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Bildnachweis: ©PixieMe – stock.adobe.com, Dr. Holger Schmidt, DEIX/Dr. Holger Schmidt.

Dr. Holger Schmidt widmet sich seit 2016 der Performance von Plattforumunternehmen wie Google, Amazon oder Facebook. Nach fünf Jahren kann der ehemalige Wirtschaftsjournalist sagen: Damit lässt sich Geld verdienen. Und legt kurzerhand einen neuen Fonds auf, den „The Original Platform Fund“.

GoingPublic: Sie sind eigentlich ein Kollege – ehemals FAZ-Journalist. Wann und wie haben Sie Ihre Passion für Plattformunternehmen entdeckt?

Dr. Holger Schmidt: Richtig, ich habe zwischen 1997 und 2011 für die FAZ über die digitale Ökonomie geschrieben. In dieser Zeit habe ich die Zuckerbergs oder Bezos dieser Welt häufig getroffen und gemerkt, dass sie einen großen Plan verfolgen – und dabei allesamt auf Plattform-Modelle setzen, und zwar schon lange, bevor dieses Geschäftsmodell in Europa wahrgenommen wurde. Ein Fixpunkt war ein Gespräch mit Jeff Bezos, der mir schon 2007 ziemlich präzise erzählt hat, wie ein Plattformmodell sein Unternehmen an die Weltspitze führen wird.

Was genau hat man sich unter einer modernen Plattform vorzustellen?

Plattformen agieren als Interaktionsmanager zwischen Angebot und Nachfrage, also zum Beispiel AirBnb zwischen Wohnungsanbieter und -nachfrager. Moderne Plattformen tun aber mehr: Auf mehrseitigen Märkten etablieren sie Netzwerkeffekte zwischen den Akteuren, bauen Ökosysteme um ihr Kerngeschäft herum, setzen inverse Strategien ein, um Innovationen von außen auf die Plattform zu holen und nutzen Daten, um neue Monetarisierungsmöglichkeiten zu schaffen. Zugegeben: Plattformen sind deutlich komplexer als klassische Geschäftsmodelle. Aber auch deutlich erfolgreicher.

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Sie verfolgen mit Ihrem wissenschaftlichen Projekt „Plattform-Index“ seit mehreren Jahren die Performance von 15 ausgewählten Unternehmen. Wer schafft es in den Index – und vor allem: wie ist die Performance?

Als ich den Index vor genau fünf Jahren gestartet habe, gab es nur wenige moderne Plattformen. Aber die großen Player wie Amazon, Google, Facebook oder Microsoft waren von Anfang an dabei. Wichtig ist heute, dass die Unternehmen über eine moderne Plattform verfügen und sich in ihren Märkten gut positioniert haben. Der Index hat seit dem Start im Juli 2016 rund 310% zugelegt.

Ist die Marktmacht ausgewählter Plattformen nicht eher bedenklich als erfreulich?

Plattformen sind so groß geworden, weil sie ein überlegenes Geschäftsmodell einsetzen, das mit wachsender Größe immer mehr Vorteile hat. Manche Plattformen haben ihre Größe aber für unfaire Wettbewerbsvorteile genutzt. Die Regulierer wollen nun für Fairness sorgen, ohne dabei die Wettbewerbsvorteile zu zerstören. Das halte ich für den richtigen Weg.

Jetzt haben Sie aus dem wissenschaftlichen Projekt einen Fonds gemacht. Das ist ziemliches Neuland, oder?

Ich beschäftige mich schon lange mit Digitalaktien, aber ein Fonds ist in der Tat noch einmal eine andere Nummer gewesen. Aber ich lerne immer gerne dazu. Und ich habe gute Partner an meiner Seite, die das Fondsthema beherrschen.

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An wen richtet sich der „The Original Platform Fund“?

Er ist ein Publikumsfonds, ist also für Privatanleger mit kleinem Geldbeutel genauso erwerbbar wir für institutionelle Anleger, die wie wir überzeugt sind, dass Plattformen das überlegene Geschäftsmodell der digitalen Ökonomie sind und das Beste noch vor sich haben.

Wo und wie können interessierte Anleger investieren?

Eigentlich sollte der Fonds jetzt bei jeder größeren Bank zu kaufen sein. Es gibt aber auch die Möglichkeit, über spezialisierte Anbieter den Fonds ohne Ausgabeaufschlag zu erwerben. Die Wege zeigen wir auf unserer Website www.theoriginalplatformfund.de.

Und was, wenn sich Regierungen entscheiden, die mächtigsten Plattformen zu zerschlagen?

Plattformen sind Wachstumsmotoren. Sie zu zerschlagen, nur weil ihr Modell erfolgreich ist, ergibt aus volkswirtschaftlicher Perspektive keinen Sinn. Zumal die Konsumenten die Plattformen gut finden: Fast alle profitieren davon, einfach mit allen Freunden zu kommunizieren, Informationen, den richtigen Weg oder ein Produkt in Sekunden zu finden. Diese Vorteile einzuschränken wäre Irrsinn – das wissen auch die Regulierer. Die nötige Fairness lässt sich auch ohne Zerschlagung erreichen. Und genau auf diesem Weg sehe ich die Regulierer im Moment.

Herr Dr. Schmidt, vielen Dank für das gute Gespräch.

Über den Interviewpartner:
Dr. Holger Schmidt ist seit mehr als 20 Jahren ein Kenner der digitalen Ökonomie. Lange Zeit hat er als FAZ-Redakteur über Plattformunternehmen geschrieben. Heute lehrt er Digitale Transformation mit den Schwerpunkten Plattformen und Künstliche Intelligenz an der TU Darmstadt und ist Geschäftsführer der DEIX Digital Economy Investments GmbH. Er ist Buchautor, Kolumnist und FAZ-Podcaster.