…das Unfaßbare – nur, um mal einen Intro-Slogan einer bekannten US-Serie zu zitieren. Oder ist das alles schon eine Persiflage, eine Parodie, eine Karikatur, die uns hier präsentiert wird? Die Arbeitsmarktdaten für den Monat Dezember, und zuvor schon für November, sprechen doch eigentlich Bände. Allein um das immerhin noch vorhandene Bevölkerungswachstum der USA zu kompensieren, sollten jeden Monat ca. 150.000 neue Stellen geschaffen werden. Für einen selbsttragenden Wirtschaftsaufschwung, den die Märkte wohlweißlich antizipieren, sollte es also schon eine Zahl deutlich über diesem Selbstbehalt sein. Doch nichts dergleichen. Auch zwei Jahre nach offiziellem Ende des US-Rezensiönchen geht das vermeintliche Wachstums der US-Wirtschaft ohne Anteilnahme der eigenen Bevölkerung vonstatten.

Statt der prognostizierten fast 140.000 neuen Stellen im Dezember – eigentlich auch noch zu wenig: siehe Absatz zuvor – waren es ganze 1.000, vorläufig. Hier fehlen doch wohl mindestens zwei „Stellen“, Händler auf dem Börsenparkett glaubten Berichten zufolge mit heruntergeklappten Kinnladen gar zunächst an einen Übertragungsfehler auf dem News-Ticker. Im Übrigen wurden die Zahlen der letzten vier Monate um netto 66.000 nach unten korrigiert, nicht zum ersten Mal. Besorgnis erregend ist nach wie vor der Schwund von Arbeitsplätzen in der verarbeitenden Industrie, im Handwerk, im Mittelstand. Klar, es werden auch Stellen geschaffen: Im absoluten Low-Cost-Bereich (Bush 43 will künftig ja auch illegale Einwanderer zu Gastarbeitstätigkeiten heranziehen) und im High-End-Sektor, weil dessen Markt vor der ausländischen Konkurrenz abgeschirmt wird. Damit verlagert sich der Schwerpunkt nach wie vor in Richtung Dienstleistungen und Service; kein Wunder, hat sich doch gezeigt, daß das US-Handwerk gegenüber asiatischer Konkurrenz einfach nicht mehr konkurrenzfähig ist.

Wie die Arbeitslosenquote dennoch auf 5,7 % fallen kann, bleibt nur auf den ersten Blick rätselhaft. Immerhin befinden sich gut 1 % der US-Bevölkerung hinter Gittern oder nur auf Bewährung auf freiem Fuß, und Personen, die keine Arbeitslosenhilfe mehr beziehen oder die Jobsuche bereits ganz aufgegeben haben, fallen gütigerweise aus der Statistik heraus. Nach europäischer Rechnungslegung hätten auch die USA eine Arbeitslosenquote von 10 % oder gar mehr. Daß die Börsen die grotesk schwachen Arbeitsmarktdaten vom Dezember nur als weiteren Ausrutscher abheften, spricht in deutlichster Weise für eine Wahrnehmung durch die aufgesetzte Optimismus-Brille, die seit einigen Monaten zu tragen Pflicht scheint. Die Tönung könnte allerdings ein wenig zu stark sein, auch ist bekannt, daß man sich mit einer minderwertigen Optik-Hilfe ganz leicht die Augen – und nicht nur diese – schädigen kann.

Die GoingPublic Kolumne erscheint zweimal wöchentlich in Zusammenarbeit mit dpa-AFX.

Über den Autor

Die GoingPublic Redaktion informiert über alle Börsengänge, Being Public, Investor Relations, Tax & Legal, Themen und Trends rund um die Hauptversammlung sowie Technologie – Finanzierung – Investment in den Lebenswissenschaften.