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Große gesellschaftliche Herausforderungen liegen vor uns. Um Mammutaufgaben wie die Energiewende oder die Altersvorsorge zu bewältigen, brauchen wir einen funktionierenden Kapitalmarkt. Viele Menschen hierzulande misstrauen jedoch der Aktie. Aufklärung und kluge Gesetzgebung sind gefragt.

Die Bedeutung des Kapitalmarkts wird von einem großen Teil der Bevölkerung verkannt. Die ökonomisch Gebildeten wissen aus der Theorie zwar, dass er den Wohlstand sichert, indem er eine sinnvolle Allokation von Kapital ermöglicht. Dass der Kapitalmarkt für das Gelingen großer gesellschaftlicher Projekte aber ganz praktische Bedeutung entfaltet, wird häufig sogar von ihnen übersehen.

Kay Bommer
Kay Bommer

Ein Beispiel dafür ist die Energiewende: Die gesamtgesellschaftliche rasche Einigung auf einen Atomausstieg nach dem Unglück von Fukushima stellt Politik und Wirtschaft in unserem Land nicht nur in logistischer und technischer Hinsicht, sondern auch bei der Frage der Finanzierung vor große Herausforderungen. Schließlich verursacht die Umstellung auf eine dezentrale, auf erneuerbare Quellen gestützte Energieversorgung in den kommenden Jahrzehnten Kosten in einer Höhe, die heute noch nicht einmal realistisch benannt werden kann. Klar ist lediglich, dass zur Absicherung dieser gesamtgesellschaftlichen Anstrengung innovative Unternehmen benötigt werden, die ihrerseits Zugang zu einem funktionierenden Kapitalmarkt haben müssen.

Absicherung im Alter – woher nehmen, wenn nicht klauen?
Ein zweites gesellschaftliches Großumbauprojekt ist die zukünftige finanzielle Absicherung im Alter. Auch hier ist ein gesunder Kapitalmarkt notwendig. Die absehbar instabiler werdende gesetzliche Altersversorgung, deren Basisrente durch ein Umlageverfahren finanziert wird, wird im Zuge des fortschreitenden demografischen Wandels durch ein kapitalgedecktes Altersvorsorgesystem ergänzt werden müssen. Ob diese Ergänzungsrente betrieblich oder privat finanziert sein wird, spielt dabei eine untergeordnete Rolle. Entscheidend ist, dass der notwendige langfristige Vermögensaufbau für die Jüngeren zur Sicherung ihres Lebensstandards im Alter ohne die Investition in Kapitalmarktprodukte nicht vorstellbar ist. Die sich häufenden Nachrichten über Negativzinsen auf Bankeneinlagen auch für Privatkunden verdeutlichen, dass solche Anlagen eine schlichte Notwendigkeit sind, um die Vermögensentwertung zu verhindern.

Kapitalmarkt und Privatanleger brauchen einander
Doch obwohl die Gesellschaft die Unterstützung des Kapitalmarkts bei diesen wichtigen Zukunftsprojekten dringend braucht, leidet er noch immer unter einem schlechten Ruf und schwacher privater Beteiligung. Die Früchte der letzten Aktienhausse gingen – wie so oft – an den Privatanlegern vorbei. Dies gilt es zu ändern, womit ein weiteres Großprojekt angesprochen wäre, das nur Erfolg haben wird, wenn viele dazu beitragen.

Zunächst ist der Gesetzgeber angesprochen. Unternehmen, die an die Börse streben oder schon dort sind, leiden häufig unter einer Vielzahl von gesetzlichen Vorschriften und Pflichten. Selbstverständlich ist die Regulierung im Sinne des Anlegerschutzes notwendig. Eine Überregulierung jedoch ist kontraproduktiv und könnte notwendige Entwicklungen schon im Keim ersticken. Die jüngste Überarbeitung der Transparenzrichtlinie zeigt, dass der Gesetzgeber diese Gefahr erkannt hat. Die Entscheidung, die gesetzliche Pflicht zur Abgabe von Quartalsberichten ab 2015 abzuschaffen, ist ein Schritt in die richtige Richtung.

Hilfreich wäre in diesem Zusammenhang auch eine Versachlichung der aktuell noch praxisfern geführten Debatte über die Nachhaltigkeitsberichterstattung von Unternehmen. Das Ziel, Unternehmen zu einer praktischen Änderung der Unternehmensethik zu veranlassen, ist sowohl ökonomisch als auch gesamtgesellschaftlich gesehen zu unterstützen. Es sollte jedoch zuerst darum gehen, die Nachhaltigkeit in der Unternehmensausrichtung zu verankern. Wenn dies nicht gewährleistet ist, bleibt der Nachhaltigkeitsbericht eine formelle, nicht zielführende Pflichterfüllung.

Wissen schafft Akzeptanz
Eine wichtige Voraussetzung, um die Akzeptanz des Kapitalmarktes auch bei Privatanlegern zu steigern, ist die Aufklärung. Wer wirtschaftliche Zusammenhänge und die Grundmechanismen des Finanzmarkts versteht, kann sich eine eigene Meinung bilden und bewusst handeln. Die öffentlichen Debatten könnten sich dadurch versachlichen. Leider sind das Wissen und das Interesse der breiten Bevölkerung in Bezug auf Finanzfragen aber häufig wenig ausgeprägt. Der DIRK fordert daher – übrigens im Einklang mit anderen Institutionen und Verbänden wie etwa dem Deutschen Aktieninstitut – bereits im Schulunterricht praxisnahes Wirtschafts- und Kapitalmarktwissen zu vermitteln.

Ohne gesellschaftlichen Konsens sind keine mutigen und zukunftsweisenden Schritte wie die Energiewende und die Lösung der Frage nach der Generationengerechtigkeit möglich. Um diese Schritte gehen zu können, brauchen wir einen effizienten und attraktiven Kapitalmarkt. Die Umsetzung der angesprochenen Maßnahmen ist daher dringend erforderlich, um das Verständnis und das Vertrauen der Anleger zu erhöhen. Denn ohne ihre Teilnahme kann der Kapitalmarkt langfristig nicht effizient funktionieren. Und das wäre in der Tat eine Gefahr für unseren Wohlstand.

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