Laut einer aktuellen Studie der Unternehmensberatung hkp/// group ist die durchschnittliche Vergütung der Aufsichtsratsvorsitzenden in den führenden börsennotierten Unternehmen Deutschlands im Geschäftsjahr 2018 um knapp 4% auf 424.000 EUR gestiegen.

Damit haben sich seit 2006 die Bezüge der Chef-Aufseher der DAX-Unternehmen um rund 4,3 % pro Jahr erhöht, liegen aber weiterhin deutlich unter den Vergütungsniveaus der Vorstandsvorsitzenden in den gleichen Unternehmen. Der Vergütungsunterschied beträgt rund das Fünfzehnfache.

Deutsche Bank liegt vorne

Mit rund 858.000 EUR besetzt der Aufsichtsratsvorsitzende der Deutschen Bank wie in den Geschäftsjahren zuvor die Spitze der Vergütungsrangliste. Am Ende der Rangreihe findet sich der Aufsichtsratsvorsitzende von Beiersdorf mit 228.000 EUR. Angesichts der von den Unternehmen fortgesetzten Umstellung der Aufsichtsratsvergütung auf reine Fixbezüge haben sich die Vergütungen von der Geschäftsentwicklung laut Studienergebnisse entkoppelt. So wird der aktuelle Vergütungsanstieg durch sinkende Unternehmensgewinne kontrastiert: Der durchschnittliche Konzernjahresüberschuss der DAX-Unternehmen ist 2018 um 3% gesunken. Mit BMW, Continental, Deutsche Bank, Fresenius und Fresenius Medical Care setzen nur noch fünf Unternehmen auf eine Kombination von fixer und langfristig variabler Vergütung für ihre Aufsichtsräte. Eine kurzfristig variable Vergütung auf Basis des Geschäftsergebnisses eines Jahres findet sich in keinem DAX-Unternehmen mehr. Vorschriften zum Erwerb und langfristigen Halten eines signifikanten Anteils an Aktien des eigenen Unternehmens finden sich nur bei BASF, Bayer, Daimler und RWE.

Regine Siepmann, hkp///group
Regine Siepmann, hkp///group

Aus Sicht der Studienautoren zeigt das aktuelle Gesamtbild der Aufsichtsratsvergütung in den DAX-Unternehmen wenig Überraschungen. „Wie sehen zunehmend Vergütungshöhen, die – wenngleich langsam – auch bei den kleineren DAX-Vertretern angemessenere Niveaus erreichen“, erklärt hkp/// group Partnerin Regine Siepmann. Sie blickt jedoch kritisch auf den immer stärker werdenden Trend zur ausschließlichen Fixvergütung, die aus Sicht der Unternehmensberatung nicht die Aufgabenfülle aus Kontrolle und Strategiebegleitung abbilde. „Wenn schon eine reine Fixvergütung gezahlt wird, dann sollte diese zwingend durch eine Aktienkaufverpflichtung ergänzt werden. Der Aufsichtsrat als Vertreter der Aktionäre braucht mehr Skin in the Game“, fordert sie.

Große Lücke zwischen AR und CEO

Weiterhin falle auf, dass das Vergütungsniveau weiter deutlich unter dem des Vorstands liege. Mit dem aktuellen Durchschnittswert für die Vergütung eines Aufsichtsratsvorsitzenden in DAX-Unternehmen in Höhe von 424.000 EUR wird zum zweiten Mal in Folge die Marke von 400.000 EUR übertroffen (2017: 408.000 EUR). Er stellt den Höchstwert in dem seit 2006 möglichen Vergütungsvergleich dar.
Dagegen belaufen sich die Vergütungen der Vorstandsvorsitzenden in DAX-Unternehmen im letzten Jahr auf einen Durchschnittswert von rund 6,4 Mio. EUR. Damit liegt die Relation zwischen den durchschnittlichen Bezügen von Aufsichtsratsvorsitzenden und Vorstandsvorsitzenden bei dem Faktor 15,2. Besonders deutlich wird der Vergütungsabstand am Beispiel Beiersdorf: Hier erhielt der mittlerweile ausgeschiedene CEO im Geschäftsjahr 2018 eine Vergütung von 23,4 Mio. EUR und belegt damit die Spitze der Vergütungsrangreihe im DAX.

Die Bezüge des Aufsichtsratsvorsitzenden belaufen sich im gleichen Zeitraum auf 228.000 Euro und stellen den geringsten Wert im DAX-Vergleich dar. Dieser deutlich Unterschied in der Vergütungshöhe ist aus Sicht der Studienautoren nicht gerechtfertigt. „Ein Aufsichtsratsvorsitz ist heute mehr denn je auch mit Strategiebegleitung und intensivem Sparring für den Vorstand verbunden. Keine nennenswerte Investition oder sonstige Entscheidung von größerem Ausmaß kann heute ohne Einbindung des Aufsichtsratsvorsitzenden getätigt werden. Die Vergütung für das Amt sollte daher so ausgelegt sein, um sich auf Augenhöhe begegnen zu können. Davon sind wir aber weit entfernt“, betont hkp-Senior Managerin Nina Grochowitzki.

Die Analyse „Geschäftsberichtsauswertung Aufsichtsratsvergütung DAX 2018“ stützt sich auf die Geschäftsberichte und Satzungen von 29 der 30 DAX-Unternehmen, da die entsprechenden Dokumente von Linde plc für das zurückliegende Geschäftsjahr noch nicht veröffentlicht sind.

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Über den Autor

Svenja Liebig ist Redakteurin des GoingPublic Magazins sowie verantwortlich für goingpublic.de