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OHB (ISIN: DE0005936124) feiert sein Debüt im SDAX und rückt damit stärker in den Fokus des Kapitalmarkts. Die Indexaufnahme trifft auf eine Phase kräftigen operativen Wachstums: Im ersten Halbjahr legten Gesamtleistung und bereinigtes EBITDA deutlich zu, während ein hoher Auftragsbestand und eine Projektpipeline von rund 20 Mrd. EUR weiteres Potenzial signalisieren. Gleichzeitig verschafft die jüngste Kapitalerhöhung dem Bremer Raumfahrtkonzern zusätzlichen Spielraum für den Ausbau seiner Wachstumsstrategie.
Die OHB SE ist erstmals im SDAX vertreten. Der Indexanbieter STOXX hatte am 10. August die außerplanmäßige Aufnahme des Bremer Raumfahrt- und Technologiekonzerns mit Wirkung zum 13. August 2026 bekannt gegeben. OHB ersetzt im Index die Klöckner & Co SE. Nach der nächsten regulären Indexüberprüfung im September könnte zudem die Aufnahme in den TecDAX folgen.
Für OHB-Vorstandsvorsitzenden Marco Fuchs markiert der Schritt einen wichtigen Meilenstein. Die Indexaufnahme unterstreiche sowohl die Entwicklung des Unternehmens als auch die wachsende Bedeutung der europäischen Raumfahrt- und Verteidigungsindustrie, erklärte Fuchs.
Wachstum gewinnt an Dynamik
Die Aufnahme in den SDAX fällt in eine Phase deutlichen operativen Wachstums. Im ersten Halbjahr 2026 erhöhte OHB die Gesamtleistung gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 11 % auf 628 Mio. EUR. Noch stärker entwickelte sich die operative Profitabilität: Das bereinigte EBITDA stieg um 31 % auf 60,4 Mio. EUR, während sich die bereinigte EBITDA-Marge von 8,2 % auf 9,6 % verbesserte. Das bereinigte EBIT legte um 46 % auf 38,9 Mio. EUR zu.
Auch der Auftragsbestand liefert dem Unternehmen eine vergleichsweise hohe Visibilität für die kommenden Jahre. Zum Ende des ersten Halbjahres belief sich dieser auf 3,30 Mrd. EUR und lag damit 8 % über dem Vorjahreswert. Der Auftragseingang ging im ersten Halbjahr zwar auf 572 Mio. EUR zurück. OHB verweist allerdings auf einen Basiseffekt durch den 839 Mio. EUR schweren LISA-Auftrag im Vorjahr und erwartet den Großteil des diesjährigen Auftragseingangs in der zweiten Jahreshälfte.
Dabei entwickelt sich das Geschäft nicht nur im klassischen Satellitenbau. Im Segment „Access to Space“ stieg die Gesamtleistung im ersten Halbjahr um 31 % auf 105 Mio. EUR, der Auftragsbestand um 34 % auf 440 Mio. EUR. Im Digitalgeschäft erreichte der Auftragsbestand 298 Mio. EUR und lag damit 76 % über dem Vorjahresniveau. Das mit Abstand größte Segment „Space Systems“ erzielte eine Gesamtleistung von 472 Mio. EUR und ein EBITDA von 48 Mio. EUR.
Raumfahrt profitiert von höheren staatlichen Investitionen
Rückenwind erhält OHB durch steigende Investitionen in die europäische Raumfahrt- und Verteidigungsindustrie. Geopolitische Veränderungen, höhere Verteidigungsausgaben und der Fokus auf technologische Souveränität erhöhen insbesondere die Bedeutung satellitengestützter Kommunikation und Aufklärung.
OHB positioniert sich in diesem Umfeld mit neuen Kooperationen. Gemeinsam mit Rheinmetall arbeitet der Konzern an einer satellitengestützten Kommunikationsarchitektur für die Bundeswehr. Darüber hinaus entwickeln OHB und Helsing gemeinsam mit HENSOLDT und Kongsberg Defence & Aerospace eine weltraumgestützte Lösung für taktische Aufklärung und KI-basierte Zielerfassung.
Kapitalerhöhung schafft Spielraum
Um das erwartete Wachstum zu finanzieren, hat OHB im Juni eine Kapitalerhöhung mit einem Bruttoemissionserlös von 484 Mio. EUR abgeschlossen. Insgesamt wurden rund 1,61 Mio. neue Aktien ausgegeben. Nach Abschluss der Platzierung hielt die Familie Fuchs 60,3 % der Anteile, während der Streubesitz bei 19,7 % lag.
Die zusätzlichen Mittel sollen laut Unternehmen insbesondere in die Industrialisierung und den Ausbau von Produktionskapazitäten fließen. Darüber hinaus sieht OHB Investitionen in Zukunftsprogramme, mögliche Übernahmen sowie den Bereich Trägerraketen vor.
Durch die Kapitalerhöhung hat sich auch die Finanzposition des Konzerns deutlich verändert. Zum Ende des ersten Halbjahres verfügte OHB über liquide Mittel von 527 Mio. EUR und wies eine Netto-Cash-Position aus. Die Mittel aus der Kapitalerhöhung sollen unter anderem für den Ausbau der Fertigungskapazitäten, mögliche M&A-Transaktionen sowie Investitionen in Zukunftsprogramme und den Bereich Trägerraketen eingesetzt werden.
Projektpipeline von rund 20 Mrd. Euro
Die langfristigen Wachstumsambitionen sind entsprechend hoch. OHB beziffert seine Projektpipeline über die Segmente Space Systems, Access to Space und Digital hinweg auf rund 20 Mrd. EUR. Dabei dürfte insbesondere das Verteidigungsgeschäft künftig stärker zum Geschäftsmix beitragen.
Für das laufende Geschäftsjahr bestätigt das Management seine Prognose. Die konsolidierte Gesamtleistung soll rund 1,4 Mrd. EUR erreichen, die bereinigte EBITDA-Marge zwischen 10,5 und 11,0 % liegen. Mittelfristig strebt OHB eine Gesamtleistung von mehr als 4 Mrd. EUR sowie eine bereinigte EBITDA-Marge von rund 13 % an.
Aktie rückt stärker in den Fokus
Mit dem Aufstieg in den SDAX dürfte OHB auch am Kapitalmarkt stärker in den Fokus rücken. Die Indexaufnahme erhöht die Sichtbarkeit insbesondere bei institutionellen und internationalen Anlegern. Zudem müssen Fonds und ETFs, die den SDAX abbilden, die Aktie entsprechend ihrer Indexgewichtung berücksichtigen.

Im frühen Handel reagierte die OHB-Aktie positiv auf die Indexaufnahme. Das Papier legte zeitweise um mehr als 3 % zu und notiert aktuell bei rund 265 EUR. Die Marktkapitalisierung liegt bei rund 5,14 Mrd. EUR. Das Analysehaus NuWays sieht das Kursziel für die Aktie derzeit bei 340 EUR.
Fazit
Die erstmalige Aufnahme in den SDAX ist für OHB vor allem ein kapitalmarktseitiges Signal. Entscheidend für die weitere Entwicklung bleibt jedoch das operative Wachstum. Hier konnte der Konzern im ersten Halbjahr mit einer zweistelligen Steigerung der Gesamtleistung und einer überproportionalen Verbesserung des bereinigten EBITDA überzeugen. Gleichzeitig sorgen der hohe Auftragsbestand und die milliardenschwere Projektpipeline für langfristige Visibilität.
Mit der Kapitalerhöhung verfügt OHB zudem über deutlich mehr finanziellen Spielraum, um Produktionskapazitäten auszubauen und neue Wachstumsfelder zu erschließen. Rückenwind kommt von den steigenden europäischen Investitionen in Raumfahrt, Sicherheit und Verteidigung. Ob sich daraus die ambitionierten mittelfristigen Ziele ableiten lassen, dürfte vor allem davon abhängen, wie erfolgreich OHB die umfangreiche Projektpipeline in konkrete Aufträge und steigende Margen umsetzen kann.
Autor/Autorin
Die Redaktion der Kapitalmarkt Plattform GoingPublic (Magazin, www.goingpublic.de, LinkedIn Kanal, Events) widmet sich seit Dezember 1997 den aktuellen Trends rund um die Finanzierung über die Börse. Ob Börsengang (GoingPublic) oder die vielfältigen Herausforderungen für börsennotierte Unternehmen (Being Public), präsentiert sich GoingPublic cross-medial als Kapitalmarktplattform für Emittenten und Investment Professionals.






