Bildnachweis: FC Schalke 04.

Im Mai 2026 ist der FC Schalke 04 in die Bundesliga zurückgekehrt – die jüngste Wende in einer längeren Achterbahnfahrt zwischen erster und zweiter Liga. Und doch gelingt dem Verein verlässlich, woran viele andere scheitern: Seit 2012 finanziert sich der FC Schalke 04 über den Kapitalmarkt – sechs Unternehmensanleihen sind es inzwischen. Neue Schuldenberge türmt er damit aber nicht auf, denn eine neue Anleihe dient in der Regel der Refinanzierung von Finanzverbindlichkeiten. Dahinter steht ein Versprechen aus dem Jahr der ersten Emission und eine Finanzchefin, die diesen Weg von Beginn an begleitet hat. Von Fabian Kirchmann


Sportlich ging es auf Schalke in den vergangenen Jahren rauf und runter: Mehrfacher Champions League-Teilnehmer in den 2010er-Jahren, dann 2021 Abstieg in die 2. Bundesliga, sofortiger Wiederaufstieg 2022, erneuter Abstieg 2023 ehe im Mai 2026 nach drei Spielzeiten die Rückkehr ins Oberhaus des deutschen Fußballs gelang. Wer in einem solchen Umfeld immer wieder Geldgeber findet, muss mehr bieten als Vereinsromantik. Einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren ist eine konsistente, glaubwürdige Kapitalmarktkommunikation – und die hat sich seit der Begebung der ersten Anleihe 2012 kaum verändert.

Wie verlässlich der Zugang zum Kapitalmarkt funktioniert, zeigte sich zuletzt Ende November 2025. Als der FC Schalke 04 die Zeichnung seiner sechsten Unternehmensanleihe abschloss, stand eine Rekordzahl im Raum: 90 Mio. EUR. Geplant waren zunächst nur gut 50 Mio. EUR. Erst hob der Klub das öffentliche Angebot auf bis zu 75 Mio. EUR an, dann kamen über eine Privatplatzierung bei institutionellen Investoren weitere 15 Mio. EUR hinzu. Auf jeder Stufe war die Anleihe mehrfach überzeichnet. Es war die größte Emission der Vereinsgeschichte – und doch kein frisches Geld im eigentlichen Sinn: Der Erlös floss vor allem in die Ablösung der beiden noch laufenden Anleihen und in die Tilgung besicherter sowie landesverbürgter Bankdarlehen. Doch wie gelang dem Klub diese Rekordemission?

Das Versprechen von 2012

Begonnen hat alles vierzehn Jahre zuvor. Die Anleihe von 2012 galt als die erste börsennotierte Unternehmensanleihe eines deutschen Fußballvereins, das „königsblaue Wertpapier“ mit 6,75 Prozent Zins und sieben Jahren Laufzeit. Zunächst kamen 35 Mio. EUR zusammen, später über eine Aufstockung rund 50 Mio. EUR. Und schon damals gab der Klub das Ziel der finanziellen Konsolidierung aus, das ihn bis heute leitet:

„Das wichtigste Ziel unserer wirtschaftlichen Ausrichtung bleibt in den kommenden Jahren die finanzielle Konsolidierung des FC Schalke 04.“

Kernbotschaft zur ersten Anleihe 2012

Das Finanzinstrument war kein Sprung ins kalte Wasser – bereits zuvor hatte der FC Schalke mit einer Fan-Anleihe erste Erfahrungen mit dem Instrument gesammelt. Aber erst 2012 wagte der Verein als erster Klub der Liga den großen Auftritt am Markt für börsennotierte Unternehmensanleihen.

Vier Jahre später zog der FC Schalke eine erste Bilanz. 2016 refinanzierte der Klub die auslaufende Anleihe über zwei neue Tranchen – mit Laufzeiten von fünf und sieben Jahren und reduzierten Kupons von 4,25 und 5,00 Prozent – im Gesamtvolumen von bis zu 50 Mio. EUR. Die Nachfrage war gewaltig: 101,3 Mio. EUR, mehr als das Doppelte des Angebots. Der Klub hatte Wort gehalten und die Finanzverbindlichkeiten seit ihrem Höchststand im April 2010 zu diesem Zeitpunkt um mehr als 100 Mio. EUR gesenkt. Der FC Schalke 04 erwies sich als verlässlicher Kapitalmarktpartner.

Kontinuität der Schalke-Story zahlt sich aus

Wer die Investorenunterlagen der vergangenen anderthalb Jahrzehnte nebeneinanderlegt, erkennt eine bemerkenswert konstante Botschaft. Sie ruht auf vier Pfeilern. Erstens: Erlöse, die zwar mit dem sportlichen Erfolg schwanken, aber durch die starke Marke und die hohe Mitgliederzahl ein solides Fundament liefern. Zweitens: Stille Reserven, von der inzwischen wieder mehrheitlich im Eigentum stehenden Veltins-Arena bis zu den selbst gehaltenen Vermarktungs- und Cateringrechten. Drittens: eine der größten Anhängerschaften des Landes – von rund 110.000 Mitgliedern 2012 auf heute rund 220.000 Mitglieder, womit Schalke zu den drei größten Sportvereinen Deutschlands und sechs größten weltweit zählt – samt der renommierten Nachwuchsabteilung, der „Knappenschmiede“. Und viertens, als Klammer über allem: eine Finanzpolitik, die auf langfristigen Abbau der Schulden ausgerichtet ist.

Der Schuldenabbau in Zahlen

Das Kernversprechen blieb über alle Emissionen hinweg dasselbe: kein frisches Geld, sondern die Ablösung alter Verbindlichkeiten. Und die Zahlen geben dem Klub recht. Die Nettofinanzverbindlichkeiten – die Finanzschulden abzüglich der liquiden Mittel – sind vom Höchststand von 245,9 Mio. EUR im April 2010 auf 116,4 Mio. EUR Ende 2025 gesunken. Das ist mehr als eine Halbierung.

Nettofinanzverbindlichkeiten in Mio. Euro. Quelle: FC Schalke 04 (schalke04.de).

Geradlinig verlief dieser Weg nicht, und Schalke macht daraus auch kein Geheimnis. Das 2016 ausgegebene Ziel, die Verbindlichkeiten bis 2019 unter 100 Millionen Euro zu drücken, wurde knapp verfehlt – Ende 2019 lagen sie bei 118,7 Millionen. Dann kam die Pandemie und ließ den Wert notgedrungen im Jahr 2020 wieder auf 148,2 Millionen Euro steigen. Doch die Strategie blieb bestehen, und die Marke „unter 100 Millionen Euro“ hat der Klub 2025 erneut ausgerufen – als nächsten Meilenstein. Auch die jüngste, größte Anleihe folgt darum der alten Logik: Sie ersetzt bestehende Schulden, statt zusätzliche aufzunehmen.

„Dauerhaft steigt unsere Verschuldung durch die neue Anleihe nicht an. Es geht ausschließlich um die Tilgung bestehender Verbind-lichkeiten.“

— Christina Rühl-Hamers, Vorständin Finanzen, 2025 || Foto: Karsten Rabas/FC Schalke 04

Vertrauen wächst mit

Dass diese Beständigkeit Wirkung zeigt, lässt sich an den Orderbüchern ablesen. Bei der Refinanzierung der ersten Anleihe 2016 war die Doppelemission mehr als zweifach überzeichnet. Selbst eine der schwierigsten Phasen der Vereinsgeschichte fügt sich in dieses Bild. Die Emission 2021 fiel mitten in den Abstieg in die 2. Bundesliga und in die Corona-Krise; statt der maximal angestrebten knapp 16 Mio. EUR kamen zunächst nur 8,9 Mio. EUR zusammen. „Vor dem Hintergrund der aktuellen sportlichen Situation entspricht das Platzierungsvolumen unseren Erwartungen“, sagte Rühl-Hamers damals – und sorgte mit ihrem Team im Nachgang dafür, dass über Nachplatzierungen auch das restliche Volumen vollständig untergebracht wurde. 2022 platzierte Schalke rund 31,6 Mio. EUR, obwohl nur 10 bis 15 Mio. angepeilt waren – „Anleger dokumentieren gewachsenes Vertrauen“, titelte der Klub damals. 2025 war die Rekordanleihe auf allen Stufen mehrfach überzeichnet, erstmals beteiligten sich auch institutionelle Investoren in nennenswertem Umfang.

Ende Juli 2026 notiert das Papier deutlich über seinem Ausgabewert (100 Prozent), bei rund 105 Prozent – ein klares Indiz für das gewachsene Investorenvertrauen.

Finanzvorständin Rühl-Hamers als Konstante

Getragen wird all das von einer bemerkenswerten personellen Konstante. Seit jener ersten Anleihe von 2012 verantwortet Christina Rühl-Hamers die Kapitalmarktfinanzierung des Klubs – von der Projektleiterin der ersten Emission als Direktorin Finanzen bis zu ihrer heutigen Funktion als Finanzvorständin ist sie der Kopf hinter der Entscheidung, die Finanzierungsstruktur über Anleihen weiter zu diversifizieren. Denn, anders als die große Mehrzahl der Bundesligavereine, die ihre Lizenzspielerabteilung in eine Kapitalgesellschaft ausgegliedert haben, kann der FC Schalke 04 als e.V. kein Eigenkapital über Investoren aufnehmen.

Über sechs Anleihen und anderthalb Jahrzehnte hinweg ist Christina Rühl-Hamers das vertraute Gesicht hinter den Zahlen geblieben. Dass ihr Vertrag 2025 langfristig verlängert wurde, ist auch ein Bekenntnis zu dieser Kontinuität – an einer Stelle, an der Verlässlichkeit über alles geht. Denn Investoren schätzen wenig so sehr wie eine berechenbare Linie und bekannte Ansprechpartner. Genau das ist der Kern dessen, was der FC Schalke sich am Kapitalmarkt erarbeitet hat: Vertrauen, das auf Beständigkeit beruht.

Lehren für andere Clubs

Was können andere von Schalkes Weg lernen? Zwei Lehren drängen sich auf. Zunächst mal kann eine Anleihe für jeden größeren Profiklub eine sinnvolle Ergänzung der Finanzierungsstruktur sein – vorausgesetzt, das Thema wird professionell aufgezogen und mit einer ähnlichen Verlässlichkeit untermauert, wie Schalke sie über Jahre geboten hat. Klare Mittelverwendung, testierte Zahlen, ein belastbarer Zeitplan und die ehrliche Einordnung auch unbequemer Entwicklungen gehören zwingend dazu. Wer den Kapitalmarkt dagegen nur als Geldquelle in der Not begreift, wird ihn kaum dauerhaft erschließen.

Die zweite Lehre reicht weit über den Fußball hinaus. Glaubwürdigkeit und Kontinuität – in der strategischen Ausrichtung ebenso wie in den Botschaften, mit denen sie erklärt wird – sind die eigentliche Währung am Kapitalmarkt. Das gilt für den Sportverein wie für jedes Unternehmen, das die Börse als Finanzierungskanal nutzt. Investoren verzeihen Rückschläge, solange die Richtung stimmt und verlässlich kommuniziert wird – auf Schalke genauso wie anderswo.

Fazit

Im Mai 2026 ist der FC Schalke in die Bundesliga zurückgekehrt und hat zugleich die Zweitliga-Meisterschaft geholt. Beim Thema Finanzverbindlichkeiten bleibt die Marke „unter 100 Mio. EUR“ das erklärte Ziel. Die große Anleihe von 2025 hat dem Klub Spielraum verschafft, ihn zugleich aber stärker denn je an den Kapitalmarkt gebunden. Doch wer anderthalb Jahrzehnte lang seiner Linie in der Kommunikation treu bleibt und Stück für Stück liefert, hat sich etwas Essentielles erarbeitet: Glaubwürdigkeit. Oder, wie es der Klub schon 2016 schlicht formulierte: Man hat Wort gehalten. Auch andere Clubs können hieraus für ihre eigene Kapitalmarktgeschichte lernen – ob sie bereits begonnen hat oder noch nicht.

Autor/Autorin

Fabian Kirchmann
Vorstand at Ir.on

Fabian Kirchmann ist Mitbegründer und Vorstand der iron AG, einer inhabergeführten Beratungsagentur mit Sitz in Köln, die sich auf Investor Relations, Finanzkommunikation sowie Nachhaltigkeits- und ESG-Beratung spezialisiert hat. Er berät den FC Schalke 04 seit der Begebung ersten börsennotierten Unternehmensanleihe 2012 in der Finanzkommunikation.