Henryk Detet, Mitglied des Vorstand und Miteigentümer der cometis AG
Henryk Deter, Mitglied des Vorstands und Miteigentümer der cometis AG

Never change a running system – dieser Ratschlag aus dem IT-Bereich warnt vor systemischen Veränderungen. Neben der vagen Aussicht auf Verbesserung bringen Eingriffe in ein funktionierendes System auch immer die Gefahr eines Totalabsturzes mit sich. Droht ein solches Ereignis auch im Kosmos der Investor Relations? Hier befasste sich der Börsenrat der Frankfurter Wertpapierbörse zuletzt mit der Frage, ob man ein funktionierendes System – namentlich die Quartalsberichterstattung von im Prime Standard notierten Unternehmen ¬- ganz abschaffen oder zumindest flexibilisieren sollte? Schließlich hatte der deutsche Gesetzgeber die gesetzliche Pflicht hierzu auf Grundlage einer EU-Richtlinie bereits im Vorfeld abgeschafft.

Ganz so weit wollte man in Frankfurt jedoch nicht gehen. Eine komplette Abschaffung der Quartalsberichterstattung könnte die Transparenz am deutschen Kapitalmarkt gefährden. Letztendlich entschied sich der Börsenrat in seiner Reform der Transparenzanforderungen für einen Mittelweg: Statt der umfangreichen Quartalsfinanzberichte, die bislang gefordert wurden, reichen im nächsten Jahr auch sogenannte Quartalsmitteilungen. Die neue Quartalsmitteilung orientiert sich inhaltlich an den „Zwischenmitteilungen der Geschäftsführung“, die von Unternehmen im General Standard verlangt wurden, sodass man hier auf Erfahrungswerte zurückgreifen kann.

Weit mehr Unklarheit besteht jedoch hinsichtlich der Form und des Umfangs: Hier lassen die neuen Regelungen einen erheblichen Gestaltungsspielraum zu. Die Unternehmen müssen diesen jetzt mit neuen Ideen ausfüllen. Durch eine Umfrage unter IR-Managern von im Prime und General Standard gelisteten Unternehmen wollte die Beratungsfirma cometis im Rahmen des regelmäßig stattfindenden IR-Panels herausfinden, ob bereits konkrete Konzepte in dieser Hinsicht ausgearbeitet wurden und wie die Zukunft der Quartalsberichterstattung aussehen könnte.

IR Panel Abb. 1Hannemann, geh Du voran!
Dass es höchste Zeit wird, sich intensiver mit den gesetzlichen Neuregelungen und den daraus resultierenden Konsequenzen für die eigene Berichterstattung auseinanderzusetzen, zeigen die cometis-Umfrageergebnisse. Erstaunlicherweise haben 23% der IR-Manager im Befragungszeitraum (19.11.–27.11.2015) angegeben, noch gar nicht oder erst vor kurzem von den gesetzlichen Veränderungen erfahren zu haben. Das deutet darauf hin, dass sich viele der Unternehmen bislang zu wenig Gedanken darüber gemacht haben, ob und wie sie ihre zukünftigen Quartalsmitteilungen gestalten wollen.
Dafür spricht auch die Tatsache, dass heute nur 30% der befragten Unternehmen im Prime Standard planen, bereits im ersten Quartal 2016 Veränderungen in ihren Quartalsberichten vorzunehmen. 18% haben sich dafür entschieden, zunächst alles beim Alten zu belassen. Bei 43% hingegen ist noch keine Entscheidung darüber gefallen.
Eine ähnlich große Ungewissheit gibt es bei der konkreten Ausgestaltung der zukünftigen Quartalsmitteilungen. Hier geben knapp 46% der IR-Manager an, darüber sei noch nicht endgültig entschieden worden. Nur 14% sind sich sicher, dass sie auch zukünftig so berichten wie bisher. Die restlichen Antworten verteilen sich auf Konzepte, die im Umfang deutlich reduzierter sind als die bisherigen Quartalsfinanzberichte.

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