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Wenn wir etwas aus Krisensituationen der Vergangenheit gelernt haben, dann dass sie meist aus einer Richtung kommen, die niemand vorhergesehen hat. So auch mit dem Coronavirus geschehen.

Niemand hätte wohl die wirtschaftlichen sowie gesellschaftlichen Konsequenzen, die mit der Pandemie aktuell einhergehen, für möglich gehalten, als Anfang des Jahres die ersten Fälle publik wurden. Bilder aus Italien, die leergefegte Straßen und ausgestorbene Cafés zeigen, erinnern fast schon an apokalyptische Zustände – in einer globalisierten, von Massentourismus geprägten Welt sind das eindeutig surreale Eindrücke, die so gar nicht in unsere Zeit passen wollen.

Venedig ist leergefegt
Venedig ist leer gefegt.

Zeitgleich wird in diesen Tagen deutlich, dass viele Bereiche in puncto Digitalisierung ebenfalls nicht ins jetzige Jahrzehnt passen – man denke nur an Schulen oder Universitäten, für die Innovation offenbar ein Fremdwort ist. So wäre die Debatte um die bundesweiten Schulschließungen angesichts der Pandemie sicherlich um einiges einfacher verlaufen, hätte man in den letzten Jahren vermehrt in virtuelle Lehrkonzepte investiert. Scheinbar haben aber antike Requisiten wie Tafel und Kreide dort immer noch Hochkonjunktur.

Mehr Mut für digitale Lösungen

Ebenfalls noch in den Kinderschuhen steckt das Thema Digitalisierung, wenn es um Hauptversammlungen geht. Die gesetzlichen Vorgaben sind hier sehr strikt – eine Online-HV kann die Präsenz laut Gesetzgeber nur ergänzen und eben nicht ersetzen. Zudem sind die technischen Unwägbarkeiten nach wie vor groß.

Dennoch sollte man meinen, dass es im 21. Jahrhundert, in dem sich fast unser ganzes Leben online abspielt, technische Lösungen geben sollte, um eben auch solche Versammlungen problemlos online über die Bühne zu bringen. Der Verdacht, hier wichtige Entwicklungen verschlafen zu haben und stets eines überaus konkreten Auslösers zu bedürfen, macht sich breit.

Der Ausnahmesituation im Moment zeigt umso deutlicher, dass mehr Mut für digitalen Fortschritt in vielen Bereichen des Lebens enorm wichtig ist – gerade um eben auch im Falle eines „Lockdowns“ wenigstens ein wenig Normalität wahren zu können.

Über den Autor

Svenja Liebig ist Redaktionsleitern Kapitalmarktmedien bei der GoingPublic Media AG. Ihre Schwerpunktbereiche liegen bei Themen rund um IPOs, Investor Relations, Unternehmensfinanzierung und den Kapitalmärkten in Österreich und der Schweiz.