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Die Geschäftszahlen lagen im Rahmen der Erwartungen, aber der verhaltene Ausblick verunsichert die Anleger. Mit der Medios-Aktie (ISIN: DE000A1MMCC8) ging es am gestrigen Donnerstag 26. März mit Bekanntgabe der 2025er-Zahlen um mehr als 10% nach unten. Der im SDAX gelistete Nebenwert kommt aktuell auf eine Marktkapitalisierung von 300 Mio. EUR und hat die in den letzten drei Monaten erzielten Kursgewinne wieder abgegeben. Strategisch hat sich der deutschlandweit führende Hersteller von Spezialpharmazeutika neu aufgestellt. Um sich stärker als Nischenchampion zu etablieren, spezialisiert sich Medios auf die Herstellung von zugelassenen Arzneimitteln für spezifische Patientengruppen. Von Stefan Riedel


Gute Zahlen 2025

Die Zahlen für das Geschäftsjahr 2025 sind ordentlich ausgefallen. Der Konzernumsatz kletterte um 10,4% auf 2,1 Mrd. EUR. Das stärkste Wachstum lieferte das Geschäftssegment International Business ab, das erstmals über ein volles Geschäftsjahr bilanziert wurde. Hier erzielte Medios einen externen Umsatz von 169,2 Mio. EUR. Das Kerngeschäft, der Geschäftsbereich Arzneimittelversorgung, schaffte ein Umsatzplus von 6,9% auf fast 1,7 Mrd. EUR. Das Segment patientenindividuelle Medizin steigerte den Umsatz um 3% auf 220,1 Mio. EUR.

Noch besser sieht es auf der Gewinnseite aus. Das EBITDA pre legte um 17,8% auf 93,1 Mio. EUR. Dieser Wert beim operativen Gewinn ist bei Medios die wichtigste Kennziffer für die Profitabilität. Das EBITDA pre ist bereinigt um Sonderaufwendungen für Aktienoptionen, Aufwendungen für Akquisitionen, Kosten für die Einführung von ERP-Betriebssoftware sowie ab 2026 um einmalige Aufwendungen im Kontext zu Maßnahmen für Effizienzsteigerungen.

Der Konzerngewinn kletterte um 22,4% auf 15,4 Mio. EUR, der Gewinn je Aktie von 0,51 auf 0,61 EUR.

Weniger Wachstum, mehr Marge

Thomas Meier, neuer Vorstandsvorsitzender der Medios AG || Foto: Medios AG

Der von Medios gegebene Ausblick für 2026 fällt dagegen zurückhaltend aus. Der Umsatz soll zwischen 2,0 und 2,12 Mrd. EUR herauskommen. Im positiven Szenario ist das ein Wert auf Vorjahresniveau. Das EBITDA pre soll auf 94 bis 102 Mio. EUR steigen. „Wir legen den Fokus ganz klar auf mehr Profitabilität statt auf kurzfristige Volumenausweitung“, erläutert der neue Vorstandsvorsitzende Thomas Meier, der Anfang Februar die Unternehmensleitung vom langjährigen CEO Matthias Gärtner übernommen hat und zuvor seit 2020 Vorstandschef des Schweizer Auftragsherstellers Bachem (CH1176493729) war. Ein weiterer Wechsel auf Vorstandsebene wird sich Ende April vollziehen, wenn Stefan Bauerreis den bisherigen Finanzvorstand Falk Neukirch ablösen wird.

Das erwartete Margenwachstum soll laut dem neuen Firmenchef Meier aus den Bereichen kommen: „Im Segment Arzneimittelversorgung planen wir, den Anteil margenstärkerer Produkte weiter zu erhöhen und damit den Rohertrag zu steigern. Zudem gehen wir davon aus, dass auch unser Segment International Business weiterhin einen positiven Ergebnisbeitrag liefern wird.“

Stark in der Compounding-Nische

Die große Stärke von Medios ist das Compounding-Netzwerk von aktuell zehn Laboren in Deutschland, den Niederlanden, Belgien und Spanien mit höchsten regulatorischen GMP-Qualitätsstandards in der Produktion. Das Unternehmen produziert dort abhängig von den länderspezifischen Regularien sterile Produkte wie Spritzen und Infusionen oder nicht-sterile Produkte wie Cremes. Die Übernahme der Firma Ceban im Jahr 2024 war der Türöffner zu den Märkten in den Niederlanden, Belgien und Spanien.

Medios fokussiert sich bei den patientenindividuellen Therapien auf Charge-1-Geschäfte. In der Praxis bedeutet das: für jeden Patienten wird individuell eine Infusion oder eine Spritze hergestellt. Der Fokus liegt aktuell auf der Krebsmedizin, aber jenseits der Onkologie hat Medios als Indikationen Augenerkrankungen, Neurologie, Hämophilie sowie Autoimmun- und Infektionserkrankungen im Blick.

Niedrige Bewertung

Ungeachtet der eigenen vorsichtigen Prognose erwarten die Analysten für 2026 und 2027 bei Medios einen deutlichen Gewinnschub. Der Konzerngewinn soll sich in den nächsten zwei Jahren von 15,4 Mio. EUR auf 38,7 Mio. EUR mehr als verdoppeln. Auch wenn Medios die Gewinnerwartungen für 2026 nicht ganz treffen sollte, ist die Aktie extrem günstig zu haben. Das 2027er-KGV liegt unter 8 und das Verhältnis von Unternehmenswert zu erwartetem EBITDA bei branchenweit niedrigen 3,7.

3 Jahreschart Medios AG Stand 30.03.2026 12:41 Uhr || Quelle: stock3.com

Fazit

Die Investmentidee hinter der Medios-Aktie ist, dass sich das Profil als spezialisierter Hersteller und Dienstleister für margenstarke Spezialpharmaka auszahlen wird. Die größten Risiken, also der Preisdruck im Kerngeschäft Arzneimittelversorgung und sich abschwächendes Neugeschäft im Geschäftsbereich patientenindividualisierte Therapien, sind in der niedrigen Bewertung eingepreist. Durch die sehr gute Positionierung in einem stark regulierten Markt ist Medios von Produktionskapazitäten und Logistik sehr gut aufgestellt, um beim wachsenden Outsourcing für Spezialpharmaka seine Marktanteile zu vergrößern. Welche neuen mittel- und langfristigen Ziele sich Medios steckt, will das Unternehmen auf den Investorentagen am 28. und 29. September erläutern.

Autor/Autorin

Stefan Riedel
Finanzredakteur at Büro für Kommunikation

Stefan Riedel ist in den internationalen Finanzmärkten unterwegs. Seit 20 Jahren schreibt der passionierte Börsianer für die Plattformen und Publikationen von GoingPublic Media, unter anderem GoingPublic und die Plattform Life Sciences.