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Biotechnologie-Firmen in Deutschland hatten auch im vergangenen Jahr wieder mit Finanzierungsproblemen zu kämpfen. In der Folge gingen sowohl die Zahl der Unternehmen als auch der erzielte Umsatz zurück. So sank die Zahl der Unternehmen von 407 im Jahr 2013 auf 401 im Jahr 2014. Im selben Zeitraum ging der Gesamtumsatz von 1,17 Mrd. EUR auf 1,14 Mrd. EUR zurück. Zugleich stiegen die Verlustzahlen um 2% auf 349 Mio. EUR.

Auffallend am Umsatzrückgang ist die starke Konzentration auf börsennotierte Unternehmen. Denn insgesamt fiel der Rückgang zwar niedriger aus als noch in 2013 (7%). Doch waren die an der Börse gelisteten Biotech-Firmen mit einem Minus von 11% besonders stark betroffen. Allerdings scheinen gerade diese trotzdem positiv in die Zukunft zu blicken, denn die börsennotierten Biotechnologie-Unternehmen steigerten ihre Forschung und Entwicklung-Ausgaben um 18% auf 133 Mio. EUR, hingegen die privaten Unternehmen sie nur um 2% auf 670 Mio. EUR anhoben.

Erfreulich gestaltete sich auch der Anstieg der Beschäftigten: So waren im vergangenen Jahr rund 9.920 Menschen als Arbeiter oder Angestellte in der deutschen Biotech-Industrie tätig. Ebenfalls positiv zu bewerten ist der Anstieg der Ausgaben für F& E, nämlich um 4% auf 803 Mio. EUR im Vergleich zu 2013.

Die Zahl der Neugründungen nimmt derweil seit 2010 beständig ab und hat im vergangenen Jahr einen neuen Tiefstand erreicht. Nur zehn neue Biotech-Firmen kamen hinzu. Zum Vergleich: 2010 wurden noch 34 neue Unternehmen gegründet. Auffallend ist, dass in den vergangenen beiden Jahren mit 60% die Mehrzahl der neu gegründeten Unternehmen auf dem risikoreichsten Sektor, der Medikamentenentwicklung, tätig ist. Mit weitem Abstand folgen dagegen die Hersteller biotechnischer Werkzeuge wie Gensonden oder Sequenzierenzyme (13%) Immerhin ist auch die Zahl der Insolvenzen im zweiten Jahr in Folge gesunken und betrug nach 17 Insolvenzen 2012 und 13 Insolvenzen 2013 nur noch elf Firmenpleiten im vergangenen Jahr.

Derweil gestalteten sich die Biotech-IPOs sehr positiv. In den USA stiegen sie von 41 auf 63, dabei steigerte sich das Volumen von 3,3 auf 4,9 Mrd. USD. In Europa wagten 31 Biotech-Unternehmen den Sprung an die Börse, nach acht im Vorjahr. Dabei erlösten sie 1,9 Mrd. USD (2013: 0,3 Mrd. USD). In beiden Märkten gingen vor allem Therapeutika-Entwickler an die Börse. Größter Börsengang in Europa war der des britischen Unternehmens Circassia Pharmaceuticals mit einem Volumen von über 250 Mio. EUR.

Mit Affimed aus Heidelberg und Probiodrug aus Halle haben auch in Deutschland erstmals seit 2006 wieder zwei Therapeutika-Entwickler den Gang an die Börse gewagt. Sie erlösten dabei 42,2 Mio. EUR beziehungsweise 23,2 Mio. EUR. Jedoch: Beide Firmen zog es an ausländische Börsen, nämlich an die NASDAQ in den USA beziehungsweise an die Euronext in Amsterdam. Vor allem dank dieser beiden Börsengänge konnten Biotech-Firmen in Deutschland ihre Kapitalaufnahme leicht um 3% auf 336 Mio. EUR steigern. Die Börsengänge von Affimed und Probiodrug trugen mit 65 Mio. EUR fast ein Fünftel zu der Summe bei. 155 Mio. EUR sicherten sich die Unternehmen über Risikokapital sowie 116 Mio. EUR durch Kapitalerhöhungen an der Börse.

Die Risikokapital-Investitionen sind im vergangenen Jahr weiter abgesunken, nämlich um 5,4% auf 155 Mio. EUR. Zum Vergleich: In Großbritannien sammelten Biotech-Firmen im vergangenen Jahr 447 Mio. EUR ein, was einer Steigerung von 155% innerhalb von zwei Jahren entspricht. Ähnlich erhöhten Risikokapitalgeber ihre Investitionen in der Schweiz: In der Alpenrepublik stieg das Kapitalvolumen im Venture-Capital-Bereich in den beiden letzten Jahren um jeweils 43% und verdoppelte sich damit auf 308 Mio. EUR.

Die Zahlen beruhen auf dem aktuellen „15. deutschen Biotechnologie-Report“ der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY (Ernst & Young). Studienautor und Leiter des deutschen Life Science Centers von EY, Siegfried Bialojan, gibt sich bei allen Problemen optimistisch: „Zukunftsinvestitionen bei schwacher Geschäftsentwicklung – dieses Signal war nach der Finanzkrise bisher nicht beobachtet worden. Insbesondere die deutliche Zurückhaltung in den F&E-Investitionen über die letzten Jahre hatte Anlass zu großer Sorge gegeben. Jetzt zeigt sich Licht am Ende des Tunnels“, betont Bialojan. „Für ein wirkliches Wachstum der Branche muss jedoch ein funktionierendes Kapitalökosystem wiederhergestellt werden“, fordert er. „Es müssen steuerliche Anreize für ein breites Spektrum von Anlegern geschaffen werden, um dadurch mehr privates Kapital für innovative Hightech-Unternehmen zu mobilisieren.“

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