Großindustrie, aber auch in Produkten des täglichen Lebens eingesetzt, so zum Beispiel Rastnocken für Sicherheitsgurte, die in den meisten europäischen Fahrzeugen zum Einsatz kommen. Das Unternehmen, das sich im Eigentum der Ludwig-Schunk-Stiftung befindet, ist mit seinen Komponenten auch in Bereichen wie Windenergie oder Brennstoffzellentechnologie tätig – Wachstumssegmente, die Schunk in den letzten Jahren zu neuen Umsatzrekorden (Konzernumsatz 2007: 790 Mio. Euro) verholfen haben. Zwar macht das Unternehmen zu den Gewinnen keine weiteren Angaben – allerdings wurde 2007 erstmalig an alle Mitarbeiter eine moderate Gewinnausschüttung vorgenommen.

Eine Stiftung sorgt für Nachhaltigkeit Ludwig Schunk und Karl Ebe gründeten 1913 im hessischen Fulda ein Unternehmen zur Herstellung von Kohlebürsten. Auf Ludwig Schunk geht auch die gleichnamige Stiftung zurück, in die der kinderlos gebliebene Firmengründer das gesamte Firmenvermögen eingebracht hatte. Die Stiftung ist Kapitaleigner, dient treuhänderischen Aufgaben und hat Mitsprache bei der Unternehmensleitung. Neben sozialem Engagement, was auch die Gewinnbeteiligung der Mitarbeiter mit einschließt, stand für den Stiftungsgründer jedoch immer die Zukunftssicherung des Unternehmens im Vordergrund – so gäbe es bei Schunk in Krisenzeiten ähnlich harte Einschnitte wie in anderen Unternehmen, bestätigt ein Aufsichtsratsvorsitzender des Unternehmens. Andererseits sorge die gute Eigenkapitalausstattung des Unternehmens für eine Absicherung gegen „Heuschrecken“, die nach den Worten des ehemaligen Vorstandes Kotzur auch „außen vor“ bleiben sollten.

Internationaler Expansionskurs Bereits in früheren Jahren hatte das zunächst in Hessen, später auch in anderen Bundesländern mit Standorten vertretene Unternehmen einen internationalen Expansionskurs vollzogen. Dazu zählten Schunk-Gründungen in Brüssel (1955), Mexiko (1957) oder Brasilien (1969). Von den mittlerweile 60 Gesellschaften der Unternehmensgruppe sind 16 in Deutschland ansässig; mit 4.000 von insgesamt 7.500 Mitarbeitern ist nach wie vor mehr als die Hälfte der Angestellten in Deutschland beschäftigt.

Breites Komponentenspektrum Kohlebürsten, mit denen das Unternehmen angefangen hat, werden auch heute noch als Komponenten beispielsweise für Windgeneratoren gefertigt. Ansonsten ist das Produktspektrum breit gefächert. Die in vier Divisionen unterteilte Unternehmensgruppe fertigt Werkstoffe für die Halbleiterindustrie, Raumfahrttechnik, Solarindustrie oder Biotechnologie, weiterhin Bauteile für die chemische und pharmazeutische Industrie.

Erfolgsgaranten sind Wachstumsmärkte wie der asiatische Raum, aber auch die Ausrichtung auf Zukunftstechnologien wie Brennstoffzellen, die beispielsweise von der aktuellen Debatte um hohe Ölpreise oder den Klimawandel profitieren.

Ungebremster Aufstieg? Nicht immer in der nunmehr 95jährigen Unternehmensgeschichte lief alles so glatt wie in den letzten Jahren. In den frühen 90er Jahren hatte man in Maschinenbau-Unternehmen investiert, die man nicht sinnvoll in den Konzern integrieren konnte – das Unternehmen schrieb rote Zahlen. Die Reduktion auf das Kerngeschäft brachte Schunk wieder in die Gewinnzone. Auch die Globalisierung ist für Schunk Fluch und Segen zugleich: Zwar erschließt man mit neuen Märkten zusätzliche Umsatzträger, eine Verlagerung von Teilen der Produktion in Osteuropäische Billiglohnländer mit 800 Mitarbeitern sei jedoch nicht zu vermeiden gewesen, so die Geschäftsführung. In den letzten Jahren konnte die Schunk-Gruppe jedoch äußerst erfolgreich operieren. Dr. Dagobert Kotzur, der das Unternehmen von 1993 bis 2007 leitete, hinterließ seinen Nachfolgern ein Unternehmen, das in den letzten Jahren stetiges Umsatzwachstum, eine erhöhte Eigenkapitalquote und nahezu keine Verbindlichkeiten hat. So erscheint auch das Planziel der neuen Konzernführung von eine Milliarde Umsatz als ambitioniert, aber machbar.

Fazit

Auch Auszeichnungen wie „Hessen Champion“ können nichts daran ändern, dass ein Unternehmen wie die Schunk-Gruppe des Masse der Bevölkerung unbekannt bleiben wird – zu speziell sind die Produkte und Komponenten des Konzerns. Andererseits verkörpert Schunk den deutschen Mittelstand, wie er sein sollte: Unspektakulär, aber qualitäts- und produktorientiert im Verborgenen operierend, mit einer nationalen Basis, aber auch weltweit ausgerichtet. Eines der grundsätzlichen Probleme des Mittelstandes – eine oft zu niedrige Eigenkapitalquote – scheint bei Schunk (auch wenn das Unternehmen präzise Zahlen schuldig bleibt), auch dank der Stiftungskonstellation nicht zu bestehen. Mit Produkten wie den neuartigen Modulbrennstoffzellen, die Schunk in Kooperation mit der Heliocentris Fuel Cells AG vertreibt, der Ausrichtung auf Wachstumsmärkte bei den Produkten als auch den Regionen scheint Schunk unter der mittelständischen Unternehmen sehr gut positioniert zu sein.

Kurzprofil Schunk GmbH
Gründungsjahr 1913
Branche Industriekomponenten
Unternehmenssitz Thale
Mitarbeiter 2006 7.147
Mitarbeiter 2007 7.352
Umsatz 2006 (Mio. Euro) 753
Umsatz 2007 (Mio. Euro) 790
Umsatz 2008 – geplant (Mio. Euro) 850
Investitionen 2007/2008 (Mio. Euro) 136
Ausschüttung an Mitarbeiter 2007 (Mio. Euro) 5

Autor: Jörg Müller

Dieser Artikel erschien ursprünglich im GoingPublic Magazin 4/2008.
(Erscheinungsdatum 22. März 2008)