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Inhaltsverzeichnis

Kontinuierliche Kommunikation – ein Muss für nachhaltige Investorenbeziehungen

Investor Relations ist weit mehr als die Erfüllung der Publizitätspflichten der jeweiligen Börsensegmente. Das Unternehmensmanagement und seine externen Berater sollten bereits in einem guten Konjunktur- und Kapitalmarktumfeld die Erwartungen der Kapitalgeber in Einklang mit der tatsächlichen Unternehmensentwicklung bringen. Abgesehen vom kontinuierlichen Transport der Equity Story über sämtliche Distributions- und Medienkanäle, die neben dem Geschäftsmodell und einem umfangreichen Zahlenwerk zwingend Aussagen zur mittelfristigen strategischen Ausrichtung, Finanzierung, Marktperspektiven und Wachstumschancen beinhalten muss, sollte ein hohes Transparenzniveau und der stetige Vertrauensaufbau angestrebt werden. Dies wird vor allem durch Prognoseverlässlichkeit und eine nachvollziehbare Umsetzung der kommunizierten strategischen Zielsetzungen erlangt. Von entscheidender Bedeutung im Hinblick auf die Wahrnehmung und Nachvollziehbarkeit individuell kommunizierter Unternehmensaussagen ist aufgrund der Vielzahl von täglich verfügbaren Unternehmens- und Wirtschaftsmeldungen der persönliche Kontakt zu aktuellen und potenziellen Kapitalgebern. Dieser persönliche Beziehungsaufbau sollte in Einzelgesprächen, auf Kapitalmarktkonferenzen, bei Unternehmensbesichtigungen und auf (Update-)Roadshows – auch ohne aktuell anstehende Transaktion – gezielt angestrebt werden. Eine Investorenpflege, die sich auszahlt.

Wettbewerbsvorteile bei der Kapitalbeschaffung

Ein Ausbau der Kapitalmarktaktivitäten muss nicht zwingend durch höhere Budgets realisiert werden. So kann in der Krise gezielt über strategische Entscheidungen wie beispielsweise Restrukturierungsprogramme, Verkauf von Beteiligungen oder die Zusammenführung von Geschäftseinheiten berichtet werden. Auch gehören detaillierte Erläuterungen von Bilanz- und GuV Positionen inklusive Liquiditätsaussagen und Finanzierbarkeit von Projekten zu einer guten Kommunikation. Über den strategischen Ausbau der Investor Relations-Aktivität können gerade in der Krise eine höhere Kapitalmarktpräsenz, ein verbesserter Zugang zu bestehenden und neuen Investorengruppen und daraus resultierende Wettbewerbsvorteile bei der Kapitalbeschaffung realisiert werden.

 

Erhöhtes Informations- und Transparenzbedürfnis

Investoren und Kreditfinanzierer sind bei schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen mit wesentlich höheren Ausfallrisiken konfrontiert. Entsprechend verändert sich das Risikoprofil der Kapitalgeber. Ein deutlich erhöhtes Informations- und Transparenzbedürfnis, das der besseren Einschätzung dieser Risiken – aber eben auch der Chancen und Entwicklungspotenziale von Unternehmen – dient, ist die Folge. Nicht selten wird ein zurückgenommener Kommunikationsfluss oder mangelnde Transparenz als zusätzlicher Risikofaktor gewertet – ein hervorragender Nährboden für Spekulationen und Gerüchte. Im ungünstigsten Fall werden Aktienbestände liquidiert oder Kreditlinien nicht verlängert.

Bessere Kapitalmarktpositionierung durch proaktive Kommunikation
Im Umkehrschluss ist gerade in wirtschaftlich angespannten Marktphasen eine gezielte, offene und transparente Investor Relations-Arbeit unverzichtbar. Die Herausforderungen sind groß, denn jetzt gilt es, proaktiv auf die individuellen Informations- und Transparenzbedürfnisse der Kapitalgeber einzugehen.

Ein zentrales Thema im Hinblick auf diese Herausforderung ist der Umgang mit der Krise im Unternehmen selbst. Je besser und schneller die Auswirkungen des konjunkturellen Abschwungs auf das Unternehmen vom Management erfasst werden, desto präziser können die von der Unternehmensführung eingeleiteten Maßnahmen zielgerichtet kommuniziert werden. Eine detaillierte Analyse der sich durch die anstehende Marktkonsolidierung ergebenen Chancen und Risiken, der zu erwartenden Branchenveränderungen und der Nutzung von Potenzialen dieser Veränderungen sind von wesentlicher Bedeutung. Explizite Aussagen zum Finanzbedarf, zu Ertrags- und Kosteneinsparpotenzialen, zur Organisationsstraffung, zu Strategien für die Gewinnung von Marktanteilen oder zur Implementierung von verbesserten Vertriebsstrukturen sind nur wenige weitere Fragestellungen, die proaktiv durch die Unternehmenskommunikation beantwortet werden sollten, um die guten Beziehungen zu Kapitalgebern auch in der Krise aufrecht zu erhalten.

Fazit
Insgesamt gibt es kein allgemein gültiges Garantie-Erfolgsrezept bei der Investor Relations-Arbeit in der Krise. Kontraproduktiv ist jedoch eine im Vergleich zur Vergangenheit eingeschränkte Kommunikations- und Transparenzbereitschaft der Unternehmen. Eine an die neuen Gegebenheiten angepasste und analytisch aufgearbeitete Kommunikation wird dem zusätzlichen Informations- und Transparenzbedürfnis bestehender und potenzieller Kapitalgeber in der Krise gerecht, sofern die Trag- und Zukunftsfähigkeit des Unternehmens glaubwürdig transportiert werden kann. Der strategische Ausbau der Kommunikationsaktivitäten erhöht zudem die Chancen bei der Kapitalbeschaffung und der Optimierung der durchschnittlichen Kapitalkosten deutlich. Bestenfalls können über zielgerichtete Maßnahmen nicht nur aktuelle Kapitalgeber an das Unternehmen gebunden, sondern der Aktionärskreis erweitert und Ankerinvestoren gefunden werden. Gelingt dies nicht, ist das Unternehmen durch die erhöhte Kapitalmarktpräsenz zumindest in dem der Krise folgenden Aufschwung hervorragend im Wettbewerb um das begrenzt vorhandene Kapital positioniert. Denn eines ist auch in Zeiten unsicherer Konjunkturentwicklungen sicher: Die Krise und die damit verbundene Investitionszurückhaltung werden auch diesmal ihr Ende finden.

Von Lars Kuhnke, Geschäftsführer, GFEI Gesellschaft für Effekteninformation mbH

Der Beitrag erschien ursprünglich im GoingPublic Magazin 5/2009, Special Entry und General Standard