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Nilüfer_Kaya
Nilüfer Kaya, Associate Corporate & Structured Finance, youmex AG

Das Kolossalprojekt Energiewende steht für eine konstitutive Neuordnung der Energieversorgung, die beachtliche Investitionen erfordern wird. Der steigende Transaktionswert im Markt der Erneuerbaren Energien erweckt das erhöhte Interesse von institutionellen Investoren. Auch das Niedrigzinsumfeld und der volatile Aktienmarkt treiben diese Investoren zu einer Neuausrichtung ihrer Asset Allocation, um Renditeziele jenseits konventioneller Anlagen zu suchen.

Nach dem White Paper von Bloomberg New Energy Finance (BNEF) aus dem letzten Jahr legen institutionelle Investoren vermehrt in erneuerbare Energieprojekte an. 2013 erreichte der Zufluss des institutionell verwalteten Kapitals in den europäischen Markt seinen bisherigen Höhepunkt. Gleichwohl hat Europa nach dem „Global Trends in Renewable Energy Investment 2014“-Report von BNEF einen Investitionseinbruch um 44% auf 48 Mrd. USD verkraften müssen. 2013 gingen die Investitionen in Erneuerbare Energien weltweit um 14% auf 214 Mrd. USD zurück. Demgegenüber stieg der Anteil der Erneuerbaren Energien an der global 2013 neu installierten Kraftwerksleistung auf einen Rekordwert von 43,6%.

Wettbewerbsfähigkeit der Erneuerbaren Energien

Die seit 2009 fortlaufende Mitigation1 und Reduzierung der durchschnittlichen Stromentstehungskosten für Onshore-Windkraftanlagen und Photovoltaik-Anlagen leistet einen exorbitant großen Beitrag zur Fortentwicklung der Wettbewerbsfähigkeit Erneuerbarer Energien im Vergleich zur herkömmlichen Stromerzeugung durch fossile Brennstoffe oder Kernreaktoren. Letztere erlitten im Jahr 2013 aufgrund höherer Kapitalkosten und Rohstoffpreissteigerungen in einigen Teilen der Welt vermehrt Verteuerungen. Investoreninteresse_Projektphasen

Das Risikoprofil muss zu den Investoren passen

Welches Investitionsmodell für welchen Investor passt, hängt erfahrungsgemäß von den Investitionszielen ab. Während für institutionelle Investoren (Mindest-)Renditeziele sowie stabile Cashflows nach Inbetriebnahme der Kraftwerke über einen längeren Zeitraum im Vordergrund stehen, sind für Energieunternehmen die Projektauswahl in Bezug auf Zielmärkte und die zu deckenden Kapitalkosten im Konzern maßgeblich. Energieversorger können hingegen mit Developer- und Baurisiken umgehen und haben die Managementkapazitäten, jedoch bereiten ihnen die regelmäßig hohen Fremdfinanzierungen auf Ebene der Projektgesellschaften Probleme, da sie bei einer Vollkonsolidierung komplett in den Konzernabschluss übernommen werden.

In diesem Zusammenhang kommt der Zusammenführung von komplementären Partnerschaften besondere Bedeutung zu, die in der Regel erfolgssichernd von einem erfahrenen Intermediär und Arrangeur gemanagt und moderiert wird. Dieser sorgt durch passgenaue Strukturierung des Investments für eine faire Wahrung der Interessen der Partner im Hinblick auf das Risikoprofil von Investoren und den Finanzierungsbedarf der Energieversorgungsunternehmen, was das Projekt erst zu einem attraktiven Investmentprodukt macht.

Bündelung von Stärken und Ausgleich von Schwächen

Gerade unter Rating- und Risikogesichtspunkten bieten sich daher Co-Investmentstrukturen zwischen Energieversorgern und Bestandshaltern als Independent Power Producer (IPP) mit institutionellen Investoren an. Ein weiterer Katalysator für Co-Investmentstrukturen ist deren gemeinsamer, auf Langfristigkeit ausgelegter Investmentfokus. In der Realisierungsphase können IPP durch Übernahme des Development-Risikos und ihrer Managementleistungen den institutionellen Investoren einen frühen, risikoärmeren Einstieg auf Projektebene im Rahmen eines Joint Ventures oder in einer hybriden Struktur ermöglichen. Dadurch können sich Investoren rentable Projekte frühzeitig sichern und die IPP können ihre Kapitalbindung reduzieren. In der Betriebsphase nehmen Investoren gerne die Mehrheitsbeteiligung, was beim IPP für bilanzielle Dekonsolidierung und Verbesserung der Bilanzkennzahlen sorgt, wobei die Betriebsführung und Stromvermarktung beim IPP liegt.

Fazit

Institutionelle Investoren und IPP haben die Energiewende als nachhaltige Investitionschance entdeckt. Kooperationen zwischen Energieunternehmen einerseits, die das technische Know-how mitbringen und das Realisierungsrisiko tragen, und Investoren, die andererseits den Großteil des Kapitals erbringen und die Investments in ihren Investmentstrukturen bilanzieren, bieten erheblichen Mehrwert für beide Seiten. In einem dynamischen Markt mit stetig wachsendem Projektvolumen und Kapitalbedarf ermöglicht ein erfahrener Intermediär und Arrangeur den Investoren einen passgenauen Zugang zu attraktiven Investments und den IPP die Erreichung ihrer Kernziele mit minimalem Kapitaleinsatz.

Über den Autor

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