Eine „10-Thaler-Note“ ist der erste Großauftrag

Trotz der heutigen Assoziation als „Technologieunternehmen“ lässt sich die Geschichte von G&D bis in das Jahr 1852 zurückverfolgen, als Hermann Giesecke und Alphons Devrient in Leipzig eine „Buch-, Kupfer- und Steindruckerei, Gravir-, Guillochir- und Präganstalt“ gründeten. 1856 war mit dem ersten Großauftrag, dem Druck von 10-Thaler-Noten im Auftrag der Herzoglich-Altenburgischen Regierung, der Grundstein für die zukünftige Ausrichtung des Unternehmens gelegt. Bereits 1880 wurde das Geschäft mit Aufträgen aus Südamerika über die Herstellung von Banknoten oder Briefmarken international. Entscheidend waren technisches Know-how über die jeweils neuesten Druckverfahren – schließlich wollte man potenziellen Geldfälschern immer einen Schritt voraus sein – als auch Diskretion, die das Geschäft mit Staaten über sicherheitsrelevante Dokumente bzw. Banknoten mit sich bringt. Die Hyperinflation der 1920er Jahre bescherte G&D erstmals Großaufträge einer deutschen Zentralbank – zunächst mit der Herstellung dringend benötigter Banknoten für die sich rapide entwertende Mark, später dann mit der Beteiligung an der Produktion der 1924 neu eingeführten Rentenmark.

Neuanfang und weitere Geschäftstätigkeiten

Mit der deutschen Teilung verlor G&D seinen Stammsitz in Leipzig; die Neugründung erfolgte 1948 in München. Wichtige Meilensteine waren eine Vereinbarung mit der Deutschen Bundesbank über die Lieferung der Hälfte aller Banknoten (1958) – eine Geschäftsbeziehung, die auch heute noch besteht – als auch die Beteiligung an der Entwicklung der Eurocheque-Karte (1968). Mit der EC-Karte gelang der Einstieg in das Geschäft mit elektronischen Karten; ein Geschäftsbereich, der heute ca. 37% zu den Umsätzen beiträgt. Chipkarten oder Smartcards sind dabei nicht auf den Zahlungsverkehr beschränkt; man findet sie auch im Gesundheits- und Transportwesen oder in der Telekommunikation. Hier fertigt G&D SIM-Karten, die teilweise direkt an den Kunden geliefert werden (beispielsweise im Falle von britischen T-Mobile-Kunden). Zu den aktuellen Projekten zählen auch Ausweisdokumente mit biometrischen Daten oder die Beteiligung am Projekt „Elektronische Patientenkarte“.

Mehr als 50% der Umsätze werden aber auch heute noch im Geschäftsbereich „Banknote“ erwirtschaftet. Dazu zählt auch die Zusammenarbeit mit der Deutschen Bundesbank, da G&D neben der Bundesdruckerei die Hälfte aller deutschen Euronoten fertigt. Über 80% des Umsatzes erwirtschaftet das Unternehmen jedoch im Ausland; mit 50 Tochterunternehmen und Joint Ventures in mehr als 30 Ländern werden Kunden in 155 Ländern bedient.

Im Licht der Öffentlichkeit

G&D gilt mit seinen Kenntnissen zur Erstellung von fälschungssicheren Dokumenten und elektronischen Produkten, aber auch aufgrund der Tätigkeit für Staaten und Regierungen als Hochsicherheitskonzern; entsprechend aufwendig sind die Kontrollen der Mitarbeiter, entsprechend gering das Interesse des Unternehmens an einer breiten Öffentlichkeitsarbeit. In jüngster Zeit ging der Name Giesecke & Devrient dennoch zweimal durch die Presse. Das Unternehmen nahm an einem Bieterverfahren für die Bundesdruckerei teil; keiner der Bieter kam jedoch zum Zug. Ein Erfolg hätte dem Unternehmen nicht nur die komplette deutsche Euroschein-Produktion ermöglicht, sondern auch Synergieeffekte bei der Reisepassproduktion verschafft. Aufsehen erregte auch die im Sommer 2008 erhobene Kritik der Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul, G&D würde mit Lieferungen von Banknotenpapier an Simbabwe das Unrechtsregime des Robert Mugabe unterstützen. G&D stellte darauf die Lieferungen an die Zentralbank von Simbabwe ein.

Fazit

Das Geschäft mit Banknoten, Pässen und anderen behördlichen Dokumenten lebt von Vertrauen des Kunden in das Unternehmen als auch der entsprechenden Kompetenz in Sachen Sicherheitsmaßnahmen und Verschlüsselungstechnik – beides Kennzeichen, die sich Giesecke & Devrient in seiner gut 150-jährigen Geschichte erworben hat. Das auch heute noch in Familienhand befindliche Unternehmen ist mit seinen zwei Kerngeschäftsbereichen – dem Banknotenwesen als auch dem Bereich „Cards and Services“ – daher auch für die kommenden Jahre gut aufgestellt. Beim Geschäft mit den elektronischen Karten scheint dies sofort plausibel, greifen doch selbst Krankenkassen auf immer ausgefeiltere Karten zurück, die sich nun zu Recht „Smartcards“ nennen können. Doch auch der Banknotendruck lebt von der turnusmäßigen Applikation neuer Sicherheitsmerkmale, um potenziellen Fälschern das Handwerk zu erschweren, so dass dieser Geschäftszweig weiterhin eine gewichtige Rolle bei G&D spielen wird – insbesondere, da hier ein Großteil des internationalen Umsatzes generiert wird.

Jörg Müller

Kurzprofil                                              Giesecke & Devrient
Gründungsjahr                                      1852
Branche                                               Technologie
Unternehmenssitz                                 München
Mitarbeiter 2006                                    8.295
Mitarbeiter 2007                                    8.919
Umsatz 2006 (Mio. Euro)                       1.297
Umsatz 2007 (Mio. Euro)                       1.551
EBIT 2006 (Mio. Euro)                           93,2
EBIT 2007 (Mio. Euro)                           161,2
Jahresüberschuss 2006 (Mio. Euro)       
81,1
Jahresüberschuss 2007 (Mio. Euro)        96,1

Dieser Artikel erschien ursprünglich im GoingPublic Magazin 12/2008
(Erscheinungsdatum 29. November 2008).

Über den Autor

Die GoingPublic Redaktion informiert über alle Börsengänge, Being Public, Investor Relations, Tax & Legal, Themen und Trends rund um die Hauptversammlung sowie Technologie – Finanzierung – Investment in den Lebenswissenschaften.