Über den Wolken wohnen – dieser Traum dürfte schon bald in Erfüllung gehen: Vor den Toren Stuttgarts lässt das Immobilienunternehmen GEWA seit August einen 107 Meter hohen Wohnturm mit Business-Hotel errichten. Finanziert wird das dritthöchste Wohngebäude Deutschlands über die im März platzierte GEWA-Tower-Anleihe. Was viele nicht wissen: Hinter dem Zweimannbetrieb steht ein Familienunternehmen mit Leib und Seele, das mittlerweile in dritter Generation angelangt ist.

Der Name ist Programm
Blickt man auf die Geschichte des Esslinger Unternehmens zurück, hatte dieses anfangs noch gänzlich wenig mit Immobilien am Hut: Georg Warbanoff – aus dessen Initialen der Unternehmensname „GE-WA“ gebildet wurde – gründete einst den Gewerbebetrieb GEWA Warbanoff Facondrehteile. In den 1970er Jahren übernahm Sohn Michael Georg das Geschäft und gründete parallel dazu die GEWA NC Programmiersystem für NC Anwender GmbH, die beide später verkauft wurden. Im Jahr 1998 gründete Michael Warbanoff schließlich die GEWA-Gruppe, die sich nach eigenen Angaben mittlerweile als Anbieter für Spezial- und Nischenimmobilien positioniert hat. Seither konnte das Unternehmen Projekte mit einem Investitionsvolumen von rund 250 Mio. EUR realisieren, wie der Bau des Presswerks für Daimler oder die Fertigstellung von Studentenwohnheimen. Das Besondere dabei: Das Unternehmen wird einzig von Michael Warbanoff und seinem Sohn Mark betrieben. Kennzeichnend ist, dass die beiden seit vielen Jahren eng mit den gleichen Architekten, Maklern und Fachingenieuren zusammenarbeiten.

Michael und Mark Warbanoff
Michael und Mark Warbanoff

Kapitalmarkt als Alternative

Vor etwa acht Jahren stießen Vater und Sohn auf ein unbebautes Grundstück am Stadtrand von Fellbach bei Stuttgart, und schnell kam ihnen die Idee eines Wohnhochhauses. Statt einer klassischen Bankenfinanzierung entschied sich die Immobiliengesellschaft für eine Anleihenplatzierung. Rund 35 Mio. EUR erlöste das Unternehmen durch die Projektanleihe, die einen jährlichen Festzins von 6,5% p.a. aufweist. Mit einer für Privatanleger freundlichen Mindeststückelung von nominal 1.000 EUR kann die Anleihe seit März im Entry Standard gehandelt werden. Die Anleihe beinhaltet eine vorzeitige Rückzahlungsmöglichkeit nach zweieinhalb und drei Jahren zu 102% sowie nach dreieinhalb Jahren zu 101%. Denn die Projektlaufzeit soll planmäßig nur zwei Jahre dauern – doch GEWA möchte Eventualitäten vorbeugen, da die Anleihe im FOK-Modus, also Fill or Kill,,platziert wurde.

Dem Himmel so nah
Die Fertigstellung des Wohnturms mit insgesamt 34 Etagen soll 2016 erfolgen – bis dahin sollen etwa 64 exklusive Eigentumswohnungen und ein Business-Hotel mit ca. 110 Zimmern entstehen. Etwa 27 Wohnungen wurden bereits verkauft; seit der Anleihenplatzierung kamen laut Unternehmensangaben noch elf weitere hinzu. Seit der Bau im Sommer begonnen hat, steigt das Interesse in der Bevölkerung stetig: So reisen „neugierige“ Bürger extra an die Baustelle, um den Baufortschritt des Towers stetig zu beobachten. Außerdem kann der Bau des Wohnturms live über eine Webcam verfolgt werden.

Fazit
Das Esslinger Unternehmen möchte mit seinem Wohntower hoch hinaus. Dabei setzen die beiden Firmeninhaber verstärkt auf die positiven Merkmale eines Familienunternehmens, wie z.B. kürzere Dienst- und Entscheidungswege. Eine Scheu vor dem Kapitalmarkt haben die Projektentwickler dabei nicht – im Gegenteil: Seit der Anleihenplatzierung ist die Wahrnehmung der Immobiliengesellschaft von außen größer denn je.

GoingPublic: Herr Warbanoff, was zeichnet Sie als Familienunternehmen aus?
Warbanoff: Wir stehen voll und ganz mit unserem Namen dahinter – schließlich setzt sich der Unternehmensname aus den Initialen meines Großvaters zusammen. Der Opa mischt quasi immer mit. Zudem sind wir sehr stark in der Stuttgarter Region verwurzelt und planen ausschließlich dort Bauprojekte. Dadurch dass wir ein Zweimannbetrieb sind, können wir außerdem schnelle Entscheidungen treffen, was sehr von unseren Kunden, besonders auch den Großen wie Daimler, geschätzt wird. Nicht zu Unrecht titulierte mal eine Stuttgarter Tageszeitung: „Bei uns erreichen Sie immer den Chef.“

GoingPublic: Wieso haben Sie sich entschlossen, eine Anleihe zu begeben, und was hat sich seitdem geändert?
Warbanoff: Bei früheren Projekten haben wir bereits vor einiger Zeit bemerkt, dass sich die Finanzierungslandschaft komplett verändert hat. Es gab zwar Angebote zu Bankenfinanzierungen für den GEWA-Tower, die dann aber in einem Fall aufgrund der Krise und in dem anderen wegen der Bedingungen nicht zustande gekommen sind. Ein weiteres Problem bei der Bankenfinanzierung solch einzigartiger Immobilienprojekte ist der Mangel an Vergleichsobjekten, der fehlende sogenannte „Proof of Concept“, der sich negativ auf die Finanzierungsbereitschaft der Banken auswirkt. Deshalb haben wir uns an einem ähnlichen Vorbild in Stuttgart orientiert, der Cloud No 7, die sich ebenfalls über eine Anleihe finanziert hat. Seit der Anleihenplatzierung hat sich bei uns absolut alles geändert. Wir werden jetzt deutschlandweit mit unserem Projekt wahrgenommen und nicht selten als Experten zum Thema Wohnhochhäuser befragt.

GoingPublic: Für viele Familienunternehmen ist der Gang an den Kapitalmarkt nach wie vor keine Option, z.B. weil die Gefahr besteht, dass plötzlich andere mitmischen. Sehen Sie darin einen Widerspruch?
Warbanoff: In meinen Augen ist es ganz und gar kein Widerspruch. Bei einer Bankenfinanzierung beispielsweise mischt ja auch meist jemand mit, nämlich der Banker. Von daher ist der Gang an den Kapitalmarkt bloß eine andere Art der Finanzierung, die aber der Bankenfinanzierung schon sehr ähnlich ist. Mit dem einzigen Unterschied, dass Sie nicht mit nur einer Person sprechen, sondern gleich mit mehreren. Warum sollten mittelständische Unternehmen also nicht an den Kapitalmarkt gehen? Jeder hat schließlich mal klein angefangen.

GoingPublic: Herr Warbanoff, vielen Dank für das nette Gespräch.

Hinweis: Beobachten Sie den Bau des Wohntowers live im Internet unter: http://baudoku.1000eyes.de/cam/warbanoff/00408CB78953

Das Interview führte Svenja Liebig

 

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