Innovative Ansätze im Kampf gegen resistente pathogene Keime sind die große Herausforderung der nächsten Jahre. Ein Unternehmen, das sich dieser Herausforderung stellen will, ist die französisch-österreichische Valneva. Seit der Fusion der österreichischen Intercell AG und der französischen Vivalis SA ist die neu entstandene Valneva an der Wiener Börse und am regulierten Markt der NYSE Euronext Paris gelistet.

Impfstoffe sind neben Antikörpern ein Forschungsschwerpunkt der Valneva. Um dem hohen Anspruch einer Führungsrolle in den Bereichen Impfstoff- und Antikörperentwicklung gerecht zu werden, will das Valneva Team neben Inhouse-Projekten auch die Forschungsprogramme mit finanzstarken Partnern aus der Pharmaindustrie weiter ausbauen. 174 Mio. USD hat sich die französische Vivalis die Fusion mit Intercell kosten lassen und kurz vor der Fusion konnte Intercell noch die freudige Nachricht von der Vermarktungsgenehmigung seines Impfstoffes IXIARO in 27 EU-Mitgliedsstaaten, Norwegen, Liechtenstein und in Island vermelden. Ob sich die Fusion gelohnt hat, das müssen die kommenden Monate zeigen. Doch unternimmt das Valneva Management alles nötige, um die Fusion zu einer Erfolgsgeschichte zu machen.

Frühjahrsputz bei Valneva

Der Fusion folgte der Frühjahrsputz, bei dem sich Valneva der GMP-Produktionsanlage der ehemaligen Vivalis in Nantes, Frankreich, entledigte. So spart das Unternehmen jährlich rund 3 Mio. EUR ein. Weitere 5 bis 6 Mio. EUR Einsparungen sollen durch Synergieeffekte hinzukommen. Während die Mitgift der Österreicher eine langjährige Impfstoffexpertise ist, bringen die Franzosen mit EB66 eine interessante Stammzellenlinie in die Ehe ein. Mit EB66 sollen neben Antikörpern nun auch die verschiedensten Impfstoffe hergestellt werden. Die ehemalige Intercell Impfstoff-Produktionsstätte in Schottland wurde so ebenfalls obsolet und geschlossen. Finanzielle Unabhängigkeit und weiteres Wachstums sind nun vorrangige Ziele, so Valneva. Erreichen will man dies einerseits durch Maximierung des Potenzials des Impfstoffs IXIARO und andererseits durch Neuentwicklungen im eigenen Haus oder mit Partnern aus der Industrie.

Drei Technologien mit Potenzial

Drei Plattformtechnologien sollen der Grundstein für den künftigen Erfolg von Valneva sein. Die GMP-konforme Stammzellenlinie EB66, die Antikörper-Forschungsplattform VIVA|Screen und das Adjuvans IC31. In der EB66 Zelllinie lassen sich bis heute mehr als 20 Virusfamilien effizient vermehren. Die kostengünstige Alternative zur Produktion von Impfstoffen in Hühnereiern oder primären Hühnerfibroblasten ist frei von den Nachteilen Letzterer und lässt sich in Stahltanks oder Einmal-Bioreaktoren mit einem Volumen von bis zu 1.000 Litern mit hoher Ausbeute nutzen. Über 60 Impfstoffe werden von diversen Partnern bereits mit der Valneva-Technologie produziert. So auch der H5N1-Impfstoffkandidat, der sich gerade in der Zulassungsphase in Japan befindet und Bestandteil des Impfstoffprogramms zwischen dem Chemo-Sero-Therapeutic Research Institut und GlaxoSmithKline ist.

Die VIVAScreen Technologie, eine auf Microarrays basierte Einzelzellmessplattform, ist ein Hochdurchsatzverfahren zur Analyse von Antikörper in menschlichen B-Zellen. Die aus Spenderblut isolierten antikörperproduzierenden B-Zellen werden in Kultur vermehrt. Auf einem Microchip, der 62.000 Vertiefungen von der Größe und Gestalt eines B-Lymphozyten trägt, werden die den gewünschten Antikörper tragenden B-Zellen durch einen ELISA-Test selektiert. Die anschließende RNA-Isolierung ermöglicht durch den Einsatz gentechnischer Verfahren die Synthese der gesuchten Antikörper. Im Rahmen einer 2010 initiierten Kooperation mit Sanofi Pasteur hat Valenva gerade humane monoklonale Antikörper gegen sechs ausgewählte Infektionskrankheiten aufgespürt und zur Evaluierung an den Partner überstellt. Das aus dem Hause Intercell stammende synthetische Adjuvans IC31 ist die dritte Technologie von Valneva, die langfristig für Umsatz sorgen soll. Das Adjuvans, das eine unspezifische Steigerung der Immunantwort im Rahmen einer Impfung bewirkt, ist bereits an eine Reihe großer Impfstoffhersteller lizenziert.

Quartalsverlust vervierfacht

Trotz gestiegener Umsätze hat sich der Quartalsverlust von Valneva in Q3/13 erst einmal vervierfacht und sich auch negativ auf den Aktienkurs ausgewirkt. Der Verlust im 3. Quartal betrug 9,97 Mio. EUR, die Umsatzerlöse und Erträge aus Förderungen legten im gleichen Zeitraum zwar von 1,75 Mio. EUR auf 14,68 Mio. EUR zu, sind aber primär auf eine große Bestellung des Impfstoffes IXIARO durch das US-Militär zurückzuführen. Auch der hohe Verlust in Q3/13 ist laut Valneva auf einen Einmaleffekt – den Intercell-Fehlbetrag von 6,7 Mio. EUR – zurückzuführen. Ohne diesen wäre der Konzernnettoverlust lediglich um ein Drittel gewachsen. Das laufende Geschäftsjahr dürfte im Hinblick auf die aktuellen Zahlen noch einmal eine Geduldsprobe für Investoren werden. Valneva geht für 2013 von einem Nettoverlust am oberen Ende der Prognose von 20 Mio. bis 25 Mio. EUR aus.

Positiver Ausblick

Die Zukunft sieht Valneva aber optimistisch, Synergieeffekte und laufende Projekte würden sich gemäß den Erwartungen entwickeln. Erst kürzlich gab es positive Zwischenergebnisse einer Phase-II/III-Studie des Pseudomonas Impfstoffes IC43, einem Kooperationsprojekt mit Novartis Vaccines & Diagnostics. Positives konnte Valneva auch von einer Phase-I-Studie mit dem potenziellen Impfstoff IC84 gegen das Bakterium Clostridium Difficile berichten. Für Anfang 2014 ist für IC43 eine Studie mit 800 künstlich beatmeten Intensivpatienten in 40 Studienzentren geplant. Weitere Daten von IC84 stehen schon im 4. Quartal an. Im Berichtszeitraum wurden zwei neue Lizenzverträge für die Nutzung von EB66 unter Dach und Fach gebracht. Die Gesamtanzahl in 2013 erhöht sich damit auf sieben Lizenzvereinbarungen. Dass Investoren an den Erfolg von Valneva glauben, zeigt die jüngste Kapitalerhöhung in Höhe von 40,2 Mio. EUR, die mit 146% überzeichnet war. Die nächste kursbewegende Nachricht für die Aktie von Valneva dürfte die Zulassungsentscheidung für den von GlaxoSmithKline entwickelten Impfstoff gegen H5N1 in Japan sein, die schon im ersten Quartal 2014 ansteht.

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