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Der Geschäftsberichtsjahrgang 2013, in dem der DRS 20 für die Konzernlageberichterstattung erstmals verpflichtend anzuwenden war, hat die erwartet großen Unterschiede in der Auslegung des Standards gezeigt. Doch ein Blick auf den Kreis der DAX-Konzerne endet mit der erfreulichen Erkenntnis: Im Hinblick auf die zentralen Veränderungen gibt es mehr Licht als Schatten.

Strategie: Ein bisschen was geht immer

Nein, so wirklich schickt es sich für ein Mitglied der ersten Börsenliga nicht, seine Leserschaft bezüglich der künftigen Ausrichtung komplett im Dunklen tappen zu lassen. Entsprechend nahmen alle DAX-Unternehmen die gemäß DRS 20 freiwillige Übung „Strategiekapitel“ in Angriff. Was einige Konzerne dort allerdings anbieten, gleicht mehr dem sprichwörtlichen Feigenblatt. Anstelle der vom Standard „erbetenen“ konkreten Zielformulierungen und Zeithorizonte stößt man auf austauschbare Phrasen über profitables Wachstum und führende Marktpositionen. Den Verfassern derartiger Plattitüden sei eine Hospitanz bei den Kollegen von adidas ans Herz gelegt. Die wissen, wie Strategiekapitel richtig geht.

Alexander Wilberg, CFA, Director, Kirchhoff Consult AG
Alexander Wilberg, CFA, Director, Kirchhoff Consult AG

Nichtfinanzielle Leistungsindikatoren: keine Prognosekultur

Deutlich auskunftsfreudiger zeigen sich die Unternehmen hinsichtlich der geforderten quantitativen Angaben zu nichtfinanziellen Leistungsindikatoren. Wasser auf die Mühlen der Standardsetter ist hier eindeutig der Trend zur kombinierten Geschäfts- und Nachhaltigkeitsberichterstattung. So beeindruckt beispielsweise Bayer nicht nur mit einer Fülle vergangenheitsbezogener Daten, sondern auch mit einem ausführlichen Zielprogramm. Ebenso klar zeigt sich aber auch, dass noch keine Prognosekultur bezüglich nichtfinanzieller KPIs besteht. Positive Ausnahme: die Deutsche Telekom, die tatsächlich für jeden definierten Leistungsindikator die erwartete Entwicklung in den kommenden beiden Jahren skizziert.

Risikobericht: alles Interpretationssache

Dass DRS 20 den berichtenden Unternehmen an entscheidenden Stellen zu viel Interpretationsspielraum lässt, zeigt sich am deutlichsten in den Risikoberichten. Es wird vermutlich immer ein Rätsel bleiben, wie Beiersdorf seinem Prüfer die nackte Aussage, man kategorisiere Risiken nach potenzieller finanzieller Auswirkung und Eintrittswahrscheinlichkeit, erfolgreich als quantitative Angabe verkauft hat.

Dabei bergen eben jene quantitativen Angaben durchaus interessante Erkenntnisse. Zwei Beispiele: Während adidas ein Risiko mit 30% Eintrittswahrscheinlichkeit als „wahrscheinlich“ klassifiziert, fallen 39% bei SAP noch in die Kategorie „unwahrscheinlich“. Es sei jedem Investor nun selbst überlassen, ob er den Optimismus der SAP-Risikomanager teilen möchte. Die von LANXESS getroffene Aussage, dass in jedem der drei Top-Risiken ein ergebnisseitiges Downside-Potenzial von bis zu 15% schlummert, hat ebenfalls mehr Substanz als die seitenlangen theoretischen Ergüsse der Vergangenheit.

Chancenbericht: Es geht vorwärts

Auch wenn die von DRS 20 propagierte ausgeglichene Darstellung von Chancen und Risiken vorerst noch ein frommer Wunsch bleiben dürfte – so beträgt das Mengenverhältnis von Risiko- zu Chancenanalyse bei HeidelbergCement beispielsweise stolze 12:1 –, lässt der Berichtsjahrgang 2013 positive Signale erkennen. Good Practice aus dem Risikobericht findet zunehmend auch Anwendung auf den Chancenbericht, so zum Beispiel bei Henkel (dramaturgischer Aufbau) oder Infineon (Bewertung von Chancen). Dies soll aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass nach wie vor viel Luft nach oben besteht: Wie wäre es für 2014 beispielsweise mal mit der einen oder anderen Sensitivitätsanalyse?

Prognosebericht: Darf’s ein bisschen mehr sein?

Wer glaubte, die DAX-Konzerne würden das Angebot, den Prognosehorizont auf ein Jahr zu verkürzen, mit Kusshand annehmen, wurde eines Besseren belehrt. 18 der 30 Unternehmen gaben freiwillig weiter in die Zukunft reichende Prognosen ab – wobei sich die meisten den Luxus leisteten, den erweiterten Horizont nur auf ausgesuchte Angaben anzuwenden. Lediglich adidas und die Deutsche Telekom versorgten ihre Investoren unverändert mit einem kompletten Set auf zwei Jahre angelegter Prognosen.

Fazit

Probezeit bestanden – so lautet das Fazit zur erstmaligen flächendeckenden Anwendung des DRS 20 in den DAX-Berichten des Jahrgangs 2013. Insbesondere das sensible Thema „Quantifizierung von Risiken“ wurde offensiver angegangen als zu erwarten war. Mit Blick auf die qualitativen Ausreißer nach unten bleibt die Hoffnung, dass der Markt sich wie auch schon in der Vergangenheit selbst regeln wird. Die Messlatte liegt nach einem Jahr zumindest schon ermutigend hoch.

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