Dr. Thomas Berger, Vorstandsvorsitzender, KTG Energie AG

Als erstes deutsches Unternehmen in diesem Jahr wagte die KTG Energie AG, ein Tochterunternehmen der KTG Agrar AG, am 29. Juni den Sprung aufs Börsenparkett – an den Entry Standard der Frankfurter Wertpapierbörse. Das auf die Produktion von erneuerbarer Energie aus nachwachsenden Rohstoffen spezialisierte Unternehmen erzielte einen Bruttoemissionserlös in Höhe von 20,7 Mio. EUR. Im Interview spricht KTG-Energie-Vorstandsvorsitzender Dr. Thomas Berger über den Kapitalmarkt als Finanzierungsinstrument und die Zukunftsaussichten im Bereich erneuerbare Energien.

Unternehmeredition: Herr Berger, Sie haben im letzten Jahr als erstes deutsches Unternehmen dieses Jahr den Sprung aufs Börsenparkett gewagt. Wieso haben Sie sich nicht wie andere Börsenaspiranten vom volatilen Marktumfeld abschrecken lassen?
Berger:
Der Schritt erfolgte wohlüberlegt. Ein IPO-Termin ist freilich vom Marktumfeld abhängig. Er wird aber auch maßgeblich vom individuellen Geschäftsmodell bestimmt. Wir haben ein weitgehend konjukturunabhängiges Geschäftsmodell, somit hat der Zeitpunkt für unsere Gesellschaft gut gepasst. Außerdem hatten wir schon im Vorfeld viele Gespräche mit Ankerinvestoren geführt. Gerade jetzt sind Anleger doch auf der Suche nach konjunkturunabhängigen Geschäftsmodellen mit hohen Cashflows und guten Renditen – das bieten wir.

Unternehmeredition: Was waren die Gründe für das IPO und wofür verwenden Sie das frische Kapital?
Berger:
Der Erlös dient der Wachstumsfinanzierung. Wir wollen unsere Produktionskapazität in den kommenden Jahren verdoppeln und zum Branchenprimus werden.

Unternehmeredition: Was spricht aus Ihrer Sicht für das Finanzierungsinstrument Börse und welche Rolle wird der Kapitalmarkt künftig in Ihrem Finanzierungsmix spielen?
Berger:
Der Kapitalmarkt ist ein ganz wichtiger Bestandteil in unserer diversifizierten Finanzierungsstrategie. Mit dem Börsengang haben wir unsere Eigenkapitalbasis gestärkt und die Grundlage für unser weiteres organisches Wachstum gelegt. Das war für uns ein wichtiger erster Schritt. Darüber hinaus haben wir eine Anleihe an der Börse Frankfurt emittiert. Die Anleihe dient der Akquisition von Biogasanlagen. Damit haben wir uns einen weiteren Markt erschlossen und können Opportunitäten im Markt gut und flexibel nutzen. Mit dieser Diversifikation haben wir eine sehr solide und schlagkräftige Ausgangsposition geschaffen.

Die KTG Energie AG betreibt Biogasanlagen zur Stromerzeugung mit einer jährlichen Leistung von 30 MW.

Unternehmeredition: Wie ist ihre operative Entwicklung undwelche Erwartungen haben sie für das Jahr 2012? 
Berger: Uns ist im ersten Halbjahr erneut die Balance zwischen der Steigerung von Umsatz und Gewinn sowie dem Ausbau unserer Kapazitäten als Grundlage für garantierte Erlöse in der Zukunft gelungen. Den Umsatz haben wir um 50,6% auf 13,4 Mio. Euro gesteigert. Das operative Ergebnis (EBIT) haben wir um 45,1% auf 2,6 Mio. Euro verbessert. Mit den bereits ans Netz angeschlossenen Anlagen werden wir den Umsatz und den Ertrag im zweiten Halbjahr im Vergleich zu der ersten Jahreshälfte überproportional steigern.

Unternehmeredition: Der Bereich erneuerbare Energien ist nach einer Hype-Phase stark unter Druck geraten, insbesondere zahlreiche Solarfirmen mussten Insolvenz anmelden. Wie schätzen Sie vor diesem Hintergrund die Zukunftsaussichten generell im Bereich Biogas und speziell für Ihr Unternehmen ein?
Berger:
Insgesamt muss man im Bereich der erneuerbaren Unternehmen die Geschäftsmodelle der Unternehmen klar unterscheiden. Probleme haben in der Regel die Equipmenthersteller und Anlagenbauer. Die ganz wenigen reinen Produzenten und Anlagenbetreiber erneuerbarer Energie, zu denen die KTG Energie gehört, sind sehr erfolgreich, auch weil sie unmittelbar vom EEG profitieren. Die KTG Energie befindet sich in einem attraktiven Marktumfeld, denn mit seiner Grund- und Spitzenlastfähigkeit ist Biogas ein echtes Multitalent und daher ein zentraler Baustein der Energiewende, da dies die anderen Energiequellen nicht bieten. Neben den großen Marktchancen und Energievorteilen zeichnet sich das Geschäftsmodell der KTG Energie durch eine sehr gute Planbarkeit aus. Auf der einen Seite garantiert das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) eine feste Einspeisevergütung für den produzierten Strom für 20 Jahre. Auf der anderen Seite profitiert die KTG Energie als Tochterunternehmen eines der führenden Landwirtschaftsunternehmen in Europa, der KTG Agrar AG, von einem einzigartigen integrierten Konzept. Durch diese Kooperation ist die Inputversorgung insbesondere durch den Einsatz von Zweitfrüchten langfristig gesichert.

Unternehmeredition: Was ist ihr wichtigster Rat an Unternehmer, die über einen Gang an die Börse nachdenken?
Berger:
Der Börsengang und das Being Public ist eine tolle Chance und gute Motivation fürs Kollegium. Das Ganze ist aber auch mit Kosten und zeitlichem Aufwand verbunden. Jeder Unternehmer muss sehr genau prüfen, ob die Gesellschaft dazu bereit ist und sich das Geschäftsmodell dazu eignet. Das Wichtigste aber: Wer sich für ein IPO entscheidet, muss es dann auch konsequent durchziehen. Einen Mittelweg gibt es nicht.

Unternehmeredition: Herr Dr. Berger, vielen Dank für das Gespräch!