Der tendenzielle Rückzug institutioneller Investoren namentlich von Publikums –oder Spezialfonds aus dem börsenorientierten Mittelstand setzt sich weiter fort. Zu dem Ergebnis kam die in Kooperation erstellte Studie der cometis AG und dem Investor Relations-Datenbankanbieter Ipreo.

In der aktuellen Studie „Wem gehört der börsennotierte Mittelstand? Update 2015“, wurde die Aktionärsstruktur der in den drei Nebenwerte-Indizes MDAX, SDAX und TecDAX notierten Unternehmen analysiert. Zum Ende des dritten Quartals 2014 lagen somit  nur noch rund  17% des institutionell gehaltenen Streubesitzes aller MDAX-Unternehmen bei deutschen Investoren. Im SDAX hielten Institutionen mit Sitz in Deutschland stabil bei rund 23%, während sie sich aus TecDAX-Unternehmen signifikant zurückzogen und mit einem Anteil von knapp 26% nun hinter nordamerikanischen Investoren ( 30%) liegen.

Aus dem detailierten Blickwinkel hinsichtlich der weiteren Ergebnisse der Studie ergeben sich folgende Erkenntnisse:

Der „Strategische Anteilsbesitz“, zu dem im Unterschied zum Streubesitz Ankerinvestoren wie Familien, Unternehmen und Private Equity-Gesellschaften gezählt werden, ist in allen drei Indizes im Untersuchungszeitraum zurückgegangen und liegt z.B. im MDAX nun bei 34% nach 38% zum Ende Q3 2013.

Deutsche Investoren im institutionellen Streubesitz stehen bei MDAX- und SDAX-Werten erst an dritter Stelle hinter nordamerikanischen und britischen/irischen Aktionären.

Capital World Investors ist vor dem norwegischen Staat mit 2,9 Mrd. EUR knapp der größte Investor im MDAX. Nimmt man MDAX, SDAX und TecDAX zusammen steht der norwegische Staat mit 3,9 Mrd. EUR investiertem Kapital hier an der Spitze.

Index-Fonds – die den drittwichtigsten Investment Style darstellen – sind vor allem in MDAX (14%) und TecDAX (11%) stark vertreten. So kann ein Ausscheiden aus dem Index auch bei Small- und Midcaps zu erheblichen Kursverwerfungen führen.

Positive Einschätzung der Gewinnaussichten im TecDAX – Growth-Investoren sind hier nun deutlich an der Spitze vor Value-Investoren.

Staatsfonds Temasek und GIC aus Singapur sind die einzigen nennenswerten nicht-strategischen Investoren aus Asien in MDAX-Unternehmen. Das Potential bei institutionellen asiatischen Anlegern für Investitionen in den deutschen Mittelstand ist heute noch sehr begrenzt.

London, Frankfurt, Paris bzw. New York bilden die Top 3 der wichtigsten Roadshow-Ziele, bestimmt nach investiertem Volumen der Fondsgesellschaften vor Ort – bei keinem der drei Indizes liegt ein Top 10 Roadshow-Ziel außerhalb Europas und Nordamerikas.

Michael Diegelmann, Vorstand von cometis über die Hintergründe der Studie: „Insbesondere Small- und Midcaps, also der untersuchte börsennotierte Mittelstand, nutzen häufig noch nicht alle Instrumente zur Identifizierung und Steuerung ihrer Aktionärsbasis. Spätestens bei anstehenden Kapitalmaßnahmen wird so wertvolles Potential verschenkt.“ Ergänzend äußert sich Andreas Posavac, Director Global Market Intelligence bei Ipreo, zum praktischen  Nutzen von Aktionärsstrukturanalysen auf Unternehmens- und Indexebene: „Die möglichst vollständige Abdeckung der aktuellen und potentiellen Investoren in der IR-Arbeit ist dabei die eine Seite. Andererseits geht es aber auch um einen effizienten Ressourceneinsatz etwa bei der Durchführung von Roadshows.“

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