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Mit dem Onlinebroker Smartbroker will wallstreet:online capital nicht nur günstigen Aktienhandel anbieten, sondern auch die hiesige Aktienkultur nachhaltig stärken. Mehr dazu im vorliegenden Interview.

GoingPublic: Herr Soltau, seit Ende Dezember 2019 ist der Smartbroker auf dem Markt – erklären Sie uns doch bitte kurz die Idee dahinter.

Soltau: Gerne! Für mich ist der Smartbroker die nächste Entwicklungsstufe in einer Reihe von Kapitalanlageprodukten. Nehmen wir z.B. FondsDISCOUNT.de. Als wir damit vor 20 Jahren gestartet sind, waren wir Vorreiter der Branche. Wer einen Fonds kaufen wollte, musste zu seiner Hausbank gehen, sich beraten lassen und dafür satte Gebühren bezahlen. Wir glauben aber fest daran, dass es genügend private Anleger gibt, die ihre Investitionsentscheidungen selbstständig treffen wollen. Als unabhängiger Fondsvermittler können wir diesen Menschen deutliche Preisvorteile gegenüber Banken und Sparkassen bieten. Wir arbeiten hier nach dem Motto: unkompliziert, fair und transparent. Diesen Ansatz haben wir auch auf den Smartbroker übertragen und gleichzeitig das Angebot erweitert: FondsDISCOUNT.de ist – wie der Name bereits sagt – auf die Vermittlung von Fonds ausgerichtet. Mit dem Smartbroker sprechen wir nun auch Aktien-, Anleihen- und Zertifikatshändler an.

Thomas Soltau, CEO von wallstreet:online capital AG im Gespräch mit GoingPublic.
Thomas Soltau, CEO von wallstreet:online capital AG im Gespräch mit GoingPublic.

Wer ist Ihre konkrete Zielgruppe?

Der Smartbroker ist für jedermann gedacht, insofern richten wir uns an alle: vom kleinen Fondsanleger bis hin zum professionellen Trader.

Wie heben Sie sich von anderen Onlinebrokern am Markt ab?

Wir vereinen das Angebot eines Full-Service-Brokers mit den Konditionen eines Low-Budget-Brokers. Bisher hatten Kunden die Wahl zwischen teuer oder mieser Auswahl. Mittlerweile haben zum Glück die meisten Anleger erkannt, dass sie die gleiche Aktie auch für den Bruchteil des Preises handeln können. Doch gerade bei den vermeintlich günstigen Brokern sollte man genau hinsehen: Was auf den ersten Blick verlockend anmutet, bedeutet oft eine deftige Gebührenerhöhung nach ein paar Monaten. Meist sind diese Sonderkonditionen nur befristete Aktionen – wir bieten unseren Kunden nicht nur dauerhaft günstige Preise, sondern arbeiten bereits an der nächsten Gebührensenkung.

Wo liegen weitere Alleinstellungsmerkmale, unabhängig von den Gebühren?

Lassen Sie uns auch über Service reden: Einer unserer Mitbewerber unterstreicht immer wieder, wie niedrig seine Gebühren doch seien. Das mag sogar stimmen – dafür können die Kunden bei diesem Anbieter nur an einem Handelsplatz traden. Beim Smartbroker bieten wir dagegen alle deutschen Börsen und Wertpapierarten an. Aus Erfahrung wissen wir, wie wichtig den Kunden verschiedene Wahlmöglichkeiten sind, zumal dadurch keine Abhängigkeit zu einem einzelnen Börsenplatz entsteht.


In Zeiten von Null- bzw. sogar Strafzinsen scheinen Investments am Aktienmarkt unumgänglich zu sein. Wie erklären Sie sich, dass insbesondere Privatanleger den Kapitalmarkt so sehr scheuen?

Die Deutschen scheinen tatsächlich besonders misstrauisch gegenüber Aktien zu sein. In einer sehr interessanten Studie kam heraus, dass 42% der Umfrageteilnehmer das Wort „Aktie“ mit „Spekulation“ und ebenso viele mit „Risiko“ verbinden. Nur 9% dachten an einen positiven Begriff wie „Gewinn“, und nur 1% der Befragten assoziierte damit „Reichtum“. Wir sprechen hier also vor allem von einem psychologischen Problem. Wenn man der Forschung glauben darf, sind die Deutschen in besonderem Maße bereit, niedrigere Erträge in Kauf zu nehmen, solange mit Sicherheit mit einem bestimmten Ergebnis gerechnet werden kann.

Was könnte man Ihrer Meinung nach tun, um die Aktienkultur stärker zu fördern?

Trading muss so einfach wie möglich werden. Das ist auch unser Anspruch an den Smartbroker. Dazu gehören auf Produktseite in erster Linie ein faires Preismodell, eine übersichtliche Nutzeroberfläche und eine Kommunikation auf Augenhöhe. Wir wollen künftig verstärkt Börseneinsteiger ansprechen und wenn nötig auch an die Hand nehmen. Gerade die etablierten Banken kommunizieren aus meiner Sicht an den meisten Kunden vorbei. Wenn wir uns aber mal den Aktienmarkt anschauen, stellen wir fest, dass sich die meisten Papiere in wenigen Händen befinden und es sich dabei meistens um Menschen mit hohem Einkommen handelt. Wir können die Aktienkultur nur dann nachhaltig stärken, wenn wir es als Branche schaffen, auch Otto Normalverbraucher für Wertpapiere zu begeistern. Hier sehe ich auch den Staat in der Pflicht: Abiturienten verlassen nach 13 Jahren die Schule, haben aber im Unterricht noch nie etwas über den Börsenhandel gehört. Stattdessen werden Jugendliche im Glauben gelassen, dass die Renten sicher seien. Die skandinavischen Staaten verfahren hier völlig anders und fördern Fondsanleger im Rahmen der Altersvorsorge. Allein der norwegische Staatsfonds besitzt 1,4% des Weltaktienmarkts. Jeder Einwohner des kleinen Lands verfügt dadurch rechnerisch über ein Vermögen von ca. 200.000 EUR. Daran sollte sich die Deutsche Rentenversicherung dringend ein Beispiel nehmen!

Einige Onlinebroker haben in der jüngsten Vergangenheit ihre Gebühren deutlich erhöht. Welche Preispolitik betreiben Sie bei Ihrem Smartbroker?

Es scheint sich leider so etwas wie ein Trend zu höheren Gebühren abzuzeichnen. Die WirtschaftsWoche hat erst vor wenigen Wochen mehrere Anbieter genau deshalb kritisiert. Warum sich die Mitbewerber zu diesen Schritten entschieden haben, kann ich aber im Einzelfall nicht sagen. Ich gehe jedoch davon aus, dass bestimmte Rechnungen einfach nicht mehr aufgehen. Wir haben beim Smartbroker von Anfang an auf ein sehr günstiges Set-up geachtet. Diese Preisvorteile können wir direkt an die Kunden weitergeben. Mittelfristig wollen wir die Gebühren sogar weitestgehend abschaffen.

GoingPublic: Herr Soltau, vielen Dank für die interessanten Einblicke.

Das Interview führte Svenja Liebig.

Thomas Soltau ist seit dem Jahr 2014 Vorstand der wallstreet:online capital AG mit Sitz in Berlin. Der gelernte Bankkaufmann verfügt inzwischen über 16 Jahre Berufserfahrung im deutschen Kapitalanlage- und Fondsmarkt.

 

Über den Autor

Svenja Liebig ist Redaktionsleitern Kapitalmarktmedien bei der GoingPublic Media AG. Ihre Schwerpunktbereiche liegen bei Themen rund um IPOs, Investor Relations, Unternehmensfinanzierung und den Kapitalmärkten in Österreich und der Schweiz.