Das zum fünften Mal von BIO Deutschland, dem Arbeitskreis der BioRegionen und dem Gastgeber Life Science Nord veranstaltete Event endete nach zwei Tagen und 780 Teilnehmern in diesem Jahr mit einem Besucherrekord. In 20 parallel abgehaltenen Foren mit den unterschiedlichsten Themen zur Biotechnologie, gab es reichlich Gesprächsstoff für die angereisten Besucher aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) nutzte das Event zur Präsentation seiner 32 geförderten Projekte, die in vier thematisch unterschiedlichen Symposien vorgestellt und diskutiert wurden.

Heiß diskutiert: der Mangel an Kapital
Die politischen Vertreter, die den Weg nach Hamburg gefunden hatten, versprachen mit neuen Initiativen die aktuellen Geldsorgen der Branche zu verbessern. Ausgelöst wurde die Debatte um die magere Finanzierung vieler Jungunternehmen durch den aktuellen Boom der Branche in den USA und der Thematisierung der Problematik im aktuellen Biotechnologie Report des Beratungsunternehmens Ernst & Young. Denn während die US-Amerikaner sich vor Risikokapital kaum retten können und von einem Entwicklungserfolg zum nächsten hecheln, nimmt die Lust deutscher Investoren auf Biotechnologie und Life Sciences immer weiter ab. Auch Dr. Siegfried Bialojan von Ernst & Young und Autor der aktuellen Studie mahnt in seiner Publikation, die Entwicklungen in der Branche zu verschlafen. Der Mangel an Kapital, so Dr. Siegfried Bialojan, sei gravierend, die Finanzierung hierzulande nur von wenigen Investoren – primär den großen Family Offices wie beispielsweise den Strüngmann Brüdern – gestemmt.

Politik verspricht Abhilfe
Eine Zweiteilung zum Thema Finanzierung zeigte sich bei den Jungunternehmern. Während ein Teil sich am Biotech-Börsen-Boom (lesen Sie unseren 3-Teiler zum Thema) in den USA orientiert und auf ein Überschwappen des Hypes nach Deutschland hofft, plädiert der zweite Teil für ein an Deutschland adaptiertes Modell. Vor allem wenn es um die Mangelware „Finanzierung“ geht, setzen viele Biotech Start-ups nach wie vor auf die Hilfe der Politik. Georg Schütte, Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), versprach diese Hilfe und kündigte spontan eine Initiative für Verbesserungen in der Finanzierung an. Auch der Abteilungsleiter Industriepolitik im Bundeswirtschaftsministerium, Sven Halldorn, hatte ein offenes Ohr und will noch vor der Sommerpause ein industriepolitisches Innovationskonzept präsentieren. Lutz Stroppe, Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium, gab Pläne der Regierung für einen neuen „Pharmadialog“ bekannt.

Die jährliche Preisverleihung
Ein Highlight – wie in jedem Jahr – war  die Vergabe des Innovationspreises und die Ehrung der Sieger des vom BMBF initiierten Gründungswettbewerbs GO-Bio. Der erste Platz des Innovationspreises, einschließlich 2.000 Euro Preisgeld, gingen an den Freiburger Professor Wilfried Weber, der an der Uni Freiburg in synthetischer Biologie forscht. Er erhielt den ersten Preis für die Verbesserung von Impfstoffen. Mit Hilfe eines Wirkstoff-Depots, das längere Zeit ohne Abbau im Körper verweilt und mit einer Tablette aktiviert werden kann, will Weber die bei Impfungen üblichen Mehrfachinjektionen verhindern. Der Professor sieht den Einsatz seiner Entwicklung vor allem in Entwicklungsländern – dort würden die Impftermine häufig nicht vollständig wahrgenommen und so der Impfschutz gefährdet.

Für 2015 ist ein neuer Rekord geplant
Zu guter Letzt zogen auch die Geschäftsführerin der BIO Deutschland, Viola Bronsema, und Bernward Garthoff von der Bioregion BIO.NRW ein positives Fazit. Ziel müsse es sein, den Besucherrekord der diesjährigen Veranstaltung im nächsten Jahr zu toppen. Am 22. und 23. April 2015 in Köln liegt die Latte nun bei 800 Besuchern – angesichts der hohen Nachfrage in diesem Jahr, gar kein so unrealistische Ziel.

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