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Bei der Constantin Medien AG geht es derzeit filmreif zu. Zwei Aktionärsgruppen kämpfen mit allen Mitteln um die künftige Ausrichtung der Gesellschaft. Von Matthias Wahler

Die Ausgangssituation ist mittlerweile bekannt. Der Aufsichtsratsvorsitzende Dieter Hahn und Vorstandschef Fred Kogel wollen die Constantin-Gruppe auf die Bereiche Sport sowie Sport- und Eventmarketing fokussieren. Die schwankungsanfällige und kapitalintensive, gleichwohl erfolgreiche Filmsparte („Fack Ju Göhte“) soll verkauft und der Erlös zur Schuldentilgung genutzt werden. Ex-Vorstand Bernhard Burgener, der zusammen mit seinen Getreuen ebenso wie Hahn knapp 30% der Anteile hält, will die Gruppe hingegen in ihrer jetzigen Form erhalten. Ihm erscheint es sinnvoller, das Geschäft auf mehreren Beinen ruhen zu lassen.

Zwei Tage HV und mehr als 500 Fragen
Der Streit war bereits auf der HV am 6.7.2016 offen zutage getreten. Damals hatte das Treffen im Eklat geendet, als Rechtsanwalt Franz Enderle als Versammlungsleiter die Stimmen einer Vielzahl von Banken und Fondsvertretern nicht zur Abstimmung zugelassen hatte. Auf der Wiederholungs-HV am 9. und 10.11.2016 sollte nun den Aktionären die Entscheidung über die künftige Ausrichtung überlassen werden. Dort zeigte sich jedoch vor allem, wie verhärtet die Fronten sind. Das Treffen zog sich über zwei volle Tage. Dutzende Anwälte sowie eine Reihe von bekannten Aktionären stellten mehr als 500 Fragen.

Stimmen von Burgener wieder ausgeschlossen
Für großes Erstaunen und teilweise sogar Entsetzen sorgte am Beginn des zweiten Tages, dass wieder Enderle die Versammlungsleitung übernahm. Am ersten Tag hatte dieses Amt noch Medienmanager Werner E. Klatten innegehabt, der nicht mehr zur Verfügung stand. Viele Aktionäre werteten dies als offene Provokation. Mehrfach erkundigten sich HV-Teilnehmer, ob Enderle gedenke, auch diesmal Stimmen auszuschließen. Darauf gab es jedoch nur ausweichende Antworten. Dass die Bedenken gerechtfertigt waren, zeigte sich am Abend des zweiten Tages, als Enderle die Präsenz von nur 47,18% verkündete. Die überraschend geringe Quote erklärte er damit, dass er die Stimmen des Burgener-Pools aufgrund einer falschen und nicht korrigierten Stimmrechtsmeldung vom 15.6.2016 von der Abstimmung ausschließen musste. Seiner Aussage, dass er die Kanzlei von Burgener am Vortag auf das Versäumnis hingewiesen hat, widersprach dessen Anwalt entschieden. Auch andere Aktionäre zeigten sich entsetzt. Es kam zu tumultartigen Szenen.

Einigung nicht in Sicht
Infolge der Stimmrechtsausschlüsse wurden sämtliche Beschlüsse im Sinne der Verwaltung gefasst. Der Verwaltungsrat der Highlight Communications AG hat aber Klagen angekündigt. Und selbst wenn es grünes Licht gäbe, wäre der Verkauf aufgrund der komplizierten Struktur der Gruppe nur schwer umzusetzen. Die Anteile an Constantin Film hält die Constantin Medien AG nicht direkt, sondern über die Highlight Communications AG. Constantin ist an diesem Unternehmen zwar mit 60,53% mehrheitlich beteiligt. Formal könnte den Beschluss jedoch nur der Highlight-Verwaltungsrat fassen, dessen Chef wiederum Burgener ist, der nicht verkaufen will. Zu allem Überfluss hat Constantin Medien auch noch ein Darlehen bei der Stella Finanz AG aufgenommen, die ebenfalls Burgener zuzurechnen ist, und als Sicherheit Highlight-Aktien verpfändet. Die Situation gestaltet sich also höchst kompliziert. Einig sind sich die beiden Parteien nur darin, dass schnell eine Einigung gefunden werden muss. Die ist jedoch nicht in Sicht. Auch nach der HV setzte sich die Auseinandersetzung fort. Für das operative Geschäft ist der andauernde Zwist alles andere als förderlich.

 

Autor: Matthias Wahler

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