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Daß sie dabei große Anstrengungen im Pre-IPO Marketing unternehmen, um für genügend Aufmerksamkeit und Interesse zu sorgen, ist ebenfalls nichts sonderlich Neues. Ungewöhnlich ist aber die Vorgehensweise des Börsenkandidaten web.de.

Die Betreibergesellschaft eines Internetportals hat sich im Vorfeld des IPOs zu einem sog. Affinity-Programm entschlossen, bei dem all diejenigen bei der Zuteilung der Aktien bevorrechtigt berücksichtigt werden, die ein kostenlosen e-Mail Account bei dem Portal einrichten. Etwa 18 % des Emissionsvolumens von 8,625 Mio. Stückaktien (inkl. Greenshoe) sind für das Affinity-Programm vorgesehen. Auf diese Weise nutzt web.de geschickt die momentane Neuemissionshysterie, um zusätzliche „Kunden“ zu gewinnen.

Web.de bezeichnet sich selbst als führender unabhängiger Online-Services-Anbieter im deutschen Internetmarkt. Das Unternehmen ist der Anbieter eines Internetportals, also einer Startseite. Der Internetkatalog stellt dabei das Kernangebot dar. Darüber hinaus stehen dem User derzeit 20 Zusatzdienste zur Verfügung.

Web.de ist ein junges Unternehmen – mit außerordentlich ehrgeizigen Zielen. Lag der Umsatz 1997 noch bei bescheidenen 0,73 Mio. Euro Umsatz, so rechnet der Vorstand für dieses Jahr mit Umsätzen in Höhe von 9,43 Mio. Euro. Bis 2002 wird eine Steigerung des Erlöses auf 69,8 Mio. Euro erwartet. Für diesen Zeitraum entspricht das einem durchschnittlichen Wachstum (CAGR) von 148,9 % p.a. Wie immer bei Internet-Aktien werden Überschüsse erst zukünftig erzielt. 2002 wird das Überschreiten der Gewinnschwelle einhergehend mit einem positiven Ergebnis von 0,14 Euro je Aktie erwartet.

Durch den Börsengang sollen Umsatzquellen wie Advertising, Sponsoring und e-Commerce systematisch erschlossen werden. Ob die Ziele allerdings alle erreich werden können, muß sich noch zeigen. Einen „kleinen Ausrutscher“ muß web.de schon eingestehen. Statt, wie vorher angegeben, 24,1 %, beträgt die Reichweite des Portals angeblich nur 7,9 % – und ist damit nur an 24ster Stelle im deutschsprachigen Internet.

Der Börsengang verlief bisher sehr erfolgreich. So wurde der Zeichnungsschluß auf Freitag den 11. Februar vorverlegt. Trotz eines stattlichen Umsatz-Multiples von 34 auf 2001er Basis ist das Interesse groß. Sollte die Euphorie anhalten, stehen die Chancen einer positiven Kursperformance nicht schlecht.

Positiv sind auch die Aussichten des nächsten Börsenkandidaten. Die Softline AG plant am 14. Februar die Erstnotiz am Neuen Markt. Das Unternehmen ist auf den Vertrieb von Standardsoftware spezialisiert. Dabei setzt Softline neben dem klassischen Printkatalog zunehmend auf das Internet als Vertriebsmedium. Mit der sog. Instant Software kann sogar die Bezahlung und Auslieferung der gekauften Software über das Internet erfolgen, womit die komplette Transaktion online abgewickelt wird.

Für das laufende Geschäftsjahr 1999/2000 (zum 30. Juni) wird ein Umsatz von 40,2 Mio. Euro erwartet, der sich bis 2000/01 auf 65,9 Mio. Euro ausweiten soll. 2002/03 wird mit 110 Mio. Euro gerechnet. Für diesen Zeitraum ergibt sich ein CAGR von knapp 40 % p.a. Das Unternehmen selbst geht von jährlichen Wachstumsraten zwischen 30 und 35 % aus. Das bisher positive Ergebnis wird bedingt durch hohe Investitionen in den Vertrieb ins Minus rutschen. Erst 2002/03 soll wieder ein positives Ergebnis (0,41 Euro je Aktie) ausgewiesen werden. Auf dieser Basis errechnet sich ein Emissions-KGV von maximal 43. Angesichts der guten Marktstellung und der langfristig hohen Wachstumsraten im Bereich Electronic Software Delivery erscheint ein Investment aussichtsreich.