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In stürmischen Börsenphasen lautet die Devise: Safety first. Zahlreiche Anleger steuern in solchen Zeiten also vermehrt sichere Häfen an – Anlageklassen, die sich in turbulenten Zeiten bewährt haben.

Investments, die Anleger mit einem größeren Risiko in Verbindung bringen, haben in solchen Phasen hingegen einen eher schweren Stand. Dazu zählen unter anderem die Aktienmärke der aufstrebenden Schwellenländer. Es ist daher auch keine allzu große Überraschung, dass sich der MSCI Emerging Markets, der rund 1.200 Aktien aus 26 Schwellenländer umfasst, seit Jahresbeginn weniger robust präsentierte als beispielsweise der globale Aktienindex MSCI World. Der schwelende Handelskonflikt zwischen den USA und China, das nicht enden wollende Brexit-Chaos und die geopolitischen Unruhen im Nahen Osten sind nur einige Gründe, weshalb Anleger ihren Blick zuletzt eher auf die etablierten Märkte gerichtet haben.

Schwellenländer geben beim Wachstum die Richtung vor

Seit Mitte August geht es mit dem MSCI Emerging Markets aber wieder bergauf. Ein Trend, der – kurzfristige Korrekturphasen inklusive – auf lange Sicht anhalten könnte. Und zwar aus unterschiedlichen Gründen: Für die Schwellenländer spricht das schon seit Jahren vergleichsweise kräftige Wirtschaftswachstum. Während die Industriestaaten von 2010 bis 2018 auf ein durchschnittliches Wachstum im Jahr von knapp 2% kamen, legte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der Emerging Markets im Schnitt um rund 5,3% zu.

Wie kräftig die Schwellenländer in den vergangenen Jahrzehnten gewachsen sind, lässt sich auch gut an ihrem Anteil zum globalen Bruttoinlandsprodukt ablesen. So steuern die Emerging Markets laut dem Internationalen Währungsfonds (IWF) mittlerweile rund 60% zum weltweiten BIP bei. Zum Vergleich: 1990 betrug dieser Anteil gerade einmal rund 30 Prozent. Dass um die Jahrtausendwende noch 95% der weltweit größten Unternehmen in Industrieländern angesiedelt waren und bereits im Jahr 2025 mehr Großkonzerne ihren Hauptsitz in China haben sollen als in den USA oder Europa macht ebenfalls unmissverständlich klar: die globalen Kräfteverhältnisse verschieben sich zunehmend zugunsten der prosperierenden Schwellenländer.

Schwellenland ist nicht gleich Schwellenland

Gestützt wird das Wachstum vor allem durch die junge und stark wachsende Bevölkerung, die zunehmend bessere Ausbildung, die hohen Rohstoffvorkommen und die steigende Produktivität der Unternehmen. Auf der anderen Seite werden länderspezifische Probleme, eine Verlangsamung der weltweiten Konjunktur oder geopolitische Risiken auch künftig nicht ohne Folgen an den Schwellenländern vorüberziehen – und die Kurse an den Aktienmärkten vergleichsweise stärker schwanken lassen. Angesichts des langfristigen Potenzials wäre es aber dennoch schon fast fahrlässig, wenn Anleger die sich bietenden Chancen der Emerging Markets ignorieren würden.

Dies bedeutet aber nicht, dass Investoren nun die erstbeste Schwellenländeraktie in ihr Depot legen sollten. Denn: Schwellenland ist nicht gleich Schwellenland. Rechtsstaatlichkeit, Qualifikation der Arbeitskräfte, Infrastruktur, Inflation und Rohstoffausstattung weisen innerhalb des Emerging-Markets-Universums große Unterschiede auf.

Breit streuen und Risiken reduzieren

Um einzelne Aktien sollten Privatanleger aber ohnehin einen Bogen machen. Denn die Zahl möglicher Fallstricke ist groß: Mal ist es schwer an Informationen zu gelangen, mal ist die Handelbarkeit stark eingeschränkt, mal der Rechtsanspruch unklar. Sinnvoller erscheint daher, auf die Expertise von professionellen Fondsmanagern zu vertrauen. Sie haben Zugang zu Informationen, die Privatanleger in der Regel nicht haben, führen vor Ort Gespräche mit dem Management und identifizieren so die attraktivsten Unternehmen. Darüber hinaus verteilt ein aktiv gemanagter Fonds das Risiko auf viele verschiedene Schultern. Sollte also eine Aktie an Wert verlieren, kann dieser Verlust durch die anderen Titel aufgefangen werden. Allzu stark gewichten sollten Anleger die nach wie vor schwankungsanfälligen Wachstumsregionen aber dennoch nicht. Nur wer bezogen auf sein gesamtes Portfolio mögliche Rückschläge auf Wachstumsmärkten aushalten kann, hat auch den nötigen langen Atem, um das Potenzial dieser Anlageklasse ausschöpfen zu können.

 

Über den Autor

Nermin Aliti

Nermin Aliti

Nermin Aliti ist Leiter Fonds Advisory bei der Laureus AG Privat Finanz.