Nur zweieinhalb Monate nach Einreichung des Zulassungsantrages hat die US-Aufsichtsbehörde FDA grünes Licht für das Biotech-Medikament Blinatumomab erteilt. Damit hat es der ursprünglich in den Laboren der Micromet AG in München entwickelte Antikörper im Rekordtempo auf den Markt geschafft. Seit der Übernahme der Firma durch den US-Biotech-Konzern Amgen im Jahr 2012 gehört die Krebsarznei zur Behandlung der akuten lymphatischen Leukämie zum Portfolio der Amerikaner.

Bei Blinatumomab handelt es sich um einen künstlichen bispezifischen Antikörper, der auf der Basis der sogenannten BiTE-Technologie entwickelt wurde. Konventionelle therapeutische Antikörper markieren Krebszellen lediglich und setzen sie der menschlichen Immunabwehr aus. Wird die Antikörper-Therapie allerdings abgesetzt, so klingt auch der medizinische Effekt ab. Experten sprechen von passiven Immuntherapien.

Das ehemalige Münchner Biotech-Unternehmen Micromet hatte es geschafft, die Antikörper so schrumpfen zu lassen, dass sie Tumorzelle und Killerzellen des Immunsystems in direkte Nachbarschaft zueinander bringen können. So richtet sich Blinatumomab wie ein Adapter gleichzeitig gegen den CD3-Rezeptor von T-Zellen und gegen das Oberflächenprotein CD19 auf den Tumorzellen. Die T-Zellen werden auf diese Weise aktiviert: sie gehen gezielt gegen die Krebszellen vor und zerstören sie.

Mit der Übernahme des Nasdaq-notierten Unternehmens hatte sich im Juni 2012  der US-amerikanische Biotech-Konzern Amgen für 880 Millionen Euro den Zugriff auf das in Bayern entwickelte Molekül gesichert. Die Amerikaner setzen den Bite-Antikörper zunächst bei bestimmten Formen der akuten lymphatischen Leukämie ein. Er soll Patienten zugutekommen, denen mit konventioneller Chemotherapie nicht mehr geholfen werden kann. Seit 30 Jahren wurde kein neues Medikament für solch Schwersterkrankte mehr zugelassen. Auf dem diesjährigen Asco-Kongress in den USA vorgestellte Daten konnten zeigen, dass bei etwa 43% der mit Blinatumomab behandelten Patienten eine komplette Remission oder eine vollständige Remission mit einer weitgehenden Normalisierung des Blutbildes erreicht werden konnte.

 

 

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